Kerkrade: „Oranje boven“ stürzt ins Tal der Tränen

Kerkrade: „Oranje boven“ stürzt ins Tal der Tränen

Der Himmel wusste es vor unseren niederländischen Nachbarn und weinte schon vor dem Halbfinalspiel gegen Argentinien. Die Tränen der Unterlegenen ließen die Flut noch einmal anschwellen. Das Bollwerk der Argentinier erwies sich als genauso standfest wie die Deiche unserer sturmerprobten Küstenbewohner.

Beim Elfmeterschießen half allerdings keine Abwehr mehr. Mit wachsender Skepsis, ja Angst verfolgten Oranje-Anhänger in nur wenigen geöffneten Gaststätten in Kerkrade das Drama in drei Akten. Die Anfeuerung „Oranje boven!“ („Hoch Oranien!“) erstarb in den vor Schrecken trockenen Kehlen. Ein Ereignis, das den historischen Vergleich geradezu erfordert. Denn „Oranje boven!“ ist ein mehrere Hundert Jahre alter Schlachtruf. Im 16. Jahrhundert brachten sich so die niederländischen Rebellen, die Geusen, gegen die Spanier in Kampflaune. Auch der Argentinier pflegt sich auf Spanisch mitzuteilen — die offizielle Amtssprache dort.

Die Bereitschaft, etwas dazu zu sagen, tendierte nicht nur in der Nacht des Ausscheidens des Oranje-Teams gegen Null. Auch die zaghafte Frage eines in den Niederlanden lebenden Kollegen beim Brötcheneinkauf am Tag danach, auf welcher Seite denn nun unsere Nachbarn beim Endspiel Deutschland gegen Argentinien stehen werden, wurde mit kollektivem Knurren beantwortet. Dies ließ ein weiteres Nachfragen mit Blick auf den Erhalt des eigentlich guten Verhältnisses miteinander und die Unversehrtheit des unbefangen Fragenden als nicht empfehlenswert erscheinen.

Es bleibt zudem der Beweis zu erbringen, dass unsere Jungs, die den Adler tragen, es am Sonntagabend gegen NL-Bezwinger besser machen. Wobei die Auskunftsfreude in Reihen unserer niederländischen Freunde nach dem WM-Endspiel wohl deutlich größer sein dürfte, sollte Deutschland der Unterlegene sein.

(-ks-)
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