Würselen: Schüler erinnern an NS-Gräueltaten

Würselen: Schüler erinnern an NS-Gräueltaten

Organisiert vom Städtischen Gymnasium fand am Tag der Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor 69 Jahren eine Gedenk- und Mahnveranstaltung am VVN-Mahnmal an der Ecke Bahnhofstraße/Nordstraße statt.

Dieses Mal machten die Schülerinnen und Schüler den „Widerstand — damals und heute“ mit ihren Geschichtslehrern Michael Müsseler sowie Nicole Menzenich und Carina Asikan zum Thema.

Sie berichteten aber auch über ihre Initiative „Schule ohne Rassismus“. Gemeinsam mit der Würselener Initiative für den Frieden, dem Arbeitskreis „Kein Vergessen“ und der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) setzten sie trotz Regenwetters ein positives Zeichen für Frieden und Demokratie sowie gegen Faschismus, Rassismus und Krieg.

Dass es wichtig sei, auch heute noch ein Zeichen zu setzen, das betonte Bürgermeister Arno Nelles. Bei den Schülern des Städtischen Gymnasiums sei die Organisation der Veranstaltung gut aufgehoben, sagte er ihnen Dank für das an den Tag gelegte Engagement.

„Geschichte lässt sich nicht einfach aus dem Gedächtnis streichen“, mahnte er. Deshalb ermunterte der Bürgermeister junge Menschen, sich mit der Geschichte und gerade mit der des Nationalsozialismus‘ auseinander zu setzen. „Frieden muss eine Selbstverständlichkeit werden!“

Die VVN-Sprecherin Kaja Lange-Rehberg erinnerte in dieser Gedenkstunde an den Widerstandskämpfer Kaplan Dr. Joseph Rossaint, der in Stolberg seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Sein Widerstand gegen die Nationalsozialisten habe für ihn beinahe der Tod bedeutet, wäre er nicht nach acht Jahren Haft im Zuchthaus Remscheid von den Amerikanern im April 1945 befreit worden.

Auch nach der Befreiung war er antifaschistisch tätig. Von 1971 bis 1990 war er der Präsident beziehungsweise Ehrenpräsident der VVN. Für seine unermüdliche Arbeit erhielt er 1989 den Aachener Friedenspreis. Wegen seiner Zusammenarbeit mit Sozialisten und Kommunisten habe man ihm im neuen demokratischen Staat misstraut und lange Zeit Wiedergutmachungszahlungen verweigert.

Die Kirche stellte ihn aus dem selben Grunde nicht mehr als Priester ein. „Er resignierte nicht und versuchte weiter, durch seine politische und publizistische Arbeit Menschen zu überzeugen“, sagte Lange-Rehberg.

Es sei tröstlich zu wissen, dass es Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gegen habe, mahnten die Gymnasiasten an, „die kleinen Widerständler aus Würselen nicht zu vergessen“. Sie erinnerten unter anderem an den Zentrums-Stadtverordneten Josef Schaffrath aus der Paulinenstraße und an den NS-Verfolgten Jakob Brock, der von 1932 bis 1936 Pfarrer in St. Sebastian war. „Auch alle kleinen Widerstandskämpfer verdienen unseren Respekt“, lautete der Appell der Schülerinnen und Schüler gegen das Vergessen.

„Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, dürfen wir die gegenwärtigen Bedrohungen des Weltfriedens nicht außer Acht lassen“, meldete sich von der Friedensinitiative Dr. Ansgar Klein zu Wort. Gerade die Krise um die Ukraine zeige, „dass Deutschland im Rahmen der EU und der NATO in eine Politik eingebunden ist, die durch ihre Aggressivität eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt“.

Klein führte vor Augen, wie die Zusicherung, dass es keine NATO-Osterweiterung geben werde, schon bald nach der Wiedervereinigung gebrochen worden sei. Angesichts seiner Aggressionsrolle im Zweiten Weltkrieg dürfe Deutschland kein aggressives Bündnis wie die NATO unterstützen, forderte der Würselener Friedensmahner an diesem 8. Mai. An der Gestaltung der Gedenkveranstaltung war auch dieses Mal ein kleiner Chor des Städtischen Gymnasiums unter der Leitung von Bernhard Wiesemann beteiligt.

(ehg)
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