Repair Café für Elektrokleingeräte in Alsdorf

Ehrenamtler zeigen ihr technisches Können : Statt Wegwerfen ist Herrichten angesagt

Wenn der CD-Player der kleinen Kompaktanlage den Silberling leblos liegen lässt, der Fön nicht mehr das Haar trocken pustet oder der Toaster das Weißbrot kalt ausspuckt, ist die Versuchung groß, solche Geräte einfach wegzuwerfen und neue zu kaufen. Der Verbraucher verbraucht eben, wie der Name schon sagt. Es geht auch anders.

Denn manchmal liegt es nur an einer Kleinigkeit, dass das Gerät nicht mehr funktioniert. Ein Draht hat sich gelöst, ein Schalter ist defekt oder eine Sicherung durchgeknallt. Nicht mehr „funzende“ Geräte reparieren zu lassen, kann aber teuer werden. In Fachwerkstätten wird erst einmal ein Kostenvoranschlag fällig, um zu klären, ob sich eine Reparatur überhaupt lohnt oder ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt.

Spenden gern gesehen

Die Wiederbelebung der Bohrmaschine oder des Elektroschraubers kriegen jedoch oft Bastel-Enthusiasten im Repair Café hin. Solch eine Runde von findigen Fricklern, die sich der Reparatur von defekten Elektrokleingeräten verschrieben haben, hat sich jetzt auf Initiative der AWA Entsorgung GmbH und in Kooperation mit dem Energeticon Alsdorf zusammengefunden. Einmal im Monat steht man im Gästeraum des Bistro & Restaurant Eduard von Boris Empt mit Rat und Hilfe Verbrauchern zur Reparatur von solchen Geräten zur Verfügung (siehe Info).

„Gelötet“ wird dort aber nur, um gebrochene Verbindungen zu heilen, ansonsten soll Kaffee das bevorzugte Getränk sein, um zielgenau arbeiten zu können.

Der Arbeitseinsatz ist kostenfrei, allerdings müssen zu besorgende Ersatzteile natürlich bezahlt werden. Spenden für die Hilfe werden gerne gesehen und für soziale Zwecke eingesetzt. Ehrenamtliche Mitarbeiter des bereits seit einiger Zeit bestehenden Repair Cafés in Eschweiler berichten davon, dass dort binnen eines Jahres von dankbaren Nutzern des Angebots rund 1000 Euro zusammen kamen, die von der AWA auf 1500 Euro aufgerundet wurden und zur Hälfte dem Kinderhaus St. Josef zugutekamen. Für die andere Hälfte wurde Werkzeug für das Repair Café angeschafft.

Ähnliches erhoffen sich die Initiatoren auch für Alsdorf, wobei zunächst einige Freiwillige aus Eschweiler in Alsdorf Starthilfe geben, bis sich dort ein harter Kern der Ehrenamtler zusammengefunden hat, der die Arbeit auf möglichst viele Schultern verteilt. Wer mitmachen will und über enstprechende Kenntnisse verfügt, ist willkommen.

Technischer Ansprechpartner vor Ort ist Frank Krottenmüller. Zum Team der ersten Stunde gehören Ralf Borowski, Sascha Küpper und Karen Schmitt sowie die Hobbyfunker Jürgen Berau (DG4KF) und Josef Walz sowie der ehemalige Bergmann Hans-Erwin Dreschers, der eine bergmännische Ausbildung mit Schwerpunkt Eletrotechnik absolviert hat.

Zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Repair Cafés in Eschweiler gehören René Weißhaupt, Tibor Djantar und Nicoll Parthey.

Grundsätzlich sind alle „Kollegen“ mit reichlich Fachwissen ausgestattet, sind unter anderem ausgebildete Radio- und Fernsehtehniker, kennen also die „Sollbruchstellen“ in den Elektrogeräten bestens. Frank Wolff, Geschäftsführer der AWA Entsorgung GmbH, erinnert daran, dass hinter der ursprünglichen Idee eine holländische Stiftung steht. Im Jahr 2009 sei in Amsterdam das erste Repair Café eröffnet worden und diese Bewegung in die ganze Welt „hinausgetragen“ worden. „Im gesamten Zweckverbandsgebiet gibt es zurzeit Repair Cafés, Alsdorf ist das zweite, das die AWA initiiert“, sagt Wolff.

Nachhaltig wirken

Auf diese Weise verfolge man das oberste Ziel des Kreislaufwirtschaftgesetzes: die Vermeidung von Abfällen. Hier werde Nachhaltigkeit in die Praxis umgesetzt. Zudem würden durch längeren Gebrauch der Geräte Ressourcen gespart. Gleichzeitig würden CO2-Emissionen eingespart, die bei der Herstellung neuer Geräte anfallen würden.

Es gebe aber noch andere, nicht minder bedeutende Aspekte, um eine Repair Café zu betreiben. So werde der Zusammenhalt gefördert, und Reparaturwissen bleibe erhalten und werde verbreitet. Und selbst wenn ein Gerät mal nicht repariert werden könne, könnten die ehrenamtlichen Fachleute Tipps und wertvolle Hinweise zum Kauf und zum Umgang mit Elektrogeräten geben, wie Wolff sagt. Wichtig sei, dass für die Reparateure ein formaler Haftungsausschluss erklärt werden müsse.

Energeticon-Geschäftsführer Thomas König findet das Projekt klasse und bietet einen zusätzlichen Anreiz dafür, das Angebot zu nutzen. Wer zum Beispiel mit seiner Familie das Repair Café aufsucht, um den Tischstaubsauger reanimieren zu lassen, der kann zum halben Preis das Erlebnismuseum Energeticon besuchen. Heißt: Während Papa mit den Ehrenamtlern über Plus- und Minuspole fachsimpelt, kann Mutti mit den Kleinen einen Rundgang machen – oder umgekehrt.