"Schulen gegen Rassismus" engagieren sich in Herzogenrath

Nationalsozialismus: „Schulen gegen Rassismus“ engagieren sich in Herzogenrath

Auch in diesem Jahr haben sich mit der Grundschule Pannesheide und der Käthe-Kollwitz Förderschule gleich zwei der anerkannten Herzogenrather „Schulen gegen Rassismus - Schulen mit Courage“ aufgemacht, um sich im Rahmen ihres schulischen Bildungs-und Wertekanons mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.

Bei den „Internationalen Wochen gegen Rassimus“ in Herzogenrath, 11. bis 24. März, hat es hat eine lange Tradition, sich anlässlich solcher Aktionswochen und Gedenktage öffentlich zu dokumentieren, dass seitens der Zivilgesellschaft jegliche Formen von rassistischer Diskriminierung aktiv bekämpft werden müssen und vor allem den Versuchen von Geschichtsklitterung Einhalt geboten werden muss.

Dazu haben die Schulen mit dem 1961 geborenen Lorenz S. Beckhardt, Journalist, Redakteur und Reporter für die ARD, den WDR und 3sat, der auch für den WDR-Dokumentarfilm „Der Jude mit dem Hakenkreuz“ recherchierte und als Autor das gleichnamige Buch herausgab, einen herausragenden Mittler nach Herzogenrath eingeladen, der tagsüber in beiden Schulen mit den Kindern und Jugendlichen auf der Grundlage seiner eigenen Familiengeschichte arbeitet.

Beckhard, der in einem katholischen Internat erzogen wurde, erfährt erst als Erwachsener, dass er selbst Jude ist und viele seiner Verwandten Opfer des Holocaust wurden. Diese biografische Erkenntnis lässt den Journalisten nicht mehr los, und akribisch geht er der Geschichte seiner Familie nach – vom Großvater Fritz Beckhardt, dem glühenden Patrioten und Weltkriegspiloten, bis zur Generation, die nach 1945 einen Neuanfang im Land der Täter wagt. Erschütternd beschreibt Beckhardt die Wiedergutmachungsbürokratie in der frühen Bundesrepublik und die alltägliche Demütigung durch Nachbarn. Um Gelegenheit zu geben, sich auch über die schulischen Akzente hinaus von dieser berührenden Geschichte anstiften zu lassen, haben sich der Herzogenrather Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen“ und der auch in diesen Fragen langjährige Kooperationspartner Soziokulturelles Zentrum Klösterchen auf Vorschlag der Schulen dazu entschieden, den Autor im Schulterschluss mit den Buchhandlungen Katterbach zu einer öffentlichen Lesung am Donnerstag, 21. März, ab 19.30 Uhr ins Kulturhaus an der Dahlemerstraße 28 einzuladen und nach dem dort erst kürzlich gezeigten Film „Schindlers Liste“ im Sinne ethischer Erinnerungskultur erneut besonders auch die Opferperspektive zum Tragen kommen zu lassen. Bewusst wird an diesem Abend kein Eintritt erhoben, sondern lediglich um eine Spende für die antirassistische Arbeit der Träger dieses Abends gebeten.

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