Baesweiler: Religiöses Wissen im Kindergarten St. Martinus spielerisch vermitteln

Baesweiler : Religiöses Wissen im Kindergarten St. Martinus spielerisch vermitteln

Ausgeblasene Eier bemalen, Küken basteln, Möhren-Muffins backen, vom Osterhasen erzählen, den Bibelgeschichten von Jesus und seinen Jüngern lauschen: Im katholischen Kindergarten St. Martinus Oidtweiler geht es bunt zu — wie in allen Kindergärten in der vorösterlichen Zeit.

„Die Kinder wachsen mit Geschichten auf — natürlich auch denen, die in der Bibel stehen“, sagt Kita-Leiterin Vanessa Mertens. Ist die Schilderung der Kreuzigung Jesu nicht zu grausam für die Kleinen? Nein, weiß die 31-Jährige aus eigener Erfahrung: „Die Leidensgeschichte Jesu wird durch die Auferstehung zu einem guten Ende gebracht. Und das ist für Kindergartenkinder sehr wichtig. Sie verkraften es dann auch, wenn vorher etwas Schlimmes passiert ist. Wie im Märchen siegt am Ende das Gute.“

So geht die Vorbereitung auf das Osterfest im Kindergarten St. Martinus Oidtweiler: Johannes Jansen (l.) und Moritz Thelen (beide 6) haben den Einzug Jesu nach Jerusalem gemalt.

Kein Widerspruch

Für Kinder gibt es keinen Widerspruch zwischen dem Leiden Jesu und der Existenz des Osterhasen. „Es sind zwei unterschiedliche Dinge, die zufällig zur gleichen Zeit passieren“, sagt Vanessa Mertens.

„Wir erzählen den Kindern natürlich auch vom Osterhasen, von Hühnern und Küken.“ Die Kleinen haben sogar schon einmal mitbekommen, wie Küken aus dem Ei schlüpfen.

„Wir besuchen regelmäßig Bauernhöfe in Oidtweiler. Da hatten wir tatsächlich einmal Glück und durften beim Schlüpfen zuschauen. Die Kinder lernten, dass jedes Küken einen Eizahn hat — eine Verhärtung aus Horn auf der Spitze des Schnabels. Damit pickt es die Schale von innen auf. Der Eizahn fällt später ab. Für uns alle war das ein einmaliges Erlebnis“, erinnert sich die Kita-Leiterin noch lebhaft an den Besuch.

Die österliche Zeit hat — wie andere Feste auch — einen festen Rahmen im Kindergartenjahr. „Vor dem Palmsonntag haben wir mit den Kindern Kreuze aus Palmzweigen gebunden und mit Buchsbaumzweigen und Schleifen verziert“, sagt Vanessa Mertens. Stolz zeigen die Kinder ihre Palmbuschen, die am Palmsonntag beim Familiengottesdienst in der Kirche gesegnet wurden.

Ein Händchen für Kinder

Dass in einem katholischen Kindergarten die Karwoche eine besondere Rolle spielt, liegt nahe. Und dass den Kindern religiöses Wissen spielerisch vermittelt wird, dafür sorgt neben dem Kindergarten-Team Pastor Ferdi Bruckes. „Er hat ein Händchen für Kinder und versteht es, selbst die Kleinsten zu begeistern“, erzählt die Kita-Leiterin.

Eine Gruppe von Mädchen und Jungen — alle sechs Jahre alt — macht sich eigene Gedanken über das Geschehen damals in Jerusalem: „Jesus wollte kein König werden“, erzählt Johannes Jansen. „Trotzdem haben die Leute ihm Palmzweige hingelegt, damit er sich nicht schmutzig macht“, erklärt Ronja Hoffmann pragmatisch. „Ein Freund hat Jesus verraten“, weiß Moritz Thelen und ergänzt: „Er hieß Judasus — nee, Judas.“

Auch am Gründonnerstag — dem letzten Kindergartentag vor Ostern — wird gefeiert. Nach einem gemeinsamen Frühstück, bei dem es selbst gebackene Hefezöpfe gibt, dürfen die Kinder draußen Osternester suchen. Die hat der Osterhase höchst persönlich vorbei gebracht.

Oder ob es am Ende der kleine Osterhase Stups aus dem Bilderbuch war? Sein Lied haben die Kita-Kinder nämlich in der vorösterlichen Zeit unzählige Male gesungen. Und bestimmt ist damit auch nach Ostern noch nicht Schluss.

„Es ist eben ein richtiger Ohrwurm“, sagt Vanessa Mertens und lacht. Garantiert berichten die Kleinen ihr und ihren Kolleginnen dann auch ausgiebig vom Osterfest zu Hause, vom gemeinsamen Eiersuchen und dem Spaziergang mit der Familie.

Und vielleicht haben die Großeltern auch alte Geschichten erzählt, die sie noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen, etwa die von den Glocken, die nach Rom fliegen.