Nordkreis: Nordkreis-Gymnasien wollen das Abitur nach neun Jahren

Nordkreis : Nordkreis-Gymnasien wollen das Abitur nach neun Jahren

Die Leitentscheidung der CDU/FDP-Landesregierung in Düsseldorf nach der Wahl im vergangenen Jahr, wonach die Gymnasien in NRW ab dem Schuljahr 2019/2020 für Fünft- und Sechstklässler zum Abitur nach neun Jahren zurückkehren, hat Auswirkungen auf die Schulwahl für die jetzigen Viertklässler.

Deren Anmeldung zu weiterführenden Schulen steht im Februar an. Dann ist es ein nicht unwichtiges Auswahlkriterium, ob das Abitur an der gewünschten Schule nach acht Jahren (G 8) zu erreichen ist oder eben wieder nach neun.

Die Gymnasien im Nordkreis sind sich einig: Eine Rückkehr zu G 9 ist nicht nur vorgesehen, sondern ausdrücklich von allen Seiten gewünscht. Auch wenn sich die Gymnasien damit erneut großen Herausforderungen stellen müssen.

Antrag auf Beibehaltung von G8

Ein Beibehalten von G 8 ist ohnehin nur dann möglich, wenn im Schuljahr 2018/19, das nach den Sommerferien beginnt, der neu gebildeten Schulkonferenz — der gehören Vertreter von Schülern, Lehrern und Eltern an — ein entsprechender Antrag gestellt und mit einer Zweidrittelmehrheit plus einer Stimme verabschiedet wird.

Und: Es besteht nur in diesem Jahr die Möglichkeit, einen Antrag auf Beibehaltung von G 8 zu stellen. Alle Schüler, die aktuell die Gymnasien im Land besuchen, werden dagegen bis zum Abitur unter den Vorgaben von G8 weitergeführt. Schüler, die in diesem Jahr eingeschult werden, werden zwar vorerst nach G 8-Bedingungen unterrichtet, machen aber trotzdem nach neun und nicht nach acht Jahren ihr Abitur.

Für das Städtische Gymnasium Herzogenrath zeichnet sich ein deutlicher Trend ab, G 9 einzuführen — allerdings im Ganztag mit allen Möglichkeiten der individuellen Förderung und Beratung. „Ich sehe als einzige Problematik bei der Gestaltung von neun Gymnasialjahren die Notwendigkeit, die Lehrpläne wieder anzupassen. Das darf nicht überhastet geschehen. Der jetzige Zeitplan ist sehr ambitioniert und birgt daher Gefahren. Ansonsten sehe ich bei G 9 aber nur Vorteile“, sagt Brigitte Jansen, Schulleiterin des Gymnasiums. Sie könne das Gefühl der Eltern und Schüler, um ein Schuljahr zu kurz zu kommen, nachvollziehen.

Wilfried Bock, Leiter des Alsdorfer Gymnasiums, sieht das ähnlich. „Wir wollen G9. Dagegen gibt es auch keinen erkennbaren Widerstand“, sagt er.

Wilhelm Merschen, der Schulleiter des Gymnasiums in Baesweiler, hat bereits beim Tag der Offenen Tür seiner Schule im November angekündigt, dass er zurück zu G 9 will. Er kritisiert an G 8, dass die Landesregierung die Umsetzung während des laufenden Betriebs umgesetzt hat. Das sei in den ersten Monaten viel Arbeit gewesen. „Wir sind keine Ganztagsschule. Die Vereinsarbeit hat während G 8 deutlich gelitten“, sagt Merschen.

Wenn G 9 von der Landesregierung tatsächlich wieder auf den Weg gebracht werde, sieht Merschen für seine Schule nur Vorteile. „Besonders leistungsstarke Schüler können selbstverständlich selbst entscheiden, ob sie Abitur nach acht oder neun Jahren machen möchten“, sagt der Schulleiter. Schüler dazu sozusagen zu zwingen, hätte er von Anfang an nicht begrüßt. Nun hätten die Schüler selbst die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Eltern zu entscheiden, welcher Weg für sie der bessere ist.

Nichtsdestotrotz, auch da herrscht weitestgehend Einigkeit, hat G 8 vielen Schulen die Möglichkeit gegeben, sich positiv weiterzuentwickeln.

Sich für das Abitur Zeit nehmen

Würselen, im Nordkreis die einzige Kommune mit zwei Gymnasien, freut sich über die Rückkehr zu G 9 ebenso wie die Kollegen aus den Nachbarkommunen.

„Wir begrüßen die Umwandlung von G 8 wieder hin zu G 9 sehr“, hatte Christoph Barbier, Schulleiter des Heilig-Geist-Gymnasiums erst beim Neujahrsempfang gesagt. Eine eine klare Orientierung, eine praktikable Umsetzbarkeit, eine fundierte Wissensvermittlung, eine seriöse Persönlichkeitsbildung und Werteerziehung sowie letztendlich ausreichend Zeit dafür spielen eine große Rolle. Ganz nach dem Motto: nicht Schule oder Fußball, sondern Schule und Fußball. Auch in Sachen Platzfrage ist die Antwort eindeutig. Die meisten Schulen seien unter G 9-Bedingungen gebaut und dementsprechend geplant worden. Räume ständen also nach wie vor genügend zur Verfügung.

„An unserer Schule hat sich bei der Abfrage sowohl die Mehrheit der Lehrer als auch die Mehrheit der Elternvertreter für die Rückkehr zu G 9 ausgesprochen“, sagt Lydia Becker-Jax, Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums in Würselen. Ein sehr deutliches Votum für die Rückkehr zu G 9 habe auch ein Meinungsbild unter den Eltern der Viertklässler bei einem Infoabend im Dezember ergeben.

Die Leittragenden des Wechsels von G 8 zurück zu G 9 könnten die Gesamtschulen sein. Wie Andrea Bremer-Schmiemann, stellvertretende Schulleiterin der Gesamtschule Kohlscheid, auf Nachfrage unserer Zeitung sagt, haben sich in den vergangenen Jahren viele ihrer Abiturienten für die Gesamtschule anstelle des Gymnasiums entschieden, weil sie das Abitur nach neun Jahren bevorzugten. „Bei den Anmeldungen wurde oft der Wunsch geäußert, dass Abitur lieber in Ruhe zu machen, statt den Stoff in acht Jahren zulernen“, sagt Bremer-Schmiemann. Schließlich hätten die Schüler auch Hobbys. Sie wollten nicht, dass sich ihr Leben nur um die Schule drehe.

Inwieweit der Wechsel von G 8 zu G 9 tatsächlich Auswirkungen auf die Anmeldezahlen haben könnte, kann Bremer-Schmiemann nicht einschätzen.

Für die Gesamtschule Alsdorf hat die Rückkehr zu G 9 keine Konsequenzen, ist sich Schulleiter Martin May sicher. Das Interesse an der Gesamtschule sei nach wie vor groß. Ein Drittel der Schüler hätten nach der zehnten Klasse den Hauptschulabschluss, ein Drittel die Fachoberschulreife und ein Drittel die Fachoberschulreife mit Qualifikation zur gymnasialen Oberstufe. Damit wäre jeder Bereich gut abgedeckt.

Offiziell hat die Landesregierung zwar noch nichts entschieden, aber es zeichnet sich eine deutliche Tendenz zurück zu G 9 ab. Die Gymnasien im Nordkreis blicken mit Optimismus nach Düsseldorf, wo bald eine Entscheidung getroffen werden soll.

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