Würselen: Plastikmüll fliegt umher: Gelbe Tonne eine Alternative?

Würselen : Plastikmüll fliegt umher: Gelbe Tonne eine Alternative?

„Müllkippe Würselen?“ Diese Frage stellt unserer Leser Hannes Arnolds bezüglich der „Abholung der gelben Säcke“ an die Stadtverwaltung.

Bezüglich der Zustände vor dem Osterfest war er das jetzt endgültig leid, wie er betont: „Wer in den letzten Wochen und Monaten, insbesondere nach Abholung dieser Säcke, durch Würselen gegangen oder gefahren ist, glaubte sich in die Favelas von Rio de Janeiro oder Sao Paulo versetzt. Müll, wohin das Auge reicht!“ Dabei gehe es um Müll, den die Bürger wie verlangt in Beutel zur Abholung an den Straßenrand stellen und der ihnen dann um die Ohren fliegt.

Besonders dreist: In Sichtweite der Autobahnpolizeistation am Rande von Broichweiden wird Müll auf einem Pendlerparkplatz abgelegt. Foto: Karl Stüber

Aktuelle Beschwerdelage

Zu dem ohnehin schon wild entsorgten Müll, der von den zuständigen Stellen Würselens „vollkommen ignoriert“ werde, geselle sich der Verpackungsmüll, der eigentlich ordnungsgemäß über das Duale System entsorgt werden müsste, sagt er. „Und noch während die Anwohner den Unrat der letzten ‚Abfuhr‘ aus den Grünanlagen picken, gesellt sich bereits neuer aus der aktuellen hinzu, weil die Qualität der gelben Säcke letztendlich nichts anderes zulässt, und weil die Mitarbeiter des Entsorgungsunternehmens sichtlich mit Widerwillen ihre Arbeit tun. Da bleibt dann eben der Dreck liegen“, kritisiert er. Arnolds wohnt in der sogenannten Kleinen Nassauerstraße in Broichweiden.

„Nach jeder Abfuhr sieht es dort aus wie auf einer Müllkippe: Die Vorgärten der Anwohner sind mit Müll übersät, die großen Grünflächen ohnedies, und die städtischen Wege sind mit Verpackungsresten gepflastert.“

Arnolds hat deshalb am Gründonnerstag bei den Kommunalen Dienstleistungsbetrieben Würselen (KDW), eine Fachabteilung der Würselener Verwaltung, nachgefragt und sei dort auch „durchaus freundlich“ behandelt worden. Mit einer Besserung der Situation sei leider erst dann zu rechnen, wenn die Stadt in der Lage sei, Verträge mit entsprechenden Bedingungen zu schließen, habe die Antwort gelautet. Eine Straßen- und Anlagenreinigung vor Ostern sei nicht mehr möglich, da man der aktuellen Beschwerdelage aufgrund der personellen und finanziellen Situation sowieso nicht mehr gerecht werden könne.

Am Dienstagmorgen nach Ostern habe er erneut bei der KDW nachgefragt. Da habe die Auskunft gelautet: Zunächst müsse mal geklärt werden, wer überhaupt Verursacher der Verschmutzungen sei, außerdem hätten die Anwohner ihre Gehwege selbst zu reinigen, wurde auf die entsprechende Satzung verwiesen. Die städtischen Wege und Anlagen würden zu gegebener Zeit gereinigt.

Neue Lösungen suchen

Das findet Arnolds alles andere als toll: „Würselen hat einen der höchsten Hebesätze der Gewerbesteuer innerhalb der Bundesrepublik. Wir zahlen Anliegerkosten, Grundsteuer, einige zahlen Körperschaftsteuer und weitere Abgaben, beispielsweise auch einen Obolus mit jedem Kauf einer Ware, die dem Dualen System angeschlossen ist, zweckgebunden (!), nämlich zur umweltgerechten Entsorgung der Verpackung. Was geschieht mit diesem Geld?“, fragt er. „Von einer funktionierenden Verwaltung erwarte ich, dass Verträge mit integren Unternehmen geschlossen werden. Und wenn diese dann vertragsbrüchig werden, weil sie den Auftrag nicht ordnungsgemäß erfüllen, dann muss man sich auch mal die Mühe machen, neue Lösungen zu suchen“, zürnt der Würselener.

Es sei sicher gut gemeint, dass Karnevalsvereine, die er persönlich sehr schätze, Sportvereine oder die Freiwillige Feuerwehr zu Müllsammelaktionen aufrufen. Aber das ist aus seiner Sicht der völlig falsche Weg. „Daran sollte der Bürger nicht teilnehmen. Ich würde es meinen Kindern jedenfalls verbieten, denn so leistet man nicht nur der Untätigkeit unserer Kommune Vorschub, sondern unterstützt in letzter Konsequenz sogar auch die illegale Müllentsorgung. Es ist nahezu skandalös, dass sich eine Kommune darauf verlässt, dass freiwillige Helfer ihre Arbeit tun. Eine weitere Bankrotterklärung unserer Stadtverwaltung.“ Er möchte nicht mehr in einem solch vermüllten Umfeld wohnen und fühle sich im Stich gelassen. „Wen wundert es, dass vor diesem Hintergrund die Verdrossenheit über und die Ablehnung gegen die etablierten Parteien auch hier in Würselen immer stärker wird?“, sieht Arnolds den Stadtrat mit in der Pflicht.

Die Beschwerde bei der KDW und die Anmerkung, sich an die Öffentlichkeit zu wenden, hat dann offenbar doch noch gefruchtet — für dieses Mal. Zum einen wurde zwischenzeitlich seitens der KDW genau die kommunale Hälfte der Straße, an der Arnolds wohnt, gereinigt — die dem Haus zugewandte Seite und der Gehweg sei Arnolds‘ Sache. Zum anderen sei laut Anwohner die nahe Grünanlage von Plastikmüll gereinigt worden. „Es macht ja auch keinen Sinn, den Müll dort liegen zu lassen, der beim nächsten Rasenschnitt von der Maschine in kleine Stücke gehäckselt wird“, sagt Arnolds.

Und was sollte die Stadt seiner Ansicht nach unternehmen? Zum einen, so der Würselener, sollte auf die beauftragte Müllabfuhr eingewirkt werden, dass deren Mitarbeiter sorgfältiger mit den gelben Säcken hantierten. „Die Säcke reißen ohnehin sehr schnell. Ich nehme immer zwei und stecke sie zusammen, damit die Hülle besser hält. Das reicht aber nicht.“ Zum anderen regt Arnolds das Anbieten der gelben Tonne an — mit freiem Wahlrecht, da nicht jeder Platz am Haus hat, um auch noch diese Tonne unterzubringen. Man müsse das nur (politisch) wollen. Dritter Hinweis: Die Stadt sollte sich selbst konsequenter um wilden Müll kümmern und gar nicht erst die Mengen aufkommen lassen, die dann Bürger in Good-Will-Aktionen einsammeln. Zudem sollte an Straßen und Parkplätzen öfter nach dem Rechten gesehen werden, egal wer da als Straßenträger zuständig sei.

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