Baesweiler: Nie mehr dicke Luft im Klassenzimmer

Baesweiler: Nie mehr dicke Luft im Klassenzimmer

Müdigkeit, Kopfschmerzen, nachlassende Konzentration: Wenn mehr als 20 Schüler in einem Klassenraum pauken, wird die Luft irgendwann dick. Selbst regelmäßiges Stoßlüften oder ständiges Kipplüften schaffen nur kurzzeitig Abhilfe. Und teuer ist das zudem.

Da nutzt die beste Wärmedämmung nichts, wenn die Fenster ständig auf Kipp stehen. Eine bessere Methode Heizenergie zu vernichten, gibt es kaum.

Solch schlechtes Unterrichtsklima ist am Gymnasium Baesweiler, das derzeit aufwändig saniert wird, ab sofort passé. Oder besser gesagt: Dort gibt es immer ein gutes Klima, sprich frische Luft. In der gesamten Schule findet dank neuer Technik ein permanenter Luftaustausch statt.

Frische Luft von draußen wird eingesaugt, schlechte Luft aus den Räumen abgesaugt. Bei einem Wert von über 1000 ppm (in dieser Einheit wird die Kohlenstoffdioxid-Belastung gemessen) spricht man von schlechter Luft.

„Das Grundprinzip der kontrollierten Be- und Entlüftung ist sehr einfach”, sagt Markus Kandziora, Architekturbüro Rongen. Das Herzstück der Anlage steht im Keller, orangefarbene Apparate, in denen sich modernste Technik versteckt.

Über ein Rohrsystem, das jeden Raum des Gymnasiums durchläuft, wird die Schule versorgt. Mit niedriger Geschwindigkeit von zwei Meter pro Stunde wird verbrauchte Luft abgesaugt. Das entspricht der Menge, die ein Mensch ausatmet.

Vor der Sanierung lagen die gemessenen Werte bei durchschnittlich 2000 ppm. „Jetzt haben wir im Durchschnitt 800”, sagt Ralf Peters, Leiter des Hochbauamtes. Eine deutliche Verbesserung also. Das Luftaustauschsystem wirkt sich aber nicht nur auf das Klima aus, sondern auch auf die Zimmertemperatur.

Diese wird konstant bei zirka 20 Grad gehalten. Durch das neue System und richtige Dämmung wird zudem jene Wärme genutzt, die die Schüler und Lehrer in den Klassen abgeben, Stichwort Wärmerückgewinnung. Das spart im Winter Heizkosten, im Sommer die Klimaanlage.

Die silbernen Rohre des Luftsystems durchziehen die Trakte der Schule auf mehreren Kilometern Länge. Sie liegen offen. „Dafür haben wir uns bewusst entschieden. Diese Schule hat Modellcharakter. Und den kann man auch in den Unterricht miteinbeziehen”, sagt Peters.

Im Verlauf des Jahres soll auf der Rasenfläche zwischen Turnhalle und Verwaltung mit Erdbohrungen begonnen werden, um zusätzlich mit Erdwärme zu heizen. Das spart nochmal Energiekosten ein. „Mit diesen Maßnahmen ist das Gymnasium Baesweiler rund um fit für die Zukunft”, darin sind sich Bürgermeister Dr. Willi Linkens und Schulleiter Wilhelm Merschen einig.

Energetische Sanierung ist eine lohnende Investition

Insgesamt wird das Gymnasium Baesweiler für zehn Millionen Euro saniert, darin enthalten sind fünf Millionen Euro Fördermittel. Sind die Arbeiten abgeschlossen, erreicht die Einrichtung den Standard eines Passivhauses - ein bundesweit einzigartiges, vielbeachtetes und preisgekröntes Projekt.

Der Energiebedarf der Schule wird sich um 90 Prozent verringern, erklären Ralf Peters und Markus Kandziora. Bisher schlagen Energiekosten von rund 180 000 bis 200 Euro jährlich zu Buche.

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