Nordkreis: Bauhöfe verzichten auf Glyphosateinsatz

In den Nordkreiskommunen : Städtische Bauhöfe verzichten auf Glyphosat

Glyphosat, weltweit am häufigsten eingesetzter Unkrautvernichter, ist bekanntlich vom Wundermittel zur potenziellen Gesundheitsgefahr mutiert. Ergebnisse von Studien reichen von „nicht krebserregend“ über „nicht akut gesundheitsgefährdend“ bis „wahrscheinlich krebserregend“.

In der konventionellen Landwirtschaft gilt Glyphosat als unverzichtbar. Der Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands (RLV), Bernhard Conzen, hat ein Verbot des umstrittenen Herbizids im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger im März noch rundum abgelehnt. Durch einen Verzicht sieht er „die Nachhaltigkeit auf den Äckern und bei der Arbeit“ gestört. Eine intensive Pflügung, die bei einem Verbot notwendig würde, koste nicht nur „deutlich mehr Zeit und damit Geld“, sondern sei auch schlecht für die Umwelt: Beim Pflugeinsatz, so hat er vorgerechnet, würden pro Hektar 20 Liter Diesel verbraucht. Derartige mechanische Arbeit würde zum Mehrausstoß von über 100.000 Tonnen CO2 jährlich führen.

Städte und Gemeinden indes verzichten bei der Pflege ihrer Grünflächen teils schon seit Jahren auf glyphosathaltige Mittel – und haben dies verstärkt bei der Verpachtung  im Blick. Das bestätigt auch eine Umfrage unserer Zeitung in den Nordkreisstädten. So setze der Eigenbetrieb Technische Dienste in Alsdorf schon seit Jahren kein Glyphosat mehr ein, sagt die Technische Beigeordnete Susanne Lo Cicero-Marenberg.

Auch in Herzogenrath gebe es „seit Längerem für den Technischen Betriebshof die Order, auf den städtischen Flächen generell kein Glyphosat einzusetzen“, teilt Ragnar Migenda, Technischer Beigeordneter in Herzogenrath, mit. „Es wird statt dessen gehackt und gejätet.“ Und in neu abzuschließenden Pachtverträgen werde das Verbot Vertragsbestandteil. Migenda: „Mit Blick auf die laufenden Verträge habe ich die Landwirte zu einem Treffen eingeladen, mit dem Ziel, die Verträge möglichst umzustellen. Diese Umstellung muss einvernehmlich erfolgen.“

Auf Straßen und Plätzen verzichtet auch Baesweiler auf das umstrittene Herbizid, wie Bürgermeister Dr. Willi Linkens berichtet: Hier setze man auf „thermische Wildkrautbeseitigung“. Dabei handelt es sich um ein Gasbrenngebläse, das „unliebsame Pflanzen“ mittels Heißluft abtötet. Bei wetterabhängiger Nachhaltigkeit: Bei Regen sprießt es schneller wieder als bei anhaltender Trockenheit. Ein Einsatz glyphosathaltiger Stoffe erfolge nicht, aber im Einzelfall werde ein biologisch abbaubares Mittel gemäß Ausnahmegenehmigung durch den Direktor der Landwirtschaftskammer NRW eingesetzt – auf Friedhofswegen und Asche-Sportplätzen.

Das Mittel baue sich rasch im Boden ab, sei für Nützlinge nicht schädigend und „nicht bienengefährlich“. Es werde gezielt auf das Unkraut aufgebracht, so die Erläuterungen seitens des Bauhofs. Was Verpachtungen angeht, so stellt Linkens fest, dass die Stadt Baesweiler nur sehr wenige Ackerflächen im Eigentum habe, die sie verpachtet: „Gleichwohl werden ab Herbst die Verträge entsprechend geändert mit dem vertraglichen Verbot, Glyphosat einzusetzen.“

Auch für den städtischen Bauhof in Würselen ist Glyphosat-Nutzung untersagt, sagt der Erste und Technische Beigeordnete Till von Hoegen. Laut Pflanzenschutzgesetz dürften zwar auf gärtnerisch genutzten Flächen Herbizide eingesetzt werden. Für den Einsatz auf öffentlichen Flächen – etwa Spiel- und Sportplätze, Friedhöfe – müssten jedoch Ausnahmegenehmigungen bei der Landwirtschaftskammer eingeholt werden. In Würselen gebe es die lediglich für die Wege auf den Friedhöfen St. Sebastian, Weiden alt, Bardenberg, Euchen, Linden-Neusen, evangelischer Friedhof Buschstraße und Morsbach. Ausdrücklich verboten, so von Hoegen, sei dabei seit 2014 der Einsatz glyphosathaltiger Mitteln. Zur Anwendung komme Finalsan, ein Wirkstoff, der hauptsächlich aus Pelargonsäure besteht. „Bis Ende 2017 gab es diese Ausnahmegenehmigung auch für die Umlaufbahnen von Sportplätzen. Diese wird nicht mehr neu beantragt.“

Was Verpachtungen angeht, so stellt von Hoegen fest, dass in neueren Verträgen folgende Klausel gelte: „Der Pächter hat das Grundstück nach den anerkannten Regeln der Landwirtschaft ordnungsgemäß zu bewirtschaften und in gutem Zustand zu erhalten. Dabei hat er dem Umweltschutz in angemessener Weise Rechnung zu tragen, insbesondere auf Bodengesundheit, Gewässer- und Artenschutz zu achten. Dünger und chemische Pflanzenbehandlungsmittel dürfen nur im zulässigen und umweltverträglichen Umfang verwendet werden.“ Demnach gebe es bei landwirtschaftlichen Pachtverträgen der Stadt Würselen derzeit „kein direktes Verbot von Glyphosat“. Aber: „In zukünftigen städtischen Pachtverträgen wird Glyphosat explizit verboten.“

Kontrolle? „Schwierige Frage“

Wie aber könnte das kommunale Verbot eines Mittels überhaupt kontrolliert werden, dessen Verwendung auf EU-Ebene erlaubt ist? Dazu Linkens: „Eine schwierige Frage – das müssen wir mit Fachleuten klären. Andererseits haben wir grundsätzlich Vertrauen zu unseren Baesweiler Landwirten, die ja auch wissen, dass bei einem Zuwiderhandeln keine erneute Verpachtung an sie erfolgen wird.“

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