Baesweiler: Nur die Harten grillen im Wintergarten

Baesweiler: Nur die Harten grillen im Wintergarten

Das mit dem Schneesturm vor zwei Jahren war schon hart an der Grenze. Damals fegte der Wind nur so durch den Garten von Jörg Kretschmar und hätte um ein Haar den Sonnenschirm weggerissen, den ein kräftiger Freund mit Mühe und Not am Boden halten konnte. Der musste aber aufgespannt bleiben, schließlich sollte kein Schnee das kostbare Grillgut verwässern. War schon ein ziemlicher Aufwand — für ein paar frisch gebrutzelte Würstchen mitten im Januar.

„Hat sich aber gelohnt“, sagt Kretschmar, „war ziemlich lustig“. Andere Grillerfahrungen waren weniger dramatisch, und wie man am Rost der Kälte trotzt, weiß er nicht erst seit gestern. „Ich grill‘ schon länger als ich denken kann“, sagt der 51-Jährige. Und zwar im Sommer wie im Winter. „Am 31. Dezember wird bei mir abgegrillt, am 1. Januar starte ich die neue Saison!“ Ein echter Trendsetter, der Mann. Denn immer mehr entdecken den Spaß an der Glut im Schnee.

Der Garten gefroren, die Würstchen gebrutzelt: Für Grillfreund Jörg Kretschmar spielt es keine Rolle, ob Schnee fällt oder die Sonne knallt. Hauptsache, es schmeckt. Foto: Stefan Schaum

Das Wintergrillen boomt, es gibt Seminare und besondere Utensilien, um Steaks & Co. vor der Witterung zu schützen. All das braucht ein Jörg Kretschmar freilich nicht. Ihm reicht ein altes Backblech, mit dem er das Fleisch beizeiten von oben abschirmt. „Sonst verbrennt das unten alles und ist obendrauf noch roh.“ Hat er schon erlebt, ganz am Anfang.

Mittlerweile hat er den Dreh natürlich raus. „Ich mach das ja an die 100-mal pro Jahr.“ Nicht selten geht er gleich nach dem Frühstück raus: Glut entfachen. „Strom und Gas sind doch nix“, sagt er. Wenn‘s friert, müssen Kohlen knistern. „Das hat einfach was. Ist halt ‘ne Männersache.“ Seine Frau Christiane kümmert sich um die Salate, da sind die Rollen klar verteilt. „Ich lass‘ ihn am Grill machen“, sagt sie, „der braucht das“.

Neulich hat er ein kleines Gewächshaus im Garten gebaut — und ganz nebenbei ein paar Würstchen gegart. „Sieht man, oder?“, sagt er und zeigt seinen Bauch wie eine Trophäe vor. Er grinst. „Hauptsache, mir schmeckt‘s.“ Die Leidenschaft lässt er sich was kosten. Einen Grill verschleißt er pro Jahr. Der Wechsel von eiskalt zu glutheiß lässt das Metall im Nu rosten. Für die Kohlen will er aber möglichst wenig Kohle ausgeben. „Die hol‘ ich mir im Schlussverkauf“, sagt er. Wenn andere die Grillsaison für beendet erklären, macht er richtige Schnäppchen und schleppt locker mal 150 Kilo Briketts aus dem Baumarkt.

Die Nachbarn haben keine Einwände, wenn mal wieder die Rauchschwaden rüberwehen. „Die sagen nur: ‚Bei Dir riecht‘s ja immer so lecker.‘“ Und oft genug fällt für sie am Gartenzaun ein Würstchen ab. Einen Traum hat er noch: An einem Grillwettbewerb in Texas teilzunehmen. „Da sind echte Profis am Start.“ Es gibt nur ein Problem: „Da ist es mir eigentlich zu heiß!“ Dann doch lieber daheim. Im Winter. Am Rost.