Projekt "Löwengebrüll" für Kinder in Baesweiler

„Löwengebrüll“ : Kindernachrichten aus Baesweiler

Sieben Nachrichtensendungen wurden schon auf der Website des „Aber Hallo“-Vereins und auf dessen Youtube-Kanal veröffentlicht. Themen wie „Keine Birne ohne Biene“, „Plastik, Plastik, Plastik“ oder die Frage „Wie sauber ist Baesweiler?“

„Absolute Ruhe. Kamera läuft. Und bitte.“ Sofia Trofimova und Venus Masoudi, die den Vorspann der Sondersendung zum Kinderkulturpreis NRW moderieren, wissen, was das heißt: stillstehen, freundlich in die Kamera schauen und den nachfolgenden Film ankündigen, den sie am 27. September in der Stadthalle Neuss beim diesjährigen „SEE YOU“-Festival gedreht haben.

Kurz vor ihrem Auftritt vor der Kamera besprechen sie sich kurz und teilen den Text auf. Dann geht es los. Auch die übrigen Nachwuchsredakteure des Projekts „Löwengebrüll – Kindernachrichten aus Baesweiler“ sitzen ruhig außerhalb des kleinen Studios und warten auf ihren nächsten Einsatz.

Ist die Kamera wieder aus, ist es nicht mehr ganz so still. Es wird diskutiert, überlegt und sich über den weiteren Verlauf des anstehenden Drehs ausgetauscht. Alexander Müller-Hermes von der Jugendkunstschule „Aber Hallo e.V.“ und Filmemacher Volker Waldeck leiten das Projekt, das seit zwei Jahren jede Ferien als einwöchiger Workshop unter dem Namen „Löwengebrüll – Kindernachrichten aus Baesweiler“ Filme von Kinder für Kinder produziert.

Sieben Nachrichtensendungen wurden seitdem auf der Website des „Aber Hallo“-Vereins und auf dessen Youtube-Kanal veröffentlicht. Themen wie „Keine Birne ohne Biene“, „Plastik, Plastik, Plastik“ oder die Frage „Wie sauber ist Baesweiler?“ werden in den zwischen zehn und zwanzig Minuten langen Filmen von den Kindern erarbeitet, moderiert und aufgenommen. „Es macht einfach unheimlich viel Spaß vor der Kamera zu stehen oder mit der Kamera zu arbeiten“, erzählt der neunjährige Fynn Maas, der bei dem Dreh zur Sendung zum Kinderkulturpreis mit dabei war. „Wir haben uns schon um sieben Uhr getroffen und sind dann gemeinsam nach Neuss gefahren. Das war ein echt aufregender Tag!“

Insgesamt waren rund 60 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren in den letzten zwei Jahren an den Sendungen von „Löwengebrüll“ beteiligt. „Viele von ihnen besuchen die Kurse immer wieder“, sagt Müller-Hermes. Maximal zehn Jungredakteure planen, moderieren und drehen gemeinsam eine Sendung. „Auf diesem Weg hat jeder die Möglichkeit mal vor und auch hinter der Kamera zu stehen“, fügt Müller-Hermes an.

Doch bevor die Aufnahmen gemacht werden können, müssen sich die Kinder überlegen, welche Fragen sie zu einem Thema beantworten möchten. „Dazu laden wir entweder Wissenschaftler oder Fachleute ein oder befragen Menschen auf der Straße“, erklärt Hannah Franken. Sie hat bereits zweimal an einem „Löwengebrüll“ Ferienworkshop teilgenommen. Und das merkt man! Die Zehnjährige steht ruhig und souverän Rede und Antwort und bringt viele kreative Ideen mit.

„Zu Beginn des Projekts haben wir ein paar Impulse vorgegeben, um herauszufinden, welche Themen die Kinder interessieren“, erläutert Waldeck. „Doch dann haben sich aus bereits erarbeiteten Themen wieder neue Fragen für die Kinder gestellt, die wir in einer nächsten Sendung berücksichtigen konnten.“ So sei den Jungredakteuren bei dem Dreh zur Sendung „Wie kinderfreundlich ist Baesweiler?“ aufgefallen, dass überall viel Müll herumliegt. Daraufhin sei die nächste Idee entstanden, einen Film zu „Plastikmüll“ zu produzieren, bei dem die Kinder sogar einen Selbstversuch gestartet haben. „Wir haben den Müll gesammelt und mitgebracht, den wir an einem Tag in die Tonne geworfen hätten. Das war eine Menge!“, erzählt Venus.

Das Interesse der teilnehmenden Kinder und der große Spaß vor und hinter der Kamera aktiv zu sein, ist kaum zu übersehen. Kein Wunder, dass das auch in Neuss bei der Preisverleihung zum Kinderkulturpreis aufgefallen ist. „Wir sind eigentlich nur dort gewesen, um Interviews zu führen, einen Film zu drehen und andere Projekte kennenzulernen“, berichtet Fynn. „Und plötzlich haben wir gewonnen!“ Das Preisgeld über 2000 Euro fließt wieder in das Projekt „Löwengebrüll“, damit auch in Zukunft noch viele spannende und informative Nachrichtensendungen von Kinder für Kinder gedreht werden können.

(hei)
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