Würselen: Neues „Schlaglicht“ beleuchtet Historie von Gut Kaisersruh

Würselen: Neues „Schlaglicht“ beleuchtet Historie von Gut Kaisersruh

Das Würselener Heimatmagazin „Schlaglichter“ findet immer mehr Zuspruch. So waren diesmal weit über 100 Besucher zur Vorstellung des neuen Heftes in das Kulturzentrum Altes Rathaus gekommen.

Heinz-Josef Küppers, der Leiter des Kulturarchivs, freute sich mit dem Herausgeber Achim Großmann von der Geschichtswerkstatt Würselen über das riesige Interesse an dem neuen Heft, das die über 200-jährige Baugeschichte von Kaisersruh erzählt.

„Schlaglichter“ präsentiert: Das Heft über Gut Kaisersruh stellen (v.l.) Achim Großmann, Norbert Lynen, Franko Neumetzler und Heinz-Josef Küppers vor. Foto: Wolfgang Sevenich

Küppers erinnerte sich an ein Weihnachtsfest kurz nach dem Krieg, als englische Soldaten in Kaisersruh für einige Zeit Quartier genommen hatten und Scherberger Kinder in das Haus einluden. Er selbst und die anderen Kinder hätten staunend in den großen und hohen Räumen gestanden.

Unter den vielen Gästen bei der Vorstellung des neuen Heftes waren Bürgermeister Arno Nelles, Vertreter des Rates und der Heimat- und Geschichtsvereine Euchen, Bardenberg, Baesweiler und Kohlscheid.

Norbert Lynen, der Autor des 28-seitigen Heftes, gab einen Überblick über seine Arbeit zum Heft. Er dankte Wilhelm Zintzen von Gut Kaisersruh, der ihm wertvolle Hinweise gab und seltene Fotos zur Verfügung stellte. Die Zuhörer waren überrascht, dass das jetzt wieder aufgebaute Haus zunächst ein ganz anderes Erscheinungsbild hatte.

Ludwig von Fisenne hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts an den dort vorhandenen Bauernhof einen repräsentativen Herrensitz angebaut und einen wunderbaren englischen Garten anlegen lassen. Der russische Kaiser und die preußische Prinzessin Luise waren nur zwei der illustren Gäste, die Fisenne in seinem Haus empfangen durfte. Der Besuch von Zar Alexander I. vor genau 200 Jahren war dann der Anlass, dem Haus den Namen „Kaisersruh“ zu geben.

Erst 1904/1905 gab es einen kompletten Umbau durch den neuen Besitzer Georg Nellessen, der Bauernhof und Haus trennte und dem Gebäude die Form gab, die den meisten bekannt ist und die heute wieder zu sehen ist. All diese Bauten und Veränderungen sind im Heft mit Fotos und interessanten Karten dargestellt, so dass man die Entwicklung der Bebauung sehr gut nachvollziehen kann.

Spannend blieb es, als der jetzige Eigentümer und Investor Franko Neumetzler über die Zeit von 1971 bis heute sprach. Zunächst hatte es 1971 nochmals eine Restaurierung von „Schloss“ Nellessen gegeben. Die geplante Eröffnung eines Restaurants wurde in letzter Minute untersagt. Während das Gebäude langsam verfiel, gab es einige Nutzungsideen, die aber nie umgesetzt wurden, so ein Büropark, ein Innovationszentrum und eine Art Schönheitsfarm.

Einzug in die Büros

Er sei, so Neumetzler, jahrelang an dem immer mehr verfallenden Haus vorbeigefahren und habe dann den Entschluss gefasst, dort zu investieren. Schließlich habe er die Ruine gekauft, die kurz davor war, ihren Denkmalwert völlig zu verlieren. Außerdem musste er eine Reihe von Skeptikern überzeugen, dass der Wiederaufbau mit einem guten Konzept diesmal wirklich gelingen würde. Franko Neumetzler entschied sich dafür, den Charakter des Hauses nicht zu ändern und nur im Bereich der Remise durch einen Anbau und eine moderne Verbindung mit dem Hauptgebäude zu ergänzen.

Das Hauptgebäude und die Remise aber wollte er in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz originalgetreu wiederaufzubauen. Sein Mut und die für alle sichtbare Umsetzung des Wiederaufbaus fanden großen und langen Applaus.

Das Gebäude ist außen fast fertig und die ersten Mieter sind eingezogen. Neumetzlers eigenes Unternehmen und ein Start Up sind bereits dort, ein weiteres Unternehmen wird folgen. Achim Großmann dankte Neumetzlet für seinen Mut und seinen Weitblick und dafür, dass er die Kaisersruh-Ausgabe von „Schlaglichter“ finanziert habe.

Er warf dann noch einen Blick auf die weiteren Hefte und Themen. Zunächst wird die Geschichtswerkstatt Würselen zukünftig die Herausgabe der „Schlaglichter“ übernehmen. Das Heft Nr. 7 ist bereits in Arbeit. Geplant sind ein Artikel über die Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur Anfang des 19. Jahrhunderts, ein Erinnern an das Kriegsende 1918 sowie biografische Arbeiten über Würselener Bürger. Besonders spannend ist das Thema einer Projektgruppe der Geschichtswerkstatt Würselen, die zusammen mit Silke Tamm-Kanj von der Gleichstellungsstelle der Stadt Würselen an einer Dokumentation über das Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht arbeitet.

Über 30 Frauen aus Bardenberg, Broich, Weiden und Würselen haben zwischen 1919 und der Diktatur der Nationalsozialisten beginnend 1933 in den Räten und Ausschüssen Verantwortung übernommen. Ihnen wird eine Dokumentation gewidmet und eine Ausstellung am Ende des Jahres.

(fs)