Herzogenrath: Realize-Festival in Herzogenrath mobilisiert viele Akteure

Herzogenrath : Realize-Festival in Herzogenrath mobilisiert viele Akteure

Die „Hasen“ sind gut im Rennen. Mit 11:0 haben sie das erste gegnerische Team nach Hause geschickt. Wie sie die Plastikblase um sie herum im Zweikampf richtig einsetzen, um nicht im Anschluss mit den Füßen nach oben hilflos in ihrer „Bubble“ zu hängen, diese Technik hatten sie schnell raus.

Glenn Frenz nimmt die Pfeife in den Mund, Anpfiff für die nächste Paarung. Neun Teams mit jeweils fünf Spielern konkurrieren beim Bubble-Soccer im Rahmen des Realize-Festivals. Das Festival entstammt der Ideensammlung von 49 Schülern der Herzogenrather Europaschule, die in der Jahrgangsstufe 12 am optionalen „Projektkurs“ teilgenommen haben. An einem Wochenende wollten sie in den verschiedenen Herzogenrather Stadtteilen vielfache Events kreieren, die alle zu einem Festival gehören. Schließlich ist es Ziel des Projektkurses, dass am Ende ein öffentlich präsentables Produkt entsteht.

Beispiele: Die Crew der Europaschule engagiert sich auch beim Bubble-Soccer. Foto: Ute Steinbusch

„Es hat wirklich Spaß gemacht“

Beispiele: Die Crew der Europaschule (l. oben) engagiert sich auch beim Bubble-Soccer. Auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz swingt die Bläserklasse des Gymnasiums (r. oben). Longboarder trainieren auf dem Hof der Europaschule. Sabine Domogale unterhält im Comedy-Club. Foto: Ute Steinbusch

Die Mission lautete Ansprache von Bürgern unterschiedlicher Altersstufen — vom Kind bis zum Seniorenheim-Bewohner — und aus allen Teilen der Stadt. Ein kunterbuntes Event allein schon die Eröffnungsveranstaltung im Grube-Adolf-Park, bei der der Zauberer Tullino es schaffte, seine Zuhörer zufallsbasiert Karten auswählen zu lassen, auf deren Rückseiten später minutengenau die aktuelle Uhrzeit zu lesen war — da staunten die Kids und die Großeltern! Prisca Cerny gehörte zu den Schülern, die bei der Eröffnungsfeier überall Hand anlegten.

Beispiele: Die Crew der Europaschule (l. oben) engagiert sich auch beim Bubble-Soccer. Auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz swingt die Bläserklasse des Gymnasiums (r. oben). Longboarder trainieren auf dem Hof der Europaschule. Sabine Domogale unterhält im Comedy-Club. Foto: Ute Steinbusch

Am nächsten Tag ging ihre persönliche Realize-Agenda beim Bubble-Soccer weiter, gefolgt von der Open-Stage-Nachwuchsbühne am Sonntag. „Der Projektkurs war eine tolle Zeit. Wir haben zwar auch viel Freizeit investiert, aber es hat wirklich Spaß gemacht“, erklärte die Zwölftklässlerin.

Auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz swingten die Zuhörer mit. Die Bläserklasse des Gymnasiums Herzogenrath hatte offenkundig eine große Fangemeinde. Boogie-Musik ertönte in Roda-City, die Menschen applaudierten spontan. Nicht viel anders der Zuspruch am Abend in der Willibrord-Kirche. „Dance of Joy“ spielten Klezmer Musik. Hinreißend interpretiert die bezaubernde Air von Bach in der barocken Umgebung, die zum stillen Genuss einlud. Die lebhafteren Stücke trugen dem Quartett mehr offenkundige Fanbekundungen ein, das Klarinetten-Solo reizte zum Extra-Applaus.

Wie „Dance of Joy“ den Weg ins Realize-Festival fanden? „Ein Anknüpfungspunkt ist, dass die Tochter von Akkordeon-Spieler Alfred Krauss Schülerin der Europaschule ist“, erläutert Lehrer Jens Klein. Das Klezmer-Konzert wurde zu einem Programmpunkt von rund 50, für die Sponsoren gefunden werden mussten und ein zentraler Partner: die Stadt Herzogenrath. „Da war man erst zurückhaltend, ob so ein Event zu stemmen ist, aber bis Weihnachten hatten wir die Stadt gewonnen.“

Seit Jahresbeginn ging es ans Eingemachte: Sicherheitskonzepte mussten geschrieben werden, gerade bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum. „Das war für die Schüler natürlich absolut neu. Wir haben uns aber Hilfe geholt und zum Beispiel mit den Verantwortlichen von Rock am Ring gesprochen, wie die das anpacken.“ Ihre Projektmanagement-Erfahrungen werden den Schülern im Berufsleben sicher nützen, so hoffen die Verantwortlichen der Schule.

Im Nimmerland waren insbesondere die Kleinen ganz groß: Hier wartete der Künstler Markus Toni Valla, der mit seinen bunten Luftballons fast jeden Kinderwunsch erfüllte. Trampolin, Kerzengläser bekleben, Schminken — die Projektschüler hatten sich viel einfallen lassen. Die Zwölftklässler waren alle in weißen T-Shirts unterwegs, die mit „Crew“ beschriftet waren.

In Lounge-Sesseln fläzten sich die Zuhörer beim Comedy-Club in Noah’s Café in Kohlscheid. Verschiedene Kabarettisten traten auf, darunter die Motivationstrainerin Sabine Domogale, die mit ihrem Publikum Übungen trainierte, die nicht nur für mehr Selbstwertgefühl, sondern sogar auch für eine bessere Verdauung dienen sollten.

Der große Raum im Obergeschoss des Jugendzentrums HOT war gut gefüllt. An langen Tischreihen saßen Kinder bis 14 Jahre, die sich altersklassengerecht im Schach maßen. Der Schachverein Herzogenrath, der die Veranstaltung zum 19. Mal organisierte, war gerne bereit, sein Jugendturnier in das integrative Konzept des Realize-Festivals einzubinden.

An der Europaschule selbst war mit bunten Hütchen ein Parcours aufgebaut. Im Slalom umkreisten Laurin Mildenberger und Karim Merten die Hindernisse. „Passt so“, lautete das Urteil. Die beiden sind leidenschaftliche Longboarder und entwickelten, nicht verwunderlich, die Idee eines Longboard-Events für Anfänger und Fortgeschrittene. „Als wir mit einem Aachener Skate-Shop unseren Sponsor gefunden hatten, war klar, dass unsere Veranstaltung laufen kann“, schilderte Merten.

Ronja Sevenich komplettierte das zuständige Schülertrio, das nicht nur den Parcours anbot, sondern zahlreiche Tipps gab, Longboards fachmännisch justierte und den Teilnehmern offerierte, die eigenen Longboards zu besprayen. „Wir haben zwar einen richtigen Projektplan geschrieben, aber das hier ist schon recht locker organisiert“, schilderte Mildenberger. Bei so einer coolen Sportart sicher auch die passende Herangehensweise ...

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