Herzogenrath/Kerkrade: Schlafkomfort ist beim World Music Contest nicht drin

Herzogenrath/Kerkrade: Schlafkomfort ist beim World Music Contest nicht drin

Das Gespräch beginnt mit Kaffee. Einer doppelten Portion. Betty Bremen braucht den Koffeinschub, denn die 57-Jährige ist ziemlich müde. Wie so oft dieser Tage.

„Meine Nächte sind viel zu kurz.” Wie sie das sagt, klingt es gar nicht mal klagend. Sie verzichtet gerne auf Schlaf, damit andere ein möglichst angenehmes Nachtlager haben. Die Kerkraderin koordiniert vier Wochen lang die Unterbringung von rund 5000 Musikern, die eine besonders weite Anreise zum „World Music Contest” (WMC) haben.

Durch Zufall dabei

Seit 25 Jahren ist Betty Bremen dabei, wenn im Rhythmus von vier Jahren der gigantische Musikwettbewerb in Kerkrade startet. Sie leitet ein Team von 20 Ehrenamtlern, das sich von der Begrüßung bis hin zu den Schlafplätzen um die Gäste kümmert. „Ich bin durch Zufall dazu gekommen”, sagt sie. „Damals wurde jemand gesucht, der spanisch spricht, um eine Gruppe aus Spanien zu betreuen. Vier Jahre später hatte ich dann schon ganz viele Aufgaben, war mittendrin.”

Dort ist sie geblieben. Weil sie den multikulturellen Trubel liebt und die Begegnungen mit Menschen aus China, Thailand, Neuseeland oder Lateinamerika. Begrüßungsfloskeln hat sie mittlerweile in etlichen Sprachen parat. Nicht bloß deshalb funktioniert die Verständigung heute weit besser als zu Beginn. „Mittlerweile sprechen die Musiker fast alle gut Englisch oder haben Dolmetscher dabei.” Fast alle. „Die Franzosen sind schwierig”, sagt Betty Bremen, „die wollen in der Regel nur ihre Muttersprache benutzen.”

Kein Luxus

Was die Nachtlager betrifft, gilt jedoch für alle dasselbe: Kein Luxus, noch nicht mal die Ausstattung einer Jugendherberge. Stattdessen ein Feldbett unter vielen in Klassenzimmern oder Turnhallen. Gut 500 Menschen kann Betty Bremen allein in den Räumen des Berufskollegs in Kerkrade-West verteilen. Gut 1000 ausrangierte Feldbetten hatten die Veranstalter des WMC 1984 vom niederländischen Militär gekauft. Die anzukarren und aufzustellen, dauert eine ganze Weile.

Seit dem WMC im Jahre 2001 müssen die Musiker für die Unterbringung etwas zahlen. 20 Euro pro Tag. „Wir konnten es nicht länger kostenlos anbieten”, sagt Betty Bremen. Und noch etwas gilt: Anspruch auf ein Nachtquartier hat nur ein Musiker, der weiter als 400 Kilometer von Kerkrade entfernt wohnt. Bremen: „Wenn wir jetzt auch noch alle Holländer unterbringen müssten, hätten wir wirklich zu viel zu tun.” Und dann wäre an Schlaf wohl überhaupt nicht mehr zu denken...