Pfarrerin Elisabeth Peltner in Alsdorf verabschiedet

Martin-Luther-Kirche : Pfarrerin Elisabeth Peltner verabschiedet

„Kostbar der Herzschlag jeder Minute. Sie schenkt dir den Atem, erlaubt dir anzufangen aufs Neue. In deinem Augenstern kreist die verwirrende Welt, ruht das Himmelsherz jede Minute". Unter dieses Motto, einem Gedicht von Rose Ausländer, stellte Pfarrerin Elisabeth Peltner die Predigt bei ihrem Abschiedsgottesdienst in der gut gefüllten Martin-Luther-Kirche.

Und sie nannte Beispiele für diese kostbaren Momente während ihrer zehnjährigen Arbeit in Alsdorf (und Würselen): ob am Sterbebett, im Altenheim, wo sie sich mit den Bewohnern über deren erste Verliebtheit oder die lange zurückliegende schöne Kindheit unterhielt – oder in der Arbeit für die Gehörlosen-Seelsorge im Kirchenkreis Aachen. Denn diese betreute Elisabeth Peltner seit ihrem Amtsantritt im Jahre 2009 seelsorgerisch mit. Für die gehörlosen Gottesdienst-Besucher dolmetschten Karoline Janouch und Sabine Breves-Kluth.

Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, der Pfarrerin Elisabeth Peltner von ihren Aufgaben entpflichtete, ging in seiner Predigt auf eine Stelle im Petrusbrief ein, welcher von den Gaben Gottes handelt, die er den Menschen verliehen hat. Eine besondere Gabe Peltners, so Bruckhoff, sei in ihren Predigten erkennbar.

Er habe sie im Gottesdienst nie angestrengt, sondern immer konzentriert und innerlich gelöst erlebt. In Sitzungen, wo es um den rechten Weg zu den angestrebten Zielen gegangen sei, habe dies auch anders sein können. Hier habe die sanfte Pfarrerin auch bestimmt auftreten können. Als Ende 2014 Pfarrer Ulrich Eichenberg die Kirchengemeinde verließ und bevor Pfarrerin Annegret Helmer im Sommer 2017 nach Alsdorf kam, habe eine besondere Arbeitslast auf der scheidenden Pfarrerin gelegen, die sie mit Hilfe der pensionierten Pfarrer Schnapp und Goetzke jedoch in bewundernswerter Art gemeistert habe.

In die Amtszeit Elisabeth Peltners fiel auch die Fusion der Kirchengemeinden Alsdorf, Würselen und Hoengen-Broichweiden zur Christusgemeinde, welche noch im Prozess befindlich ist. Die scheidende Pfarrerin erinnerte sich selbst daran, dass es in dieser Zeit der Fusionierung „gefühlt jeden zweiten Abend" eine Arbeitssitzung gegeben habe.

Festlich fiel die Musik an diesem frühlingshaften Abschiedstag aus. Zu den Klängen einer bekannten Toccata von Pachelbel, wie nachher die Gemeindegesänge von Organist Joachim Peters angestimmt, zogen in die Kirche ein: Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, Pfarrerin Elisabeth Peltner, Pfarrerin Annegret Helmer (Alsdorf), Pfarrer Harry Haller (Würselen), die Pfarrerinnen Petra Hartmann und Dorlis Alders (Hoengen-Broichweiden) sowie die Prädikanten Susanne Degenhardt (Hoengen-Broichweiden) und Heinz Wolke (Alsdorf). Sie gaben am Ende der scheidenden Pfarrerin auch ein Votum, einen Segensspruch, mit auf den Weg. Sensibel sang der Evangelische Kirchenchor Alsdorf unter der Leitung von Munki Jeong, der auch solistisch als Sänger und mit Gitarre auftrat, schöne und angemessene Chorsätze wie „Geh unter der Gnade". Beim anschließenden Empfang im Luthersaal kam dann noch die Chorgemeinschaft von Männergesangsverein Alsdorf/Männergesangverein Linden-Neusen unter der Leitung von Chordirektor ADC Heinz Dickmeis hinzu. Vorsitzender Karl-Peter Schröder dankte Pfarrerin Peltner dafür, dass sie einst den Männerchören den Probenraum im Luthersaal zur Verfügung gestellt hatte.

Stellvertretender Bürgermeister Heinrich Plum überbrachte der scheidenden Pfarrerin Dankesworte für die Stadt ebenso wie Pastoralreferentin Bärbel Schumacher für die katholische Pfarre St. Castor: Die Aktion „Wider das Vergessen" war Elisabeth Peltener ebenso ein Herzensanliegen wie die Ökumene. Und dann wurde noch ein prominenter Mann gesichtet, den man in Alsdorf kaum erwartet hatte: Manfred Kock, früherer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Als damaliger Superintendent in Köln hatte er Elisabeth Peltner damals in ihre Vorgänger-Stelle in Köln-Chorweiler eingeführt.

Drei Fragen an Pfarrein Elisabeth Peltner

Was hat Sie während Ihrer fast zehnjährigen Tätigkeit in Alsdorf besonders berührt?

Auf jeden Fall die Gemeindefusion mit allem, was damit zusammenhing und -hängt. Aber auch viele kleine Dinge: Begegnungen, die ich hatte; selbstverständliche Freundlichkeit, die mir entgegengebracht wurde; das Kennenlernen des Bergbaus (kannte ich bisher nur aus Büchern...) und den Zusammenhalt, der dadurch hier entstanden ist; das Steigerlied bei der "Barbaramesse"... Natürlich waren auch die plötzlichen Tode der langjährigen Presbyter Jansen, Müller und Langenhagen „einschneidende“ Erlebnisse und schmerzliche Verluste.

Bleiben Sie Alsdorf und der Kirchengemeinde verbunden?

Na klar. Ich bleibe der Kirchengemeinde verbunden, zumal ich ja im „grünen“ Ofden weiter in meiner Privatwohnung lebe. Menschliche Kontakte bleiben bestehen. Sie hören nicht auf, nur weil ich in Rente bin.

Für was wollen Sie sich im Ruhestand jetzt mehr Zeit nehmen?

Ich werde mich im Arbeitskreis "Wider das Vergessen" engagieren, mehr Sport machen, mehr Freunde besuchen – und mal sehen, wo ich mich sonst noch engagieren kann.

(jope)
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