Herzogenrath: Offener Brief versetzt Eltern in Aufregung

Herzogenrath: Offener Brief versetzt Eltern in Aufregung

Aufgeregt haben viele Kohlscheider Eltern am Mittwoch zum Telefon gegriffen und die Nummer der Beigeordneten Birgit Froese-Kindermann gewählt. Diese war auf einem offenen Brief zwecks „Anfragen, Beschwerden etc.” abgedruckt, den die Schulleitung an alle Schüler verteilt hatte.

Unterzeichner sind Vertreter von Schulpflegschaft, Lehrerrat, OGS und dem Kollegium. „Liebe Eltern, am 6.10. wurden wir durch Frau Froese-Kindermann, der 2. Beigeordneten der Stadt Herzogenrath, in der Schulkonferenz informiert, dass detaillierte Überlegungen zur Schließung der Grundschule Kohlscheid-Mitte vorliegen”, beginnt der Brief. Erste Maßnahmen seien bereits zu Beginn des kommenden Schuljahrs vorgesehen...

„Keine Details vorgestellt”

Die Schuldezernentin hingegen dementiert: „Ich habe keine detaillierten Überlegungen vorgestellt.” Und so habe sie die verunsicherten Eltern am Telefon auch schon nach wenigen Minuten der Erläuterung stets wieder beruhigen können. Denn Basis für die Briefaktion von Schulleiterin Hedwig Ahrens ist der Entwurf für einen Schulentwicklungsplan, der extern, im renommierten Büro „biregio” (Bildung und Region) aus Bad Godesberg, erstellt worden ist.

In einem zehnseitigen Anhang wird hier auch die Idee von der internationalen Schule respektive Jenaplanschule durchgespielt. „Ausgangspunkt dieser Analyse waren die weiterführenden Schulen”, betont Froese-Kindermann. Denn hier fließe jährlich „quasi eine ganze weiterführende Schule” ab. Und: „Fakt ist auch, dass laut ursprünglichem Schulentwicklungsplan für keine der Grundschulen in den kommenden fünf Jahren Handlungsbedarf besteht.”

Das zum einen. Zum anderen handele es sich, wie gesagt, um einen Entwurf, für Froese-Kindermann ein bis dato „internes Papier”, da weder der Öffentlichkeit vorgestellt noch ausdiskutiert und beraten, geschweige denn beschlossen. Ob sich die Schulleiterin mit vorschnellem Handeln nicht vielmehr einen Bärendienst erwiesen habe, impliziert die Beigeordnete. Weinende Kinder seien nach Hause gekommen, wurde ihr berichtet.

Zudem hätten Eltern angefragt, ob sie ihre Kinder noch an eine andere Grundschule ummelden könnten, verweist die Dezernentin hier aber im gleichen Atemzug auf den in der Stadt gehegten Grundsatz der „kurzen Wege für kurze Beine”. „Ich verstehe die Not der Schule”, sagt Froese-Kindermann angesichts der allgemein gesunkenen Anmeldezahlen. „Ich würde in dieser Situation aber doch eher Pädagogik und Leistungen in den Vordergrund stellen, um mich Eltern zu empfehlen.”

„Unverantwortlich”

Noch deutlicher kommentiert Bürgermeister Christoph von den Driesch die Briefaktion: „Es ist gegenüber Eltern und Kindern absolut unverantwortlich, wie Frau Ahrens hier agiert.” Denn im Kernpunkt des 149 Seiten starken Entwurfs für den Schulentwicklungsplan stehe kein Satz über eine Schließung der Grundschule Kohlscheid-Mitte.

Allenfalls in besagtem Anhang „Überlegungen zur Einrichtung einer Internationalen Schule in der Stadt Herzogenrath für die gesamte Großregion” werde „hypothetisch eine Schule in Kohlscheid ersetzt”.

De facto stellt hier „biregio” bezüglich des Einflusses einer mit den Klassen 1 und 5 schrittweise zu entwickelnden Internationalen Schule im Süden der Stadt fest: „Im Bereich Grundschule würde vor allem die Schule mit der Initialzündung, die GrS Pannnesheide, tangiert, abgeschwächter die weiteren Grundschulen, während die in der Mitte der Stadt und die im Norden weit weniger tangiert wären.”

Bis jetzt aber, so unterstreicht der Bürgermeister, gebe es auch in Sachen Internationale Schule noch keinerlei Beschlussfassung, allenfalls Prüfaufträge. Diese werden, so bestehe Einigkeit mit dem Schulausschussvorsitzenden Bruno Barth (SPD) gemeinsam mit dem Entwurf für die Schulentwicklungsplanung im Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur am 9. Dezember diskutiert. Sowohl die Verwaltung als auch die Politik betonen, nichts ohne ausführliche Beratung mit den Schulvertretern beschließen zu wollen.

„Dynamik unterschätzt”

Bruno Barth verweist hier auf zwei Arbeitskreise mit Vertretern der weiterführenden Schulen sowie der Grundschulen Ende November/Anfang Dezember, bei denen, so sein Appell, Bedenken und Kritik „bitte auch geäußert werden sollen”. Mit Blick auf das Elternschreiben stellt er zudem fest: „Zum nächsten Schuljahr wird es schon gar keine Änderungen geben.”

Allerdings reflektiert der Schulausschussvorsitzende, ob eine frühzeitige Kommentierung des Entwurfs aus dem Expertenbüro nicht vielleicht sinnvoll gewesen wäre: „Auch ich habe die Dynamik unterschätzt.”

Schulleiterin Ahrens bleibt weiter skeptisch: Schon die gesunkenen Anmeldezahlen in Kohlscheid, so sagt sie auf Anfrage, hätten gezeigt, welche Auswirkungen die Gerüchte um die Internationale Schule jetzt schon hätten.

„Schwer nachvollziehbar”

CDU und Grüne hatten schon zu Kooperationszeiten zu Gesprächsterminen mit den Schulvertretern geladen, die noch gemeinsam vollzogen werden: am Dienstag hatten die weiterführenden Schulen das Wort, heute sind die Grundschulvertreter zu Gast im CDU-Fraktionszimmer. Die bisherige Reaktion ist für Grünen-Stadtverbandsvorsitzenden Dr. Bernd Fasel „nur schwer nachvollziehbar”: „Hier hat ein externer Gutachter ohne Rücksprache mit uns Gedanken fliegen lassen.”

Und CDU-Fraktionschef Reimund Billmann: „Es mag zwar ein Gutachten geben, aber die Stadtrat hat noch nicht entschieden”, sagt er wohlwissend, dass man sich mit einer Schulschließung „nur Ärger ins Haus” hole - wie man derzeit in Alsdorf sehen könne...

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