Reanimation ist Thema für Schulkinder in Oidtweiler

Oidtweiler Grundschule : Reanimation auf dem Stundenplan

Reanimation? Man sollte meinen, dieser Begriff erschreckt Kinder. So lange sie noch nicht wissen, was das eigentlich bedeutet. Klaus-Dieter Claßen hat sich zur Aufgabe gemacht, Kindern im möglichst frühen Lebensalter zu vermitteln, um was es da eigentlich geht.

An diesem Morgen ist der Reanimationstrainer und Intensivpfleger an der Grundschule in Oidtweiler. Fast eine Woche bringt er den Drittklässlern bei, was in einem medizinischen Notfall von ihnen geleistet werden könnte. Berührungsängste? Nein, die haben die durchschnittlich Neunjährigen mit dem sensiblen Thema nicht.

Klaus-Dieter Claßen, er ist auch Notfallseelsorger des Kirchenkreises und der Städteregion Aachen und gehört der Klinik für Kardiologie, Nephrologie und Internistische Intensivmedizin an. Zunächst vermittelt Claßen den Kindern theoretisches Grundwissen. Das macht er schon seit Jahren. Mittlerweile auch schon an Kindergärten. Beginnend mit leicht erlernbaren Erste-Hilfe-Kursen baut er das kontinuierlich auf. Seit vier Jahren gibt es dieses Angebot das unter der Schirmherrschaft  der Klinik für Kardiologie, Nephrologie und Internistische Intensivmedizin steht und immer häufiger an Kindergärten oder Grundschulen angenommen wird. Es ist kostenlos, das unterstreicht der Trainer und Seelsorger.

„Ich versuche das so kindgerecht wie möglich zu vermitteln“, hört man dann auch buchstäblich im Klassenraum die Stecknadel fallen. Und bei fast jeder Frage fliegen die kleinen Ärmchen so gut wie geschlossen hoch, weil die Kids gerne „beweisen“ möchten, dass sie den Coach verstanden haben.  Claßen, der 25 Jahre ehrenamtlich im Rettungsdienst unterwegs war und seit 28 Jahren Angestellter des Rhein-Maas Klinikums ist, beschreibt an einem Beispiel, wie sehr sich die Kinder schon früh mit der Thematik Reanimation oder Erste Hilfe befassen. Ein vierjähriges Kind, das schon im Hort geschult wurde, fand die Mutter liegend im Flur vor. Sie war auf der Treppe gestürzt und bewegungsunfähig. Das Kind schaffte es tatsächlich, seiner blutenden Mutter einen Druckverband anzulegen und über die 112 den Rettungsdienst anzurufen. Die spätere Diagnose nach der Erstversorgung: eine Sprunggelenksfraktur. Diesen und andere Fälle nahm Claßen zum Anlass, die Kinder so früh wie möglich zu schulen.

Atmung testen

Dazu gehört es, die eigenen Sinne einzusetzen, die Atmung zu prüfen, den Puls zu tasten oder auch die Bewusstseinslage zu prüfen. „Mittlerweile kommen auch Schulen zu uns ans Rhein-Maas Klinikum“, ist Claßen hörbar stolz, dass die Mund-zu-Mund-Propaganda hervorragend funktioniert. Dies auch, weil in den Schulen an Puppen unter anderem die Herzmassage oder die Beatmung geübt wird.  „Das schaffen auch die ganz Kleinen schon“, hat Claßen das oft genug gesehen.

Ihm ist es auch ganz wichtig, „dass man Kinder nach Notfällen nicht sich selbst überlässt“. Da greift dann auch der Notfallseelsorger ein. Das tut er übrigens ausschließlich ehrenamtlich. Am letzten von vier Kurstagen merkte man den Kindern an, dass ihnen der Abschied von ihrem „Klaus“ nicht ganz leicht fiel. Klar, wenn Wissen spielend und leicht so weitergegeben wird  und das auch noch Leben retten kann.

(mali)