Pneumologe warnt: Volkskrankheit COPD typische Rauchererkrankung

Zigaretten, Shisha oder Dampfen? : Jede Variante birgt eigene Risiken

Immer noch wird in Deutschland gerne geraucht. Viele steigen auf vermeintlich „gesündere“ Varianten wie „Dampfen“ oder Shisha um. Doch auch bezüglich dieser Alternativen gibt es immer wieder Schreckensmeldungen, wie jetzt der erste Todesfall in den USA mutmaßlich nach E-Zigaretten-Konsum.

Zuletzt die Schweden haben es vorgemacht: Bis 2025, so das erklärte Ziel der schwedischen Regierung, soll das Land rauchfrei sein. Seit rund zwei Monaten darf man dort auch vor Gaststätten, zudem auf Spielplätzen und Bahnsteigen nicht mehr rauchen, auch keine E-Zigaretten. Schon jetzt, so Erhebungen der schwedischen Gesundheitsbehörde, seien nur noch neun Prozent der Bevölkerung Raucher, bei sinkender Tendenz. Deutschland liegt im Vergleich bei rund 28 Prozent.

Während in Schweden derartige Restriktionen offenbar allgemein akzeptiert werden, würde solch eine Gesetzesinitiative in Deutschland wohl weitaus skeptischer zur Kenntnis genommen (siehe auch Umfrage oben). Man erinnere sich nur an den Aufschrei anlässlich der Einführung von Rauchverboten in Einrichtungen des Bundes in 2007. Damals wurde es den Ländern überlassen, auch in Kneipen und Restaurants rauchfreie Zonen einzurichten. Mittlerweile hat NRW neben Bayern und dem Saarland eines der strengsten Nichtraucherschutzgesetze. Nordeuropäische Länder gehen längst weiter, in Helsinki etwa können Vermieter Rauchen sogar auf privaten Terrassen und Balkons verbieten.

Zwar sinkt die Zahl der Raucher in Deutschland kontinuierlich, dennoch sind es Statistiken zufolge je nach Bundesland immer noch 27 bis 35 Prozent der Männer und 17 bis 24 Prozent der Frauen, die zur Zigarette greifen. Der Anteil Jugendlicher ist laut Deutscher Krebsgesellschaft auf zehn Prozent gesunken. Hier sei ein Trend zu orientalischen Wasserpfeifen (Shishas) sowie E-Zigaretten und E-Shishas zu verzeichnen.

Mit Blick auf jährlich 121.000 Menschen in Deutschland (Statistik 2013), deren Tod auf Folgen von Rauchen zurückgeführt wird, stellt sich die Frage: Sind E-Produkte eigentlich weniger schädlich, wie viele glauben? Dr. Peter Fleimisch, Chefarzt der Klinik für Lungenheilkunde und Beatmungsmedizin am Rhein-Maas Klinikum, beurteilt das offensive Positiv-Marketing fürs „Dampfen“ als „sehr kritisch“ und stellt fest: „Sicherlich ist es angenehmer, neben jemandem zu stehen, der dampft, als neben einem Zigarettenraucher. Für den E-Raucher selbst glaube ich, dass es nachteilig ist, wir haben aber noch nicht den klinischen Nachweis.“

Grundsätzlich schlagen Lungenärzte schon länger Alarm. Fleimisch: E-Zigaretten seien nicht genormt, und die Wirkung der Liquids, die mit Geschmacksstoffen versetzten Flüssigkeiten, die verdampft werden und die vornehmlich in China hergestellt würden, ist letztlich nicht bekannt. Aus den USA kommt die Meldung, dass nach einer Häufung „dubioser Lungenerkrankungen“ nach E-Zigaretten-Konsum der erste Todesfall zu verzeichnen sei. Der Betroffene war in Illinois mit einer ungeklärten schweren Atemwegserkrankung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Dr. Peter Fleimisch, Chefarzt der Klinik für Lungenheilkunde und Beatmungsmedizin am Rhein-Maas Klinikum, erläutert welche schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen Rauchen haben kann. Foto: Beatrix Oprée

Noch habe die US-Gesundheitsbehörde kein Produkt ausfindig machen können, das mit den Erkrankungen in Verbindung zu setzen sei. Weil es eben viele E-Zigaretten-Typen und Liquids gibt. Unabhängig aber von jeder Debatte um Schädlichkeit oder vermeintlich bessere Alternativen zur Zigarette rät Pneumologe Fleimisch ganz klar: „Halte die Lunge sauber, inhaliere nichts, was dort nicht hineingehört.“

COPD längst eine Volkskrankheit

Dennoch: Die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD) ist in Deutschland zur Volkskrankheit avanciert. „Im Grunde eine Luxuserkrankung“, sagt Fleimisch. Gehe COPD in Entwicklungsländern maßgeblich auf offene Feuerstellen zurück, ist sie hierzulande eine typische Rauchererkrankung. Erschreckende Bilder schwarzgrauer Raucherlungen sind nicht nur aus dem Bio-Unterricht bekannt, sondern kursieren auch im Internet.

Mit drastischen Warnungen: Wer täglich eine Packung Zigaretten raucht, nimmt jährlich eine Tasse Teer aus dem Rauch auf. Teer verklebt Lungenbläschen, eingeatmete Schadstoffe können nicht mehr ausgestoßen werden, Betroffene können immer schlechter durchatmen. Eine Form der COPD ist das Lungenemphysem mit dauernden entzündlichen Prozessen, die die feingeweblichen Strukturen der Lunge zerstören. Fleimisch zieht den Vergleich zu einem Schwamm mit Löchern und warnt: „Lunge wächst nicht nach – was kaputt ist, ist kaputt.“

Eine Folge: Die Atemmechanik ändert sich. Während im Normalfall Ein- und Ausatmen im Verhältnis 1:1,5 stehen, atmet der COPD-Patient deutlich länger aus, etwa 1:2 oder 1:3. Bei einer COPD fällt beim Ausatmen das löchrige Lungengerüst zusammen, eingeatmete Luft kann nicht komplett entweichen, es kommt zur Überblähung der Lunge, bei gleichzeitiger Minderversorgung mit Sauerstoff.

Fleimisch: „Ich stelle Patienten immer drei Fragen: Rauchen Sie oder haben Sie geraucht? Leiden Sie an Luftnot oder Husten? Sind Sie über 40 Jahre alt?“ Wird dies positiv beantwortet, bestehe bereits eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, an COPD erkrankt zu sein. Dann gilt es, den weiteren schnellen Abstieg zu verhindern. Erste und wichtigste Maßnahme überhaupt: Aufhören zu rauchen. Fleimisch: „Dafür ist es nie zu spät!“

Beim Shisha-Rauchen bestehen neben dem COPD-Risiko weitere, teils unmittelbar lebensgefährliche Gefahren: durch die Inhalation von Schadstoffen, die durch den Kontakt von Tabak mit der brennenden Kohle entstehen, wobei eine Trennung durch Alufolie mindestens genauso gefährlich sei. Zudem besteht das Risiko einer Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung. Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas, das durch unsauberes Verbrennen der Wasserpfeifen-Kohle entsteht (ansonsten übrigens häufig durch schlecht gewartete Gasthermen).

Trotz CO-Vergiftung rosig im Gesicht

Verbringt man mehrere Stunden in einer nicht ausreichend gelüfteten Shisha-Bar, kann dies schwerwiegende Konsequenzen haben: Kohlenmonoxid reizt nicht die Atemwege, bindet sich aber an die roten Blutkörperchen und blockiert so die Sauerstoffaufnahme. Es kommt zur Unterversorgung, die Betroffenen haben trotzdem einen rosigen Teint. Schon geringe CO-Mengen können zu irreversiblen Schäden führen, oft mit neurologischen Symptomen.

Bei einer Vergiftung reicht frische Luft alleine nicht aus, vielmehr ist die Behandlung in einer Überdruckkammer nötig. Bei ersten Anzeichen wie Schwindel und Kopfschmerzen ist daher sofortiges Handeln angesagt, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Diagnose der CO-Vergiftung wird über eine Blutgasanalyse gestellt. Fleimisch warnt: „Es kann sogar zu Problemen kommen, wenn Shisha im Freien geraucht wird ...“

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