Notfallsanitäterin lädt Gesundheitsminister Spahn nach Baesweiler ein

Notfallsanitäterin wirbt für ihren Beruf: Einladung an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn steht

Christin Scherf (26) ist Notfallsanitäterin mit Zusatzausbildung Praxisanleiterin. Sie übt ihren Beruf mit Leib und Seele aus. Und bedient sich der sozialen Medien, um ihren Job populär zu machen.

Der Wachwechsel vom DRK zum MHD ist gut drei Monate her. Und mit den Maltesern ist auch Christin Scherf, Notfallsanitäterin und für die Azubi-Ausbildung mitverantwortliche Praxisanleiterin, in die Unterkunft neben der Feuerwehr an der Grabenstraße eingezogen. Und hat gleich auch schon eine Einladung an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausgesprochen. Im Internet, auf Instagram: „Wir haben einen unglaublich tollen, spannenden und aufregenden Beruf. Einen Beruf den ich keinesfalls mehr eintauschen werde“, legt sie Spahn unter anderem dar.

„Aber wir sind an einem Punkt, an dem das ,System Rettungsdienst’ in sich zusammenbrechen würde, wenn jeder nur noch Dienst nach Plan machen würde.“ So gebe es zwar seit  2014 das Notfallsanitätergesetz, dennoch seien viele Fragen bis heute ungeklärt: „Rechtliche Sicherheiten? Generaldelegation ärztlicher Handlungskompetenzen für Notfallsanitäter?“ Gleichzeitig gebe es steigende Einsatzzahlen, Mehrarbeit, bei unveränderter Bezahlung. Und gleichbleibendem Personalbestand. Scherf an Spahn: „Es gibt kaum einen Rettungsdienstbereich, bei dem keine Mitarbeiter gesucht werden ... Bedarf ist da. Interesse ist da. Überall. Passiert ist bisher leider wenig.“ Klare Ansage.

Mit Menschen umgehen, ihnen – nicht nur – in Notsituationen zu helfen, dabei mit hoher Fachkompetenz eigenverantwortlich handeln zu können, das liegt der sympathischen 26-Jährigen. Ärztin wollte sie ursprünglich werden, wie sie berichtet. Als Jugendliche bereits engagierte sich die gebürtige Brandenburgerin im Katastropenschutz, kam so zum Rettungsdienst und hatte damit ihr berufliches Betätigungsfeld gefunden. Mit 18 war sie Rettungssanitäterin, wurde Rettungsassistentin und legte schließlich die staatliche Prüfung zum neuen Berufsbild des Notfallsanitäters ab. „Das ist die höchste nichtärztliche Qualifikation in der Notfallmedizin“, erklärt sie.

Notfallsanitäterin Christin Scherf erfolgreich auf Instagram

Große Verantwortung

Ein Beruf also, der mit großer Verantwortung ebenso verbunden ist wie mit der Fähigkeit, auch in Stresssituationen besonnen zu reagieren, um Notlagen differentialdiagnostisch im Sinne der Patienten zu beurteilen. Stets gekoppelt an rechtliche Aspekte. Und nicht zu vergessen: die nötige Sozialkompetenz, der es bedarf im Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen in Ausnahmesituationen. „Aber dazu werden wir ja auch ausgebildet“, erklärt Scherf. Trotzdem gilt es, Vorurteile abzubauen, Verständnis zu schaffen für die, die sich für andere in mitunter gefährlichen Situationen einsetzen, – und auch zu werben für „einen wunderbaren Beruf“.

Christin Scherf ist in dieser Hinsicht sehr erfolgreich in sozialen Netzwerken unterwegs. Die Zahl der Abonnenten ihres Instagram-Auftritts „scherfchen“ etwa wächst stetig, zurzeit hat sie über 15.000 Follower. Anfangs selbst erstaunt über das prompte positive Feedback, hat sie bei ihren Rezipienten einen offensichtlichen Bedarf am Austausch über diesen gleichermaßen aufreibenden wie aufregenden Beruf erkannt. Wichtig ist ihr dabei, deutlich zu machen, dass in der Bloggerin Christin Scherf (scherfchen.de) nicht nur die pragmatische Notfallsanitäterin steckt, sondern auch eine junge attraktive und modebewusste Frau mit Freund, Hund, Idealen, Träumen und vielseitigen Interessen. „Spaßig, nachdenklich, traurig, schön... Alles dabei, alles echt und aus meinem Leben gegriffen“, heißt der Untertitel ihres Blogs.

Ein Screenshot vom Instagram-Account zeigt Christin im beruflichen und privaten Umfeld. Foto: Beatrix Oprée

95 Prozent ihrer Bilder im Netz sind perfekt inszenierte Selfies, wie Christin schmunzelnd bestätigt. Keine Frage: Gute Fotos sind das A und O, um Aufmerksamkeit zu erregen. In diesem Fall für einen Beruf, der nicht nur in der Wahrnehmung der Bevölkerung, sondern auch der Politik höhere Wertschätzung verdient hat. So hat die Einladung an Jens Spahn die entsprechende Resonanz im Netz gefunden. Vielleicht auch beim Adressaten selbst? „Es wäre cool, wenn er kommt“, sagt Scherf. „Und schade, wenn nicht. Aber ich bin nicht in der Situation zu drängen.“ Die Aufmerksamkeit auch auf die Rettungsdienste zu lenken, nachdem die Pflege sie unlängst endlich und zu Recht bekommen habe, das reiche eigentlich schon aus. „Denn die Rettung ist genauso wichtig!“

www.scherfchen.de/

www.instagram.com/scherfchen

www.facebook.com/christin.scherf.7

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