Forum Medizin in Würselen : Vorhofflimmern bleibt ein ernstes Risiko

Den ersten Kontakt mit Patienten, die unter Vorhofflimmern leiden (könnten), hat in der Regel der Arzt des Vertrauens, also der niedergelassene Arzt, bei dem der Betroffene ohnehin in Behandlung ist.

Es sei denn, dass die Attacke mit Herzrasen, Brustschmerzen und Ängsten so stark ist, dass der Notarzt zum Einsatz kommt und der Patient direkt ins Krankenhaus gebracht wird. Dr. Daniel Lamby ist niedergelassener Arzt, mit Standorten in Würselen und Aachen.

Er wird mit weiteren Medizinern den Besuchern des Forums Medizin zum Thema „Wenn das Herz aus dem Takt kommt - Vorhofflimmern“ am Mittwoch, 28. November, Rede und Antwort stehen, das das Rhein-Maas Klinikum Würselen in Kooperation mit unserer Zeitung und mit Unterstützung der Stadt Würselen veranstaltet.

In der Regel sind dem „Hausarzt“ mögliche Vorerkrankungen und Handicaps bekannt. Sollte es sich um einen neuen, ihm noch nicht bekannten Patienten handeln, so nimmt die Anamnese, also die professionelle Erfragung von potenziell medizinisch relevanten Informationen, einen entsprechend größeren Raum ein, wie Lamby betont. Zuallererst gelte es auszuschließen, dass es sich im vorliegenden Fall um einen Herzinfarkt handelt. So werden bei einem Ruhe-EKG die Herzströme gemessen. Liegt kein Notfall vor, so gilt es, das Vorhofflimmern eindeutig zu diagnostizieren.

Dies kann erhöhten Aufwand verursachen. Wenn 24-, 48- oder 72-Stunden EKG keinen Befund ergeben, weil in den Messzeiten zufälligerweise kein Vorhofflimmern stattfindet, kann die Herztätigkeit per Rekorder über längeren Zeitraum dokumentiert werden. „Ich habe Fälle erlebt, da hat es Monate gedauert“, sagt Lamby.

Niedergelassener: Dr. Daniel Lamby ist einer der Ärzte beim Forum Medizin zum Thema Vorhofflimmern. Foto: Karl Stüber

Angesichts des Risikos eines Schlaganfalls sei es wichtig, beharrlich zu sein. Außer Acht dürfe nicht bleiben, dass andere Erkrankungen hinter den Beschwerden „stecken können“. Liegt die Diagnose Vorhofflimmern vor, müsse im Dialog mit dem Patienten die Behandlung abgestimmt werden, was gerade bei Älteren mit Blick auf weitere Beeinträchtigungen nicht einfach sein kann.

Die Schlaganfall-Prophylaxe, also das Verabreichen von Blut verdünnenden Medikamenten, stoße gerade bei Senioren, die schon einmal gestürzt sind und sich Oberschenkelhals oder Wirbel- bzw. Wirbelkörper gebrochen haben, auf Bedenken. Die zusätzliche Behandlung mit Mitteln, die das Herz wieder in Takt bringen und halten, dürfe nicht zu negativen Wechselwirkungen mit anderen Einnahmen führen, sagt Lamby, der auch Diabetologe ist. Rücksicht genommen werden müsse auf den Zustand der Nieren. Die „Aufdosierung“ von Antiarhythmika sollte stationär, da kontrolliert erfolgen. Dies könne mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Eigenverantwortung

Auch wenn das Herz wieder im Takt sei, müsse die Verabreichung von Blut verdünnenden Mitteln prophylaktisch fortgesetzt werden. Der Hausarzt sei angehalten, durch regelmäßige Untersuchungen zu prüfen, wie es um den Patienten steht und auf erneute Beschwerden schnell reagieren. 

„Das Rezidivrisiko, also die Gefahr, dass Vorhofflimmern wieder auftritt, ist leider hoch.“ Grundsätzlich spielen bei diesem Krankheitsbild bekannte Risiken eine Rolle: unausgewogene Ernährung, Alkoholkonsum, mangelnde Bewegung. Es geht also auch um die Eigenverantwortung des Patienten.

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