Herzogenrath: Opposition scheitert mit Antrag auf „Fairtrade-Town“

Herzogenrath: Opposition scheitert mit Antrag auf „Fairtrade-Town“

Unter anderem um fair gehandelten Kaffee bei allen öffentlichen Sitzungen im Rathaus wäre es gegangen: „Wir haben zwar zurzeit existenziellere Themen zu beraten, aber man muss auch einmal über den Tellerrand hinaussehen“, begründete Dr. Bernd Fasel, Fraktionssprecher der Grünen, im Rat nochmals den Antrag der vier Oppositionsparteien auf die Bewerbung der Stadt Herzogenrath als „Fairtrade-Town“.

Mit unserem täglichen Konsum gehe im Zeitalter der Globalisierung auch eine globale Verantwortung einher, verwies er auf vielfach rücksichtslose Produktionsbedingungen auf unserer Erde. Doch aus der Rodastadt als „Fairtrade“-Stadt wird es zunächst nichts. Anders als in Roetgen und Geilenkirchen etwa, wo (auf Antrag der SPD respektive der Grünen) die Bewerbung für die ensprechende Zertifizierung beim Dachverband „Transfair“ e.V. just beschlossen worden ist.

Um sich bewerben zu können respektive das Siegel zu erhalten, muss eine Stadt fünf Mindestbedingungen erfüllen, wie die Stadtverwaltung in der Sitzungsvorlage darlegte:

Die Auszeichnung gilt für zwei Jahre, danach ist ein Verlängerungsantrag zu stellen. Die Verwaltung stellt abschließend noch fest: „Zurzeit erfüllt die Stadt Herzogenrath die vorgenannten Kriterien nicht. Bereits im Vorfeld einer Bewerbung würden freiwillige Kosten entstehen.“

Als „derart lapidar, dass es besser gewesen wäre zu schreiben ,Wir haben keinen Bock darauf‘“, beurteilte Bernd Fasel diese knappe Beratungsvorlage.

Auch Stefan Kuklik (Piraten), zeigte sich „sehr enttäuscht“, wie mit dem Antrag umgegangen worden sei: „Es ging ja zunächst um Maßnahmen zur Bewerbung“, aber auch dies scheine wohl „zu mühselig“ zu sein.

CDU-Fraktionschef Dieter Gronowski konstatierte, dass derlei Dinge besser im Fachausschuss beraten würden, einen Antrag auf Verweis dorthin stellte er allerdings nicht. SPD-Fraktionschef Gerhard Neitzke legte dar, dass seine Fraktion zwar mit einigen der fünf Punkte einverstanden sei, alle indes nicht erfüllt werden könnten — ohne zusätzliches Personal oder Geld gehe es nicht: „Wir wollen keine weiteren Schaufensteranträge.“ Fasel konterte, dass man den Antrag gestellt habe, weil eben nicht alle dieser Punkte erfüllt würden. Was Bürgermeister Christoph von den Driesch klarstellen ließ: „Das Ganze ist mit freiwilligen Ausgaben verbunden, und wir haben das Geld nicht. So einfach ist das.“

Mit welchem finanziellen Aufwand aber ist eine Zertifizierung als Fairtrade-Stadt verbunden? Unsere Zeitung hat bei der Stadt Aachen nachgefragt, zweimal rezertifizierte Fairtrade-Town seit 2011: „Es handelt sich meist um klassische Repräsentationskosten“, sagt Harald Beckers vom Presseamt der Stadt. Will heißen: Wenn die (Re-)zertifizierung ansteht, werden die Hauptakteure zum Sektempfang eingeladen.

Alles andere sei „in der Regel Tagesgeschäft der Verwaltung“, gekoppelt an ehrenamtliches Engagement, vor allem mit Blick auf die Vernetzungsarbeit zur Förderung fairen Handels. Die Stadt Aachen kooperiert mit dem Eine-Welt-Forum und dem Weltladen, über den auch die Antragstellung laufe. Städtische Mittel seien nicht eingestellt, die Erstzertifizierung indes sei seinerzeit aus Agenda-21-Mitteln gefördert worden, aus denen auch die damalige Öffentlichkeitsarbeit finanziert worden sei.

„Schade“, kommentiert Bernd Fasel im Nachgang die Antragsablehnung durch die große Koalition: „Der Agendabeirat in Herzogenrath hätte sich des Themas sicher gerne angenommen. Denn so weit sind wir von einer Fairtrade-Town meines Erachtens gar nicht entfernt, wenn man auf das Angebot etwa im DORV-Laden, im Klösterchen, im Eine-Welt-Laden oder im Patchwork blickt ...“

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