Würselen: Neue Fassung: Buch über „Würselen unterm Hakenkreuz“

Würselen: Neue Fassung: Buch über „Würselen unterm Hakenkreuz“

Der 2006 gegründete Arbeitskreis „Kein Vergessen“ brachte unter der Federführung ihres Sprechers Jürgen Hohlfeld zwei Jahre später die Informationsschrift „Würselen unterm Hakenkreuz“ heraus. In ihr wurde die NS-Geschichte vor Ort aufgearbeitet.

Zu Papier gebracht wurde nach gründlichen Recherchen das Leben der jüdischen Bürger, die Aktivitäten der Nationalsozialisten, denen mit dem Bau der Siedlung im Morsbacher Feld — auch Robert Ley-Siedlung genannt — schon früh sichtbar Ausdruck verliehen wurde, der Widerstand der Kirchen und der demokratischen Parteien sowie die Verfolgung der jüdischen Bürger bis zum grausamen Tod in den Konzentrationslagern. 1300 Exemplare wurden gedruckt: 500 wurden in die Schulen für den Unterricht in der zehnten Klasse gegeben, verkauft wurden an interessierte Bürgerinnen und Bürger die übrigen 600 Stück.

Da das Interesse an der Dokumentation groß war, stellte sich im Arbeitskreis die Frage nach einer überarbeiteten und erweiterten Neuauflage. Sprecher Hohlfeld: „Wir hatten viele neue Informationen bekommen.“ Zwei hob er bei der Vorstellung der Neuauflage in der Buchhandlung Pfennings hervor: In Erfahrung brachte er, wer Wilhelm Engels war, dessen Name am Mahnmal Ecke Bahnhofstraße/Nordstraße verewigt ist. Mehr erfuhr er über ihn in einem Gespräch mit Rudolf Mohren aus Linden-Neusen, der bei dessen Bruder Nachhilfeunterricht erhalten hatte.

Im Oktober 2009 steuerte die heute über 90-jährige Josefine Sous ihre „Geschichte“ bei. Sie war Sekretärin von Konsum-Geschäftsführer Wilhelm Bock, einem streitbaren Geist seiner Tage, der den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war. „Ihm musste Frau Sous am Heiligabend des Jahre 1936 die Entlassungsurkunde überreichen“, wusste Hohlfeld zu berichten. Für wen er seinen Chefsessel räumen musste, war unschwer zu erraten: Ortsgruppenleiter Paul Schöner. Das sind nur zwei von weiteren Informationen, die in den vorhandenen Text einflossen.

500 Exemplare gedruckt

Um zwei Themen wurde die Schrift erweitert: Da ist zunächst die Zwangsarbeit in Würselen mit ihren Lagern auf Pley und im Hühnernest. „Ohne die der Bergbau nicht hätte existieren können“, betont Hohlfeld. Untersucht wird auch, wie sich die deutsche Bevölkerung am Eigentum der jüdischen Bürger bereichert hat. „Was nur schwer nachzuweisen ist“, räumte er ein.

Als Beispiel führte Hohlfeld den Verkauf der ehemaligen Synagoge auf dem Lindenplatz an, die für einen „Spottpreis“ 1938 den Besitzer gewechselt hatte. Nach einer Klage habe das Gericht 1953 festgestellt, „dass der gezahlte Preis nicht angemessen war.“ In dem Vergleich verfügte das Gericht, dass der Eigentümer 700 DM an die Jüdische Synagogengemeinde in Aachen zu zahlen hatte.

Die 98 Seiten umfassende Neuauflage ist in Buchform erschienen, „provokativ“ gestaltet von dem Grafik-Designer Lukas Rudig. Bewusst hat er als Schrifttype „Future“ gewählt. Rudig zur Begründung: „Obwohl sie von den Nationalsozialisten verboten worden war, ist sie die typographische Überlebende des Dritten Reiches.“ Ebenso bewusst hat er alle Bilder in Schwarz gefasst. Damit möchte er nicht minder ein Zeichen „Gegen das Vergessen“ setzen. 500 Exemplare sind gedruckt worden. Erhältlich ist das aufschlussreiche 98 Seiten umfassende Buch in den Buchhandlungen Pfennigs, Kaiserstraße 25 — 27, und Schillings, Kaiserstraße 78, zum Preis von sechs Euro.

(ehg)