Pilotprojekt zur Geothermie im Energeticon in Alsdorf

Regelbetrieb aufgenommen : Das Energeticon heizt jetzt mit Grubenwasser

Eine Sektflasche wurde zwar nicht schwungvoll zertrümmert, wie es beim Stapellauf von Schiffen üblich ist. Das perlende Getränk floss dennoch - allerdings durch durstige Kehlen, zumal es im Raum mollig warm war.

Anlass der kleinen Feier in der Heizungszentrale des Energeticons in Alsdorf: Im Rahmen eines landesweit wichtigen Pilotprojekts „Grubenwasserenergie für das Energeticon“ (GrEEn) wird ab sofort aus dem ehemaligen Eduardschacht gewonnene Wärme zur Energieversorgung des Erlebnismuseums eingespeist.

Energeticon-Geschäftsführer Thomas König bediente jetzt mit Hilfe von Partnern des vom Land mit 70 Prozent der Kosten bezuschussten Pilotprojekts das entscheidende Steuerelement. „Wir schalten die Wärmepumpe scharf“, sagte er. Im März wird dazu eine wichtige Fachkonferenz im Energeticon veranstaltet, an der auch Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, teilnehmen soll. Bis dahin werden relevante Messergebnisse aus dem Probebetrieb und dem jetzt angelaufenen Regelbetrieb aufbereitet und ausgewertet, um im Kreise von Fachleuten und vor Gästen erläutert zu werden. Schließlich wollen die Geldgeber ja sehen, wie sich das 1,2 Millionen Euro teure Projekt entwickelt.

Der Laptop von Mario Ramirez-Munoz ist bereits in der Heizungszentrale untergebracht. Der Spanier ist Gastwissenschaftler am E.ON Energy Research Center in Aachen und Doktorand der RWTH Aachen. Bei Universitätsprofessor Dr. Christoph Clauser, Leiter des Lehrstuhls für „Applied Geophysics and Geothermal Energy am E.ON Energy Research Center“. Dabei greift Ramirez-Munoz auf zwei Datenströme zurück. So werden Angaben von der Pumpanlage abgezapft. Zudem erhält der Spanier via Glasfaserkabel, das mit dem Sondensystem der Grubenwasserthermieanlage in dem im Eduardschacht stehenden Wasser versenkt wurde (bis 860 Meter), von verschiedenen Messpunkten und Tiefen im beständigen Rhythmus Messdaten.

Durch das doppelte Leitungssystem kursiert entmineralisiertes Wasser als Medium für die Wärmeaufnahme. Pro Stunde werden rund 16 Kubikmeter „umgepumpt“. Das Medium wird dabei, so ein Messwert noch aus der Testphase, von 13 auf 23 Grad aufgeheizt. In der im Heizungsraum des Energeticon installierten Wärmepumpe wird die Energie zum Heizen gewonnen. Dort wurde zudem ein großer Wasserspeicher installiert. 70 bis 80 Prozent des Energiebedarfs der Einrichtung werden so gedeckt.

Den Schalter für den Betrieb umgelegt: (v.l.) Der ehemalige Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter, sein Nachfolger Thomas König, Techniker Martin Klima, der technische Leiter des Energeticon, Frank Krottmüller, Hans Luka vom Ingenieurbüro Heitfeld-Schetelig sowie Projektleiter Heinz Berlipp starten die Energieversorgung durch Grubenwasserthermie für das Energeticon. Foto: Karl Stüber

Geschäftsführer König sagte: „Dass hier wieder Energie aus dem Berg geholt wird, ist ein historischer Moment.“ Im Dezember 1992 wurde im Verbundbergwerk von Anna mit Emil Mayrisch im benachbarten Siersdorf (Kreis Düren) die letzte Steinkohle gefördert. Später wurde aus dem Eduardschacht in Alsdorf durch den Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) noch Methangas abgeleitet und verwertet, das nach Ende der Wasserführung durch eindringendes Wasser aus Schächten und Stollen nach oben gedrückt wurde. Nun knüpfe man wieder an diese Tradition an, allerdings unter dem Aspekt regenerativer Energie.

Auch der ehemalige Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter, dessen „Baby“ das Projekt GrEEn ist, wollte sich diesen Moment nicht entgehen lassen und fand auf Anhieb aus Ofden den Weg zur alten Wirkungsstätte. „Es ist für mich eine große Freude, dass es bei allen Problemen, die natürlich auftreten, wenn man Neuland betritt, die Anlage fertig ist und funktioniert.“

„Visualisierungskonzept

Natürlich soll das Geothermieprojekt, von dem das Land NRW wichtige Antworten auf die Frage erhofft, ob sich die Gewinnung von Energie aus Grubenwasser auch im Ruhrgebiet rechnet, den Besuchern des Energeticons nahe gebracht werden. Geschäftsführer König sprach von einem „Visualisierungskonzept“, an dem derzeit in Abstimmung mit dem Fördergeber gearbeitet werde. Letztlich sei der Kostenrahmen eingehalten worden. Die Energeticon gGmbH ist mit zehn Prozent beteiligt.

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