Herzogenrath: Schwimmbad-Neubau: Die Standortfrage sorgfältig ausloten

Herzogenrath: Schwimmbad-Neubau: Die Standortfrage sorgfältig ausloten

14 Millionen Euro voraussichtliche Nettokosten für einen Schwimmbad-Neubau — das ist ein Brocken, der erst einmal geschluckt und verdaut werden will. Und so hakten die Politiker im jüngsten Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur (BSK) denn auch noch mal nach auf der Suche nach Einsparpotenzial.

Aber das Konzept für eine zukunftsweisende Bäderlandschaft in Herzogenrath, erstellt von der Fachfirma GMF aus München-Neuried — die unter anderem auf 30-jährige Erfahrung auf dem Freizeitsektor verweist — hat nach gründlicher Analyse von Ist-Zustand, Bedarf und Besucherpotenzial alle Eventualitäten im Blick. Da gibt es wenig Spielraum nach unten, auch das wurde durch die Präsentation von GMF-Projektleiter Beratung, Thomas Meier, deutlich. Parteiübergreifend gab es für seine detailreichen Ausführungen im übrigen lobende Worte.

Drei „potenzielle und näher zu betrachtende“ Standortvarianten mit den jeweils resultierenden Ergänzungsmaßnahmen im Sinne einer für alle Bedarfe zufriedenstellenden Bädersituation in der Stadt haben die Planer letztlich formuliert: Variante 1 — ein Neubau auf dem Parkplatz Bergerstraße in Herzogenrath-Mitte, was allerdings den zusätzlichen Bau eines Lehrschwimmbeckens in Kohlscheid erfordern würde. Zudem würde das mittlerweile reparaturbedürftige Lehrschwimmbecken der Dietrich-Bonhoeffer-Schule saniert, das in die Jahre gekommene Lehrschwimmbecken Leonhardstraße könnte geschlossen werden. Gesamtkosten: 18.555.000 Euro.

Variante 2 — Standort Roermonder Straße/Forensberg: In Folge würden das Bad an der Bergerstraße geschlossen und die beiden Lehrschwimmbecken Dietrich-Bonhoeffer- und Leonhardstraße saniert. Gesamtkosten: 17.055.000 Euro. Variante 3 — Standort Zellerstraße in Kohlscheid: Hier würden ebenfalls die Halle Mitte geschlossen und die beiden Lehrschwimmbecken saniert. Allerdings bedürfte es an diesem Standort eines zeit- und kostenaufwendigen Gutachtens bezüglich möglicher Folgen des einstigen oberflächennahen Bergbaus. Gesamtkosten: rund 17.865.000 Euro.

Fragebogenaktion als Basis

Von GMF klar bevorzugt wird die kostengünstigste Variante 2, auch, weil sie die intensivste Überlappung mit Blick auf den schulischen Bedarf bietet.

Im übrigen stützt sich das Konzept unter anderem auf eine bei Vereinen und Schulen vorgenommene Fragebogenaktion. Und zur Ermittlung des öffentlichen Bedarfs wurde das Bäderangebot und damit die Wettbewerbssituation im näheren Umfeld der Region betrachtet, vom Hallenbad in Aachen-Brand im Süden bis zum Ü-Bad im Norden.

Das Fazit: Für Herzogenrath brauche es ein Schwimmerbecken mit mindestens sechs 25-Meter-Bahnen. Dazu eine Sprunganlage mit 1- und 3-Meter-Brett, ein Lehrschwimmbecken und für den öffentlichen Bedarf auch noch ein Kinderbecken. „Zuschaltbare Wasserattraktionen“, etwa Massagedüsen, seien im Sinne der Akzeptanz angeraten, ebenso eine kleinräumige Textilsauna im Badebereich.

Eine klassische Sauna indes, für die es zwar ein realistisches Potenzial von 25.000 Besuchern jährlich gäbe, sei für eine Einrichtung dieser Größenordnung vergleichsweise teuer und erst ab 35.000/40.000 Besuchern wirtschaftlich darstellbar.

Ein Bad wie das in Herzogenrath auf rund 5000 Quadratmetern Fläche (samt Parkplatz) angedachte könne einen öffentlichen Besucherstrom von 100.000 im Jahr erreichen. Wobei davon ausgegangen wird, dass rund 30 Prozent der Bevölkerung in einem Einzugsbereich von rund 20 Minuten Fahrzeit als Nutzer generierbar sind. Und, wie Meier darlegte: „Acht bis neun Stunden öffentliche Nutzung sollte möglich sein.“

Der nichtöffentliche Nutzungsbedarf durch Schulen und Vereine wird auf 40 000 Schwimmer beziffert.

Als wichtiger und energiekostendämpfender Aspekt wird eine Abtrennbarkeit der einzelnen Beckenbereiche durch Glaswände herausgestellt, denn die Umgebungstemperaturen von Kinder- respektive Lehrschwimmbecken müssen höher sein als die des Schwimmerbeckens, in dem konsequent Bahnen gezogen werden.

In einem kleinen und quasi nebenher betriebenen Gastrobereich — von einer regulären Gastronomie raten die Gutachter ab — könnten Einnahmen von rund 150 000 Euro erzielt werden, so Meier. Was unter anderen Dr. Manfred Fleckenstein (SPD) in Erstaunen versetzte, vom GMF-Berater aber mit Blick auf Erfahrungswerte aus vom Neurieder Unternehmen selbst betriebenen Bädern untermauert wurde.

„Nullsummenspiel“

Ein vielleicht mögliches Einsparpotenzial durch einen Verzicht auf die Sprunganlage wollte Renate Gülpen (CDU) doch noch einmal beleuchtet haben. 350.000 Euro Baukosten ließen sich dadurch zwar sparen, ebenso rund 10.000 Euro für Reinigung und Wartung jährlich, legte Thomas Meier dar. Aber zum einen senke eine fehlende Sprunganlage die Attraktivität der Halle und damit die öffentliche Besucherzahl und zum anderen bräuchten Vereine wie die DLRG ein tiefes Becken fürs Training: „Diese Vereine würden letztlich weg bleiben.“ Alles in allem sei der Verzicht auf eine Sprunganlage ein Nullsummenspiel.

Barbara Onkels, Direktorin der Kohlscheider Gesamtschule und für die weiterführenden Schulen im BSK, hörte diese Gegenrechnung gerne und richtete einen eindringlichen Appell an die Politik. „Wir wollen ein Bad, das auch Vereinen und Schulen zugute kommt“, erinnerte sie daran, dass eben diese auch Sportabzeichen vergeben. Ohne Sprunganlage seien die dazu nötigen Nachweise — Sprünge vom 1- bzw. 3-Meter-Brett — nicht möglich: „Wir sollten den Mehrwert für Schulen und Vereine nicht außer Acht lassen.“

Bei allem Lob für das Gutachten generell zeigte sich Dr. Bernd Fasel (Grüne) aber auch „sehr enttäuscht“, dass der von seiner Partei einst vorgeschlagene Hallenstandort auf dem Gelände hinter der EBV-Hauptverwaltung in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Kohlscheid in der Bewertungsmatrix „hinten runtergefallen“ sei. Was auch Kai Baumann (Piraten) bedauerte.

Bruno Barth (UBL) — der zum einen betonte, dass die Sprunganlage ein Muss darstelle —, lenkte daraufhin den Blick auf die bislang gehandelte Zeitschiene von vier bis fünf Jahren bis zur Fertigstellung der neuen Halle: „Hoffentlich hält das Bad an der Bergerstraße noch so lange“, mahnte er zur Eile: „Fürs neue Bad brauchen wir einen Standort, bei dem nicht lange Untersuchungen nötig sind ...!“

Jetzt sind Vereine und Schulen zum von ihnen präferierten Standort gefragt, und in der Sitzung am 17. April soll entschieden werden.

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