Nordkreis: Nordkreis muss mehr Platz für das G9-Comeback schaffen

Nordkreis : Nordkreis muss mehr Platz für das G9-Comeback schaffen

Es sollen wieder neun Schuljahre sein auf dem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen: Die Umstellung zurück auf G9 soll mit dem Schuljahr 2019/2020 beginnen und umfasst die Jahrgänge 5 und 6, somit auch die Kinder, die zum Schuljahr 2018/2019 in die fünfte Klasse kommen. So zumindest der Zeitplan im Referentenentwurf, der aber noch nicht beschlossen ist.

Das Comeback von G9 wird nicht nur zur organisatorischen Herausforderung für die Schulen selbst. Es werden auch millionenschwere kommunale Kosten anfallen. Darauf haben der Städte- und Gemeindebund NRW, der Städtetag NRW und Landkreistag NRW jetzt auf Basis eines vom Land beauftragten Gutachtens hingewiesen. Der Wechsel von acht auf neun Schuljahre werde mehr Unterrichts- und Fachräume, mehr Lehr- und Lernmedien sowie zusätzliches Personal erfordern.

Anbauten notwendig

Auch in den Nordkreisstädten hat man die Umstellung natürlich schon im Blick. Im Gymnasium Alsdorf, das im Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) auf dem Anna-Gelände untergebracht ist — welches gebaut wurde, als G8 noch aktuell war — werden sechs bis sieben neue Klassenräume benötigt, erklärt Manfred Schmidt, Leiter des städtischen Referats für Jugend, Schulen und Sport.

Und Hubert Philippengracht, Erster Beigeordneter und Schuldezernent in Herzogenrath, erklärt: „Wir haben für das städtische Gymnasium fünf zusätzliche Klassen angemeldet.“

In Herzogenrath muss angebaut werden, um die fehlenden Räume zu schaffen. Zum Schuljahr 2026/2027 muss alles fertig sein, dann kommt der sechste Jahrgang des Jahres 2019/2020 in die 13. Klasse.

Also noch acht Jahre — eine lange Zeit, weshalb auch Schulleiter Christoph Barbier am Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen-Broich noch nicht genau sagen kann, wie viele Räume und in welcher Form benötigt werden. „Das ist noch Zukunftsmusik. Es wird sich zeigen, ob wir anbauen, ergänzen oder vielleicht Pavillons aufstellen müssen.“

Auch das städtische Gymnasium in Würselen hat noch keine konkreten Pläne geäußert. Herbert Zierden, Fachdienstleiter für Schule, Jugend und Soziales im Rathaus, kündigt aber an, dass bei der planmäßigen Sanierung des städtischen Gymnasiums der Raumbedarf berücksichtigt werden soll.

Außerdem entstünden Raumkapazitäten durch den Umzug der nicht weit entfernten Gesamtschule in den Neubau an der Krottstraße.

Nur in Baesweiler werden sehr wahrscheinlich keine weiteren Räume und damit keine Baumaßnahmen nötig sein. Wilhelm Merschen, Direktor des städtischen Gymnasiums, denkt vielmehr an ein Konzept zur Nutzungsoptimierung der bestehenden Räume. Im Zuge der Umstellung auf G8 seien seinerzeit Freiräume entstanden, die zurzeit zum Beispiel als Schulbücherei oder Versammlungsraum genutzt werden. „Diesen Komfort müssten wir dann vielleicht wieder zurückstellen“, sagt Merschen.

Andererseits kann sich der Schulleiter auch kaum vorstellen, dass sein Gymnasium dauerhaft fünfzügig bleibt: „Vier Klassen pro Jahrgangsstufe und G9 sollten kein Problem sein.“ Auch jetzt gebe es immer noch einen freien Klassenraum.

Kaum ein Gymnasium im Land aber hat so viele räumliche Möglichkeiten wie etwa Baesweiler. In vielen Schulen sind laut Städte- und Gemeindebund die seinerzeit durch G8 entstandenen Kapazitäten angesichts von Ganztagsausbau, Differenzierungsunterricht, Inklusion und internationaler Vorbereitungsklassen im Laufe der Jahre längst aufgebraucht.

So sind auch im Nordkreis die Raumkapazitäten ausgeschöpft. Denn die Gymnasien verzeichnen wachsende Anmeldezahlen, die durch die Rückkehr zu G9 noch beflügelt werden dürften: So gab es auch in diesem Jahr mehr Anfragen als Plätze. In Alsdorf konnten von 115 Schulbewerbern 90 bestätigt werden. Im Gymnasium Herzogenrath wurde eine Mehrklasse eingerichtet, so dass dort alle 157 Bewerber angenommen werden können. Auch in Baesweiler haben alle 130 Bewerber eine Zusage erhalten.

79 oder 518 Millionen Euro?

Das Land NRW hat im jetzt vorliegenden Gutachten zwei Berechnungsmethoden vorgelegt, um die Kosten, die durch den Raumbedarf für G9 entstehen, abzuschätzen. Zum einen wurde eine pauschale Berechnung des Bedarfs für ganz NRW mit 79 Millionen Euro vorgeschlagen, zum anderen eine regional differenzierte Berechnung, die sogenannte Schulträgervariante, die stattliche 518 Millionen Euro umfasst.

Allein dieser enorme „Preisunterschied“ zeigt, wie sehr die Vorstellungen in Sachen G9-Umstellung bei Land und Kommunen auseinandergehen. „Die Kommunen erwarten, dass das Land die Mehrkosten für den Umstieg auf G9 vollständig erstattet“, so der dringende Hinweis des Städte- und Gemeindebunds.

Davon gehen auch die Verantwortlichen im Nordkreis aus. Hubert Philippengracht verweist auf das Konnexitätsprinzip und stellt klar fest: „Das Land hat zugesagt, Kosten zu übernehmen.“ Noch lässt sich nicht abschätzen, welche Kosten am Ende tatsächlich auf die Kommunen zukommen, bislang sind die Handelnden daher noch gelassen: „Ja, es wird eine gewisse Herausforderung, aber keine Mammutaufgabe“, sagt Manfred Schmidt.