RWTH-Professor Thomas Niehr über die Sprache der AfD

Sprache der AfD : Worin die Rechte „meisterhaft“ ist

In den Seminarräumen der Stadthalle ist die AfD live zu sehen und zu hören, ein Stockwerk tiefer hingegen kann der Besucher sie sich am Donnerstagabend erklären lassen. Professor Thomas Niehr, Kommunikationswissenschaftler der RWTH Aachen, referiert über den Sprachgebrauch der Rechten.

Es geht um die Reaktivierung historisch belasteten Vokabulars und um das Anbieten (vermeintlich) einfacher Lösungen für (zu) komplexe Probleme. Es geht um das Ausspielen des „einfachen Volks“ gegen eine vermeintlich „korrupte Elite“. Und es geht um die Rolle der Medien, die mit der Skandalisierung von AfD-Äußerungen zwar „in bester aufklärerischer Absicht“ agierten, sich damit jedoch genauso verhielten wie von der AfD erhofft. Die Rechten verstünden sich auf all das „meisterhaft“, sagt Niehr.

Sein Vortrag ist als „Korrektivveranstaltung“ gedacht. Diese Bezeichnung wählt Veranstalter Martin Peters, der Unterbezirksvorsitzende der SPD im Aachener Altkreis. In den vorangegangenen Tagen hat Peters gemeinsam mit Bürgermeister Alfred Sonders (SPD), der zugleich einer von zwei Geschäftsführern der Stadthalle ist, überlegt, wie mit der Veranstaltung der AfD umzugehen sei.

Den Rechten den Zugang zu verweigern, sei keine attraktive Option gewesen, schon weil Alfred Sonders mit diesem Vorgehen vor einem guten Jahrzehnt „Schiffbruch“ erlitt, wie Peters in Erinnerung ruft. Die AfD gab es da noch nicht, die unerwünschten Gäste vom rechten Rand waren die heute in der Bedeutungslosigkeit verschwundenen Republikaner.

Keine Zwischenfällen

Schon eher umsetzbar erschien es, die AfD-Veranstaltung „zu entern“, sagt Peters, also sie mit möglichst vielen Genossen zu besuchen und sich in die Diskussion einzumischen. Letztlich entschied man sich aber dafür, mit einer eigenen Veranstaltung einen Kontrapunkt zu setzen. Auch zur SPD kommen an diesem Abend gute 50 Besucher – wobei die SPD im Gegensatz zur AfD nicht öffentlich eingeladen hat, sondern nur ihre Mitglieder.

Dass beide Veranstaltungen zeitgleich stattfinden, führt dazu, dass die AfD-Besucher im Erdgeschoss an der SPD vorbei müssen. Zu Zwischenfällen kommt es nicht, der Sicherheitsdienst verbringt einen ereignislosen Abend im Treppenhaus.

Im Foyer erklärt Professor Niehr nicht nur, wie die AfD den Tabubruch inszeniert und sich in die Schlagzeilen bringt. Er erklärt auch, was ihre Strategien mit dem politischem Diskurs als Ganzes machen. Nachdem es um die Gaulands, die Höckes und die von Storchs gegangen ist, zitiert er Andrea Nahles. „Wer Schutz sucht, ist willkommen. Aber wir können nicht alle bei uns aufnehmen“, hat die Bundesvorsitzende der SPD im Juni vergangenen Jahres gesagt. „Wer hat denn gefordert, dass wir ‚alle‘ aufnehmen sollten?“, fragt Niehr rhetorisch. Und er stellt fest: Statt sich bei AfD-Wählern „anzubiedern“ sei doch vielmehr angezeigt, die eigenen Standpunkte umso klarer zu artikulieren. Die Genossen applaudieren.

Nach dem Vortrag steht die Diskussion an. Einer der Zuhörer erkundigt sich, was für konkrete Empfehlungen Niehr für den Umgang mit der AfD habe. Der sagt: „Was hilft, ist zu zeigen, wie es funktioniert. Und man sollte im persönlichen Umfeld Stellung beziehen, und das sehr deutlich.“

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