Nordkreis: Personalmangel bei der Aseag: Schüler warten vergebens auf den Bus

Nordkreis: Personalmangel bei der Aseag: Schüler warten vergebens auf den Bus

Über 100 Schüler der Europaschule sind nach Unterrichtsschluss am Dienstagmittag einfach übrig geblieben. „Unvermittelt“, so teilt Daniel Bick, Direktor der Gesamtschule in Merkstein mit, seien Schulbusse ausgefallen. Kein Einzelfall.

Zwei Gelenkbusse und ein normaler Bus sind es, die täglich morgens und zu Schulschluss zusätzlich die abseits der Geilenkirchener Straße gelegenen Haltestellen neben der Schulturnhalle ansteuern, um Hunderte Schüler aufzunehmen, für die die Kapazität des regulären Linienverkehrs nicht ausreichen würde.

Doch nicht nur Dienstag mussten die Schüler entweder viel zu lange warten oder sich notgedrungen aufmachen zur nächstgelegenen Linienbus-Haltestelle an der Geilenkirchener Straße, um nach Hause zu gelangen. Auch schon am Freitag vergangener Woche sowie Montag sei die Lage ähnlich gewesen. Das werde wohl noch eine Weile so weitergehen, habe ihm ein Bediensteter der Aseag mit Blick auf den Personalmangel gesagt, berichtet Bick.

Hunderte Schüler ohne Aufsicht im angespannten Wartezustand — Josef Poqué, Bereichsleiter Schule, Sport und Kultur in der Herzogenrather Stadtverwaltung, will sich gar nicht erst ausdenken, was da alles passieren könnte. In Sachen Aufsichtspflicht, so pflichtet ihm der Schulleiter bei, befinde man sich hier in einer Grauzone, denn die Schüler hätten das Schulgelände verlassen. „Nur für die Kleinen stellen wir Lehrer ab, damit sie in den richtigen Bus steigen und nichts passiert.“ Was den Überblick über die Größeren angehe, dafür müsse theoretisch das Ordnungsamt einspringen ...

Bick: „Dass Busse ausfallen, kann ja passieren. Aber wir wären halt gerne vorher informiert, um entsprechend reagieren zu können. Morgens im Internet nachschauen zu müssen, welcher Bus ausfällt, halte ich schon für sehr grenzwertig. Dass wir das müssen, haben wir bisher auch gar nicht gewusst.“ Davon abgesehen waren die Ausfälle der betroffenen Linie 21 zumindest am Dienstag auf der von der Aseag täglich bis zum Nachmittag aktualisierten Liste nicht verzeichnet.

„Anspruch auf Beförderung“

Bereichsleiter Poqué hat als Vertreter des Schulträgers unterdessen bei der Aseag Protest eingelegt: „Die Aseag bekommt von uns Geld“, legt er auf Anfrage dar. „Und die Eltern beteiligen sich finanziell an den Fahrkarten. Sie haben deswegen auch einen Anspruch auf die entsprechende Beförderung ihrer Kinder!“

Für den vorliegenden Fall gebe es keine Erkenntnisse über Ausfälle, sagt Anne Linden, Pressesprecherin der Aseag, will hausintern aber weiter auf Fehlersuche gehen. Die Gründe für die bekanntlich schon seit Monaten andauernden Busausfälle in der Region seien vielschichtig, erläutert sie nochmals die Gesamtsituation: Relativ viele Fahrer stünden aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verfügung oder seien ausgeschieden.

Zudem habe man anderthalb Jahre Tarifverhandlungen zu verkraften. Aufgrund der ungeklärten Tarifsituation hätten von August 2012 bis Februar 2013 keine Neueinstellungen vorgenommen werden können. Nur auf Basis einer internen Einigung der Arbeitnehmervertreter Anfang des Jahres sei es möglich geworden, im Februar neue Fahrer einzustellen. Da aber relativ wenige Menschen einen Busführerschein besäßen, müssten die neuen Mitarbeiter erst ausgebildet werden. Rund ein halbes Jahre dauere dies, erklärt Linden: Etwa drei Monate brauche es für den Personenbeförderungsschein, der bei einer Partnerfahrschule erworben werde, deren Kapazität naturgemäß beschränkt sei. Daran schließe sich die zweimonatige hauseigene Tarif- und Streckenkunde an.

Linden: „Die Fahrer, die wir im Februar eingestellt haben, konnten daher erst zum 1. Juli den Dienst aufnehmen.“ Nur sukzessive könnten weitere neue Leute eingestellt werden, rechnet die Aseag-Sprecherin vor: Bis August seien es 14 neue Mitarbeiter im Fahrdienst gewesen, im September kämen weitere acht dazu und im Oktober noch einmal drei. „Bis Ende des Jahres wollen wir dann einen größeren Pool haben.“ 50 Neueinstellungen sollen es bis Ende 2013 insgesamt sein. 438 Mitarbeiter im Fahrdienst waren es zum Stichtag 1. September.

Um die Engpässe aufzufangen, werden täglich analog zu Dienst- und Urlaubsplänen sowie Krankenstand neue Prioritätenlisten erarbeitet. Ausfälle in Ballungszentren mit dichter Bustaktung seien für Fahrgäste besser zu verkraften als auf dem platten Land. Anne Linden: „Natürlich ist jeder Busausfall für den Fahrgast extrem ärgerlich und sollte nicht passieren.“ Aber nach Möglichkeit auf keinen Fall leer ausgehen sollten wartende Schüler, appelliert sie an Betroffene und deren Schulleiter, sich bei entsprechenden Erfahrungen direkt an die Aseag zu wenden, der Prioritätenliste wegen und damit so etwas nicht noch einmal vorkomme. Natürlich könne unabhängig vom momentanen Engpass ein Bus etwa wegen einer Panne ausfallen. Insgesamt aber, so betont die Aseag-Sprecherin, machten die Kollegen ihren Job gut und zuverlässig.

Was Direktor Bick gar nicht bestreitet: „Die geben sich schon Mühe.“ Aber: „Man merkt, dass es bei der Aseag personell in allen Bereichen eng ist“, verweist er auf den mittlerweile benötigten Vorlauf von zwei Tagen, wenn es um Umbestellungen von Bussen gehe — wie aber solle man das in einem Fall von Hitzefrei gewährleisten?

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