Nordkreis: Örtliche Vereine streichen die Kuchenbuffets wegen strenger Auflagen

Nordkreis : Örtliche Vereine streichen die Kuchenbuffets wegen strenger Auflagen

Musik, nette Gespräche sowie nicht zuletzt ein leckeres Kuchenbuffet — das gehört doch irgendwie zu einem gelungenen Vereinsfest dazu. So war das auch bei den Nothberger Fanfarentrompetern in Eschweiler, bis ein Mitarbeiter des Amtes für Verbraucherschutz, Tierschutz und Veterinärwesen der Städteregion bei ihnen auftauchte.

Er machte den Verein kurz vor einem Fest darauf aufmerksam, dass Allergene und Zusatzstoffe der zum Verkauf angebotenen Produkte angegeben werden müssen. Das konnte der Verein jedoch auf die Schnelle nicht leisten. Immerhin hätten rund 60 selbst gebackene Kuchen deklariert werden müssen. Der Verkauf an einem Buffet fiel also flach.

Kein offenes Buffet mehr

Die Regeln des Amtes sind nicht neu, aber längst nicht bei allen Vereinen und Instituten präsent. Beim Kleingärtnerverein Kellersberg hat man sich aber bereits auf die strengen Auflagen eingestellt. Ein offenes Kuchenbuffet gibt es zum Beispiel nicht mehr; seit einem Jahr hat der Verein eine richtige Kuchentheke, die ein Schreiner extra angefertigt hat, so dass ein Außenstehender keinen Zugang zur Theke hat.

Außerdem haben einige der Vereinsmitglieder einen Lehrgang beim Gesundheitsamt absolviert, erklärt Peter Schad, der Vorsitzende des Vereins, der auch das Sommerfest am 7. und 8. Juli organisiert. „Früher haben wir uns darüber keine Gedanken gemacht. Aber eigentlich ist es sehr wichtig, auf Hygiene zu achten“, sagt Schad. Die Inhaltsstoffe aller Speisen aufzulisten, hält er allerdings für schwierig: „Woher soll man das wissen? Das macht es sehr kompliziert.“

Auch beim Turnverein in Baesweiler hat man wegen der strengen Vorschriften das Kuchenbuffet abgeschafft. „Anfangs haben wir noch industriell gefertige Kuchen verkauft, weil wir da die Inhaltsstoffe kannten“, sagt Geschäftsführerin Elke Schamberg. Doch diese seien bei den Kunden nicht so angekommen.

Auch wenn der Verkauf immer eine gute Einnahmequelle für den Verein gewesen sei, würde man nun deshalb ganz darauf verzichten. „Die Besucher sagen ja auch zu Recht, dass sie die gekauften Kuchen nicht wollen, die könnten sie sich ja auch einfach selbst im Geschäft kaufen“, sagt Schamberg.

Grundsätzlich, so ergänzt sie, seien die Hygienevorschriften und Auflagen des Amtes für einen Verein kaum zu stemmen.

Ähnlich sieht das auch Stephan Kriescher von den Würselener Jungenspielen. „Das ist ein Riesenaufwand. Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die mithelfen. Und strenge Auflagen erschweren die ehrenamtliche Arbeit noch mehr.“

Kriescher spricht aus Erfahrung, denn auch sein Verein achtet seit ein paar Jahren darauf, dass alles richtig beschriftet ist und Maßnahmen wie ein Spuckschutz, ein separater Wasseranschluss und eine spezielle Spülvorrichtung getroffen werden. Erst im vergangenen Jahr hatte das Gesundheitsamt beim Fest der Jungenspiele Proben aus der Bierleitung entnommen.

Jeder muss sich auf eine Kontrolle gefasst machen.

Oft reagieren die Lebensmittelkontrolleure auf Hinweise Dritter. Das bedeutet, dass sie über eine nicht korrekte Handhabe der Vorschriften informiert werden und dies überprüfen. Letztlich soll das aber auch den Veranstalter schützen, wie der Pressesprecher der Städteregion, Detlef Funken, erklärt: „Wenn ein Besucher einen Allergieschock erleidet, dann ist dem Veranstalter nicht geholfen. Und die Zahl der Menschen mit Allergien nimmt zu.“

Dass die Kuchen in der Regel von vielen verschiedenen Spendern kommen, macht die Kennzeichnung nicht leichter.

Das weiß auch Bernd Hollands, Sprecher der Gemeinde Christus-unser-Friede in Herzogenrath. „Wir haben aber vor, die Vorgaben bei unserer Fronleichnamsfeier umzusetzen.“ Einige Vereinsmitglieder seien bereits über Lehrgänge ausgebildet, aber auch die anderen Ehrenamtler wolle man immer mehr für das Thema sensibilisieren.

Vereine sensibilisieren

Zu sensibilisieren, das ist auch das Ziel der Städteregion, die in einer Broschüre mit dem Titel „Feste feiern“ zusammenfasst, worauf Veranstalter alles achten müssen. Darin werden Hinweise zu Hygiene, zur Lagerung und der Zubereitung von Speisen gegeben. Außerdem wird erklärt, wie man die angebotenen Speisen richtig kennzeichnet.

Die Broschüre „Feste feiern“ kann man auf der Internetseite der Städteregion kostenlos herunterladen, Stichwort: Verbraucherschutz.