Osterbräuche in anderen europäischen Ländern

Osterbräuche in ganz Europa : Tänze, Prozessionen und Antlass-Eier

Die Auferstehungsmesse am Abend des Karsamstages läutet das Osterfest ein. Dennoch unterscheiden sich die Bräuche rund um Ostern von Land zu Land. Wie das höchste christliche Fest anderswo gefeiert beschreibt unsere Mitarbeiterin und Autorin aus Baesweiler Margret Nußbaum.

Frankreich: Die Glocken bringen Süßes

Dass die Glocken am Gründonnerstag nach Rom fliegen und erst in der Osternacht zurückkommen, erzählen Eltern ihren Kindern auch in Deutschland. Eine Besonderheit der französischen Glocken: Sie werden vom Papst gesegnet und mit Süßigkeiten gefüllt. Den Osterhasen kennen französische Kinder nicht, dafür aber Schokoladen-Glocken mit Flügeln. Die Kinder sammeln die Süßigkeiten am Ostermontag ein. Beim feierlichen Läuten der Kirchenglocken in der Nacht zum Ostersonntag umarmen und küssen sich Gläubige in der Kirche und Passanten auf der Straße vor Freude über Jesu Auferstehung.

Griechenland: Stundenlange Messen

Sehr streng halten die orthodoxen Griechen ihre Gottesdienst-Zeremonien ein. Während der ganzen Osterwoche werden stundenlange Messen zelebriert. Eine Besonderheit: Orthodoxe Christen, feiern ihre Feste nach dem alten Julianischen Kalender. Diese fallen nur ganz selten mit denen der Westkirche zusammen, die sich nach dem Gregorianischen Kalender richtet. In diesem Jahr feiert die orthodoxe Kirche Ostern am 1. Mai. Die mitgebrachten, reichlich geschmückten Kerzen werden vor Mitternacht an der geweihten Osterflamme entzündet. Der Pope verkündet dann „Christos Anesti“ – Christus ist auferstanden. Die Gemeinde antwortet „Alithos Anesti“ – er ist wahrhaftig auferstanden. Es folgt eine Kerzenprozession mit lautem Jubel und Feuerwerk. Familien tragen das heilige Licht nach Hause und zünden damit eine Öllampe unter einer Ikone an. Mit dem Ruß zeichnen sie ein Kreuz über der Haustür.

Großbritannien: Arme beschenken

Eine schöne Tradition am Gründonnerstag, dem „Maundy Thursday“: Mitglieder der Königsfamilie spenden Kleidung, Geld und Geschenke an Bedürftige. Bei der Zeremonie überreicht die Queen jedem Teilnehmer zwei kleine Taschen. In der roten stecken Geld für Essen und Kleidung, in der weißen je eine silberne „Maundy-Münze“. Zu Ostern sammeln britische Familien Weidenkätzchen und streicheln sich gegenseitig mit den Zweigen. Das soll Glück bringen. Ein uralter keltischer Brauch in Schottland: Auf Hügeln und Bergen werden Osterfeuer entzündet. Das lodernde Feuer soll die Auferstehung Jesu Christi symbolisieren.

Italien: Stundenlange Prozessionen

Überall im Land gibt es Prozessionen, die den Leidensweg Jesu Christi, die „via crucis“, nachempfinden. In Trapani auf Sizilien zieht die Prozession am Karfreitag 20 Stunden lang ohne Unterbrechung durch die Stadt. Während der ganzen Nacht sind die Straßen eingehüllt in einen Duft von Weihrauch, Blumen und Kerzenwachs. In Rom rutschen Büßer die „Scala Santa“, die heilige Stiege gegenüber dem Lateranpalast, auf Knien hoch. Es soll der Legende nach die sein, auf der Jesus zum Verhör bei Pontius Pilatus hinaufging. Im Jahr 326 soll sie von der Heiligen Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin, von Jerusalem nach Rom gebracht worden sein.

Niederlande: Matthäus-Passion hoch im Kurs

In keinem anderen Land soll die Matthäus-Passion so beliebt sein wie in den Niederlanden. Kein Wunder, dass, dass an Ostern Tausende von Musikliebhabern in die Kirchen und Konzertsäle strömen, um das Leiden und Sterben Christi musikalisch mitzuverfolgen.

Österreich: Schutz-Eier

Wer ein Ei isst, das am Gründonnerstag gelegt wurde, dem bleibt das Glück hold. So der Volksglaube in der Alpenrepublik. Die Gründonnerstags-Eier werden Antlass-Eier genannt – abgeleitet vom mittelhochdeutschen Antlaz gleich Ablass oder Lossprechung von Sünden. Sie sollen Mensch und Vieh vor Krankheiten sowie Haus und Hof vor Brand, Blitzeinschläge, Hochwasser und Lawinen schützen.

Polen: Wilde Wasserschlachten

Am Ostersonntag bringen Familien einen Korb in die Kirche, den sie am Karsamstag mit Brot, Kuchen, bemalten Eiern, Salz und Würsten gefüllt haben. Die Gaben werden gesegnet und sollen dafür sorgen, dass in diesem Jahr niemand Hunger leiden muss. Am Ostermontag bespritzen sich Klein und Groß gegenseitig mit Wasser. „Smyngus-Dyngus“ heißt diese zuweilen wilde Wasserschlacht. Der Brauch geht auf die Taufe des Prinzen Mieszko I. im Jahr 966 zurück, der das Christentum nach Polen brachte.

Spanien: Umzug mit Büßer-Kapuzen

In der Semana Santa, der Heiligen Woche, finden in vielen Städten Spaniens feierliche Prozessionen statt. Sie sollen an den Leidensweg Jesu Christi erinnern. Fromme Bruderschaften tragen dabei große Christus-, Marien- und Heiligenfiguren durch die Straßen und singen Klagelieder. Dabei werden sie von den Nazarenos – mit Kutten und Spitzkappen bekleidete Teilnehmer – begleitet. Dieser Brauch geht auf die erste große Pestepidemie 1348 in Sevilla zurück. Damals glaubte man, sich mit den Büßer-Kapuzen vor Ansteckung schützen zu können. Manche Nazarenos tragen darüber hinaus eiserne Ketten, mit denen sie sich geißeln. Die berühmteste Prozession findet in Sevilla statt.

(nu)
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