Herzogenrath: Schwimmvereine drohen unterzugehen

Herzogenrath : Schwimmvereine drohen unterzugehen

„Es wäre ein Desaster für uns, wenn das Hallenbad an der Bergerstraße nicht mehr öffnet“, sagt Mark Walecki-Mingers, Schwimmwart des Kohlscheider Schwimmclubs (KSC) und Mitglied des Euregio-Swim-Teams. Und fügt hinzu: „Wenn keine Lösung gefunden wird, dann ist das der Tod des Schwimmsports in Herzogenrath.“

Nachdem das Kohlscheider Hallenbad Mitte 2015 geschlossen und mittlerweile abgerissen wurde, war das Hallenbad an der Bergerstraße die einzige vernünftige Trainingsstätte für die Herzogenrather Schwimmvereine. Fünf Vereine teilten sich die Bahnen des kleinen Schwimmbads. „Das hat uns ziemlich zusammengeschweißt“, sagt Walecki-Mingers, „mehr Positives hat das ganze dann doch nicht.“ Am 9. Mai ist der „Supergau“, so Walecki-Mingers, für die Vereine eingetreten: Das Bad wurde wegen technischer Probleme geschlossen. Zunächst wurde eine Schließung bis zum 18. Mai anvisiert, doch bis heute sind die Türen nicht mehr geöffnet worden — Wiedereröffnung mittlerweile laut Stadt „ungewiss“. Ein Gutachten müsse klären, wie stark die Schäden seien und ob eine Eröffnung überhaupt noch einmal möglich sei (wir berichteten).

Nach mehrmaligem Verschieben des Wiedereröffnungs-Termins ist das Hallenbad an der Bergerstraße (links) nun auf unbestimmte Zeit geschlossen. Eine der wenigen Alternativen für Vereine und Schulen ist das Freibad in Merkstein (rechts). Fotos (3): Tyrone Schwark. Foto: Tyrone Schwark

Mitgliederzahlen schwinden

Fürchtet um die Existenz der lokalen Schwimmklubs: Mark Walecki-Mingers. Foto: Tyrone Schwark

Das bedeutet gleichzeitig, dass ein wettkampforientierter Trainingsbetrieb in dieser Zeit nicht stattfinden konnte. „Wir haben eine kurze Schwimmzeit im Freibad Merkstein bekommen — nach der Schließung für die Öffentlichkeit“, sagt Walecki-Mingers. Doch aufgrund der schwankenden Wassertemperatur sei dort gerade am Abend ein Trainingsbetrieb für die Kinderschwimmgruppen nicht möglich.

Und genau das ist fatal, nicht nur für den KSC. Denn je mehr Trainingseinheiten — die eh nach der Schließung der Kohlscheider Halle bereits drastisch reduziert wurden — ausfallen, desto mehr Mitglieder treten aus den Vereinen aus. „Etwa 20 Prozent unserer Mitglieder sind bereits weggebrochen“, sagt Bernd Kmoch, Geschäftsführer der Herzogenrather DLRG-Ortsgruppe. Den anderen Vereinen geht es ähnlich. Beim KSC seien es sogar 45 Prozent.

Schon mal durchlebt

Deswegen sind die Erwartungen an die Stadt groß. Denn die Lage an der Bergerstraße ist wie ein „Dejavue“, so Walecki-Mingers, zur damaligen Situation in Kohlscheid — auch wenn niemand möchte, dass es genauso endet. „Aber wir müssen von dem schlimmsten Fall ausgehen“, sagt Walecki-Mingers. Deswegen haben die Vereine bereits vor einiger Zeit ein Konzept eingereicht, indem sie ihre Vorstellung für den Bau und die Entwicklung der städtischen Bäderlandschaft vorstellten. Denn schließlich haben die Vereine bereits nach dem Kohlscheider Desaster vor der heutigen Situation gewarnt.

„Bis dato sind wir allerdings auf taube Ohren gestoßen, auch wenn von Seiten der Politik oft gesagt wurde, dass ein reger Austausch mit uns stattfindet“, sagt Walecki-Mingers. Bis dahin habe immer noch das Schlupfloch an der Bergerstraße gegeben, jetzt sei die Situation so weit vorangeschritten, dass eine Lösung erarbeitet werden müsse. Auch wenn er und seine Kollegen um den Herzogenrather Nothaushalt wüssten. „Es geht nicht lange mehr so weiter. Es wird Zeit, dass angepackt wird“, ist Walecki-Mingers Appell an die Verantwortlichen.

Dem können sich auch die betroffenen Schulen nur anschließen, sagt Markus Fabricius, stellvertretender Schulleiter am städtischen Gymnasium Herzogenrath. Insgesamt sind vier Schulen von der Schließung betroffen. Allein am Gymnasium sind es rund 350 Schüler, die momentan auf das Schulschwimmen verzichten müssen. Anders als die betroffenen Vereine sieht er die Stadt als „sehr bemüht an, das Problem zu lösen und optimale Bedingungen für die Schule zu schaffen“. „Bis zur Schließung hat bei uns jedenfalls alles immer reibungslos geklappt“, so Fabricius. „Wir haben allerdings auch Glück, dass wir momentan den Schwimmunterrichtsausfall mit Angeboten auf unserer Außensportanlage kompensieren können. Im Winter hätten wir ein viel größeres Problem.“

Zusätzlich zum Hallenbad an der Bergerstraße besitzt die Stadt noch zwei Lehrschwimmbecken. Eins in der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Merkstein und eins an der Leonhardstraße. Ein Ausweichen in diese Becken ist jedoch weder für die Vereine noch für Fabricius eine mögliche Alternative.

Das weiß man auch auf Seiten der Stadt. „Eine mögliche Teillösung könnte das Freibad Merkstein sein“, sagt Hubert Philippengracht, Erster Beigeordneter und Städtekämmerer von Herzogenrath. „Ansonsten könnte sich auch das Hallenbad in Kerkrade als Übergangslösung anbieten.“ Alles Alternativen, die den Vereinen und Schulen nicht besonders gut schmecken. Neben der noch unregelmäßigen Wassertemperatur im Freibad wäre eine Anfahrt nach Kerkrade kaum lohnenswert — ganz abgesehen von der Kollision mit den Zeiten der dort ansässigen Schulen und der breiten Öffentlichkeit:

„Bustransfers dauern lange und sind teuer. Effektive Wasserzeit bleibt für die Schüler dann auch kaum noch übrig“, sagt Fabricius. Bislang kristallisiert sich aus den vorgestellten kurzfristigen Lösungen keine besonders brauchbare Alternative heraus. Deswegen fordern die betroffenen Vereine in einem Schreiben an Phillipengracht: „Es wird Zeit, mit offenen Karten zu spielen.“ Trotzdem möchte die Stadt nichts überstürzen. „Es gibt weiterhin Untersuchungen. Wir müssen das Ergebnis abwarten und wann, beziehungsweise ob, wir das Hallenbad wieder nutzen können“, sagt Phillipengracht.

In einem verweist er auch auf den Baubeschluss für einen Neubau des Kohlscheider Schwimmbads. Vom Nachteil sollte dabei allerdings sein, dass die Finanzierung bei diesem Beschluss des Bau- und Verkehrsausschusses aus dem Jahr 2015 offen blieb. Und sich die Stadt ohne Zuschüsse, die bereits im März des vergangenen Jahres vom Bund abgelehnt wurden, diesen Neubau gar nicht leisten kann.

„Es scheint so, als möchte die Stadt das Problem einfach aussitzen“, sagt Walecki-Mingers. „Das kann nicht gut gehen.“ Am Montag durfte er mit seinen Kollegen von den anderen wassersporttreibenden Vereinen dem Stadtsportverband noch einmal ein überarbeitetes Bäderkonzept vorlegen. Am Dienstag tagte dann der Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur. Mit dem Ergebnis: Erst mit dem Gutachten werden weitere Entscheidungen getroffen. Zeit, die für die Vereine ein Genickbruch sein könnte.

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