Alsdorf: Projekt „GemüseAckerdemie“ auf Gelände des „Go Better“-Vereins gestartet

Alsdorf : Projekt „GemüseAckerdemie“ auf Gelände des „Go Better“-Vereins gestartet

Aufgeregt scharen sich Jungen und Mädchen der Käthe-Kollwitz-Schule Alsdorf um Carolin Hambach. „Hat einer von euch schon mal Radieschen gesät?“, fragt die 28-jährige Studentin in die Runde. Alle schütteln den Kopf. Schritt für Schritt zeigt die Ehrenamtlerin den Kindern, was sie machen sollen.

Hambach zählt zu den sogenannten Ackerhelfern vom Verein „Ackerdemia“ unter dessen Dach das Programm „GemüseAckerdemie“ ins Leben gerufen wurde. Fünf Ackerhelfer unterstützen die Kinder bei der Bestellung des neu angelegten Ackers auf dem Gelände des „Go better“-Vereins in Alsdorf.

Bereits seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen, um Kindergartenkindern und Schülern zu zeigen, „dass Tomaten nicht im Supermarkt wachsen“, wie Geschäftsführer Ingo Boehm das Programm lachend erklärt. Auf dem 14 mal sieben Meter großen, erhobenen Acker dürfen die Kinder vom Einpflanzen über das Pflegen bis zum Ernten der Gemüsesorten fast alles selbst machen. „Dann lernen sie, dass sie eine Pflanze hegen und pflegen muss, damit am Ende zum Beispiel eine leckere Möhre dabei herauskommt“, erklärt Boehm.

Bis die Erde aber an ihrem Bestimmungsort liegen konnte, gab es einiges zu tun. „Wir mussten zuerst abklären, ob der Boden nicht belastet war wegen der ehemaligen Zeche dort“, erklärt Annette Bartmer, Regionalmanagerin Rheinland der „GartenAckerdemie“. Letztendlich entschied man sich dafür, mit Hilfe eines Bauunternehmens, im Labor getestete und unbedenkliche Erde von außerhalb aufzutragen. Jetzt teilen sich 18 Gemüsekulturen den aufgeschütteten Acker. Anfang Juni kommen weitere acht dazu, und im Juli noch mal zwei.

Angepflanzt wird alles — von Gurken über Kartoffeln bis zum Feldsalat. „Da wir hier ökologischen Landbau betreiben, also keine chemische Schädlingsbekämpfung verwenden, lernen die Kinder auch, dass sie sich um die Pflanzen wirklich kümmern müssen“, weiß Bartmer. „Bald müssen sicherlich die ersten Schnecken gesammelt werden.“

Kinder des katholischen Kindergartens St. Mariä-Empfängnis, der Grundschule Blumenrath und der Käthe-Kollwitz-Schule Alsdorf kümmern sich gemeinsam um die Bestellung des Ackers. Für jede Gruppe sind pro Woche anderthalb Stunden eingeplant. „Je größer die Aufmerksamkeit ist, desto höher ist am Ende die Ernte“, betont Bartmer. Sollten die Kinder öfter kommen wollen, sei das also auch nicht schlimm. „Ich freue mich sehr über die Kooperation“, sagt Simone Boehm, 1. Vorsitzende von „Go better“.

Unterstützt wird das Projekt außerdem von der Krankenkasse Actimonda, die im Rahmen ihrer Präventivprojekte finanziell hilft. „Jedes sechste Kind ist übergewichtig — wir wollen, dass die Kinder wieder einen Bezug zu Lebensmitteln bekommen und einen gesunden Umgang mit ihnen lernen“, erklärt Mitarbeiter Ralf Steinbrecher. Zudem gehe es um die Eingliederung von Kindern, die im Alltag Probleme hätten. Gartenarbeit strukturiere den Tag und könne helfen, das Leben wieder zu ordnen.

„Die Radieschen nutzen wir auch als Markiersaat“, sagt Annette Bartmer mit Blick auf die Schüler, die sich über den Acker verteilt haben. Die Radieschen kommen nach zehn Tagen aus der Erde und können nach vier bis fünf Wochen schon geerntet werden. Das verdeutliche den Kindern nochmals besonders, dass andere Gemüsepflanzen, die zeitgleich mit den Radieschen angelegt werden, viel länger brauchen, um zu reifen. „Mir macht das unheimlichen Spaß zu sehen, wie sehr sich die Kinder darüber freuen, sich die Hände dreckig machen zu dürfen“, erzählt Carolin Hambach und reicht den Eimer mit der Radieschensaat ans nächste Kind weiter.