Würselen: Priol nimmt auf Burg Wilhelmstein die Regierenden ins Visier

Würselen: Priol nimmt auf Burg Wilhelmstein die Regierenden ins Visier

Eines war von vornherein klar. Wenn Urban Priol kommt, kann sich keiner sicher fühlen. Ob Politiker, Geistliche oder Fußballfunktionäre - bei dem Satiriker bekommen alle ordentlich ihr Fett weg. Humoristisch kritisierte er die Oberen Deutschlands in seinem Solo-Programm „Wie im Film” auf Burg Wilhelmstein.

Der Aschaffenburger erklärte dem Publikum zunächst, dass die Bürger in Nordrhein-Westfalen mit ihrer Wahl die komplette Bundespolitik lahmgelegt hatten: „Merkel hat vor der Landtagswahl das Programm ,Schweigen für Jürgen´ ausgerufen.”

Und damit für regungslose Stille im Berliner Kabinett gesorgt. Und was hat´s genutzt? Nichts! „Rüttgers ist weg. Es gibt Leute, die hinterlassen Lücken, die keiner bemerkt.” Doch ganz so leicht wollte Rüttgers sein Büro in der Düsseldorfer Staatskanzlei dann doch nicht räumen. „Er wollte noch mal ein Vier-Augen-Gespräch mit Hannelore Kraft suchen.”

Aber nichts da. „Da hat die Kraft gesagt: Nee, 6000 Euro zahl´ ich nicht?”

Die Wahlen in NRW mit allen Nachwirkungen hätten für die Berliner Regierung gerade zur rechten Zeit stattgefunden, wusste Priol. Denn kurz danach war Fußball-WM.

Da habe die Regierung alle aufgestauten Gemeinheiten durchsetzen können. „Die Politiker nutzten die Euphorie während der WM schamlos aus.”

2006 seien die Krankenkassenbeiträge erhöht worden - „egal, Tor für Deutschland”. 2010 wurde das Elterngeld gekürzt - „egal, Müller hat wieder eingenetzt”.

Voll besetzte Freilichtbühne

All seine Anekdoten und Geschichten erzählt Priol mit viel Elan. Agil rennt er über die Bühne. Er fuchtelt mit den Armen und fasst sich an den Kopf. Er schimpft und erklärt auf hochdeutsch, bayrisch oder kölsch. Wahlweise mit den Stimmen von Kohl, Strauß, Schröder oder Merkel.

Die Bundeskanzlerin hat er besonders im Visier. Warum denn eigentlich? Die macht doch nichts. „Genau!”, sagt der Kabarettist und rauft sich das dünne Haar. „Die Bundeskanzlerin hat ein ganzes Land gekapert, nur weil auf dem Abi-Ball keiner mit ihr tanzen wollte.”

Und jetzt wisse sie nicht, was sie damit anfangen soll. So fragte Priol im fingierten Gespräch den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: „Hat sich die Merkel in der Finanzkrise über den Tisch ziehen lassen?”

Für den Banker ganz klar: „Nein, die ist ganz freiwillig rübergerutscht.” Damit ihre Unfähigkeit nicht so auffalle, dulde sie keine kompetenten Minister neben sich.

In Merkels Kabinett dürften maximal Minister mit der Kompetenz des „Plattitüden-Barons” zu Guttenberg ins Amt, mutmaßte Priol. „Als ich den zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich gefragt: Seit wann trägt Lothar Matthäus Brille.”

Denn inhaltlich lägen die Aussagen der beiden nicht weit auseinander. Minister dieses Kalibers seien das Beste, was Merkel passieren kann. Denn: „Wenn die Sonne tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.”

Als während des Programms auf der Burg ein paar Tropfen vom Würselener Himmel fielen und die Besucher der voll besetzten Freilichtbühne unter die Überdachung drängten, musste auch Priol noch etwas zum Thema Wetter zum Besten geben: „Seit der Kachelmann im Knast sitzt, macht das Wetter, was es will.”