Professor Wolfgang Seifen konzertiert in St. Sebastian

Förderkreis Orgelbau vor 20 Jahren gegründet : 75 Minuten atemberaubend gespielt

Der Meister der Orgel- improvisationen, Professor Wolfgang Seifen aus Berlin, konzertierte anlässlich eines besonderen Ereignisses in der Pfarrkirche St. Sebastian: die Gründung des Förderkreises Orgelbau fast auf den Tag genau vor 20 Jahren, der schließlich zum Bau der neuen Orgel führte.

Festlich eingeweiht wurde das in der renommierten Werkstatt Eule im sächsischen Bautzen gebaute Instrument am Pfingstfest des Jahres 2011 von Weihbischof Dr. Johannes Bündgens. In herzlichen Worten dankte Pfarrer Rainer Gattys im sehr gut besuchten Gotteshaus den Menschen aus der Pfarre St. Sebastian, die im Jahr 1999 die Initiative zum Bau einer neuen Orgel für die Pfarrkirche ergriffen haben. Ohne sie „wäre diese Orgel nie nach St. Sebastian gekommen. Und es ist toll, dass die Frauen und Männer der ersten Stunde dieses Projektes heute auch da sind“.

„Absolute Spitzenklasse“

Ein herzlicher Gruß galt dem im Rheinland geborenen Titularorganisten an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin und Professor für Improvisation und Liturgisches Orgelspiel an der Universität der Künste in Berlin, Professor Wolfgang Seifen. Gattys versprach nicht zu viel, als er sagte, dass Professor Seifen „die absolute Spitzenklasse der Orgelimprovisation verkörpert“. Dass, was er sich vorgenommen hat, sei wahrlich eine „Mordstour“. Die sichtlich beeindruckten Zuhörer erlebten ein außergewöhnliches Konzert. In 75 Minuten ohne Pause wurden in den Hauptstücken vier Jahrhunderte Orgelmusik zu Gehör gebracht, vom 17. Jahrhundert mit der „Suite Francaise“, über zwei Choralbearbeitungen im deutschen Barockstil und „Phantasie und Doppelfuge“ im deutsch-romantischen Stil bis zum 20. Jahrhundert mit der „Tryptique Symphonique“. Die Virtuosität von Seifen war nicht nur durch die verzauberten Klänge an der Orgel, sondern auch visuell durch die Live-Übertragung auf eine Leinwand in den Kirchenraum erlebbar.

Anhaltender Applaus war der Lohn dieser besonderen Stunde, die Seifen der Pfarrei St. Sebastian zum Pfingstfest zum Geschenk machte. Seifen gab den Dank gestenreich symbolisch weiter an diese Eule-Orgel. Die in Würselen präsentierten Stücke habe er besonders ausgewählt, sagte der Professor: „Als ich die die Disposition bekam habe ich mir überlegt: die Eule-Orgel ist ein sehr vielfältiges Instrument, da kannst du sehr viel machen. Und somit kam ein Programm zustande, in dem ich praktisch chronologisch gespielt habe von französischbarocker Musik über deutschbarocker Musik, Romantik bis hin zur Sinfonik. Die Konzeption war eben, diese vielen Stile nicht mit Literatur, sondern mit Improvisation darzustellen“. Seifen bestätigte die Richtigkeit der Entscheidung der Pfarrgemeinde im Jahr 2007, die Werkstatt Eule mit dem Bau der neuen Orgel zu beauftragen: „Eule kenne ich schon sehr lange. Mir ist die Orgel im Magdeburger Dom St. Sebastian sehr bekannt. Das Instrument ist etwas älter als die Eule-Orgel in Würselen. Ich bin sehr angetan von der Werkstatt Eule, auch mit dem Ergebnis hier in St. Sebastian!“. Die Eule-Orgel in der Pfarrkirche St. Sebastian Würselen mache unglaublich viel „Freude und Spaß“. Das sei immer so ein Kennzeichen dafür, ob die Orgel gut klinge oder nicht. Professor Wolfgang Seifen: „Sie hat viele Schattierungen, sie ist sehr ästhetisch aufgebaut, niemals brutal, also sehr rund und voll und die Charakterstimmen sind sehr ausgeprägt. Ich bin rundum zufrieden mit dem Instrument!“ Mehr Lob aus dem Munde einer der renommiertesten Orgelmeister Deutschlands geht nicht.

„Originell und vielfältig“

Diese Worte vernahm der frühere Vorsitzende des Förderkreises Orgelbau St. Sebastian, Hermann Jörissen, sehr gerne. Traditionell überreichte Jörissen eine Flasche Orgelwein und die Festschrift zur Einweihung der Orgel aus dem Jahr 2011 an den Virtuosen aus Berlin. Herzliche Worte der Anerkennung galten der Schatzmeisterin Rosemarie Sommer, welche die „Vereinskasse immer perfekt gehütet hat“, damit schließlich die 650.000 Euro zum Bau der Eule-Orgel zusammenwaren. Präsentiert wurde auf der Leinwand im Kirchenhauptschiff eine eindrucksvolle, von Dr. Uta Lederle Schenk und Litwina Iman zusammengestellte Fotoshow über die Aktivitäten der beiden Vereine in den vergangenen zwei Jahrzehnten.

Seit vielen Jahren sind die Organistin an St. Sebastian, Ulrike Botzet, und der Aachener Domkapellmeister Bethold Botzet mit Professor Wolfgang Seifen befreundet. Ulrike Botzet war seine Nachfolgerin in Nettetal-Lobberich als Organistin. Botzet äußerte sich nach dem Konzert begeistert: „Man hat wieder ganz neue Facetten der Orgel gehört. Er hat die Streicherstimmen fantastisch zum Einsatz gebracht, die Orgel klang wieder sehr vielseitig!“

Beim Umtrunk erinnerte der heutige Vorsitzende des Fördervereins Kirchenmusik, Hubert Wickerath, an die Tage im Mai 1999, welche die Geschichte der Pfarrei St. Sebastian nachhaltig prägen: „Unsere Orgel kann nicht mehr – es muss eine neue her!“, lautete vor 20 Jahren das Motto. Die Ideen zur Beschaffung der Geldmittel waren dabei immer „originell und vielfältig“. Über die eigentliche Finanzierung der Eule-Orgel durch den Förderkreis Orgelbau und die Durchführung von Orgelkonzerten hinaus hatten die Vereine je mehr im Blick. So konnte die Städtepartnerschaft mit Morlaix durch Besuche und Orgelkonzerte gefördert werden.

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