Würselen: Nach Bürgerprotest soll die gelbe Tonne kommen

Würselen : Nach Bürgerprotest soll die gelbe Tonne kommen

In Würselen soll die gelbe Tonne eingeführt werden. Beabsichtigt ist, wahlweise weiterhin die Entsorgung von wiederverwertbarem Plastik in Säcken zu ermöglichen. Das haben SPD- und FDP-Fraktion, die vor ein paar Monaten im Stadtrat eine Kooperation eingegangen sind, mit Schreiben vom 9. April beantragt. Das ist kein Zufall.

Drei Tage zuvor hatte unsere Zeitung ausgiebig über Bürgerärger über geplatzte Plastiksäcke und im Stadtgebiet umher fliegenden Müll berichtet („Der Vorwurf: Plastikmüll fliegt umher“, Ausgabe vom 6. April).

Die Grünen im Würselener Stadtrat legten nach. Anfang Mai beantragten sie ebenfalls die Einführung der gelben Tonne. Zudem soll der Regioentsorgung die Vollmacht der Kommune überantwortet werden, um interkommunal gestärkter gegenüber dem Systembetreiber auftreten und in diesem Sinne verhandeln zu können.

Es ist nicht der erste Versuch, den Würselenern diese Wahlmöglichkeit einzuräumen. Nicht an oder in jedem Haus ist Platz für die gelbe Tonne. Da macht es Sinn, den gelben Sack als Option zu behalten.

Allerdings scheiterte der letzte Versuch, im Interesse der Würselener die „Entsorgung von Leichtverpackungen“ variabler zu gestalten. Zuletzt verzichtete der Technik- und Bauausschuss im März vergangenen Jahres auf die Einführung der gelben Tonne. Grund dafür war, dass diese Regelung zwar die Stadt Würselen begünstigen, den Systembetreiber aber belasten würde. Im Rahmen der bestehenden Abstimmungsvereinbarung mit dem Systembetreiber bzw. Entsorger bestand und besteht derzeit „kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch der Kommune auf Berücksichtigung der Veränderung“ und Einführung der gelben Tonne.

Warum also jetzt die Initiative der drei Ratsfraktionen? Mit Einführung des Verpackungsgesetzes am 1. Januar 2019 ändern sich Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten für den „Entsorgungsträger“ Stadt Würselen und den Systembetreiber, derzeit „BellandVision“. „Eventuell könnten sich Chancen auf eine Einführung der gelben Tonne ergeben“, heißt es seitens der Stadt.

Die Verwaltung ist zudem der Auffassung, dass sich die Erfolgschancen auf Änderung im Interesse der Bürgerschaft erhöhen, wenn sie die Regioentsorgung interkommunal für die vertretenen Kommunen verhandeln können. Das Vorgehen bzw. die Verhandlungsposition will beizeiten abgewogen und beschlossen sein. Im nächsten Jahr werden entsprechend die Ausschreibungen der Systembetreiber laufen und neue Abstimmungsverfahren zur Diskussion stehen.

Derzeit beschäftigt sich laut Verwaltung ein Arbeitskreis der Regioentsorgung damit, Rahmenbedingungen für das neue Verpackungsgesetz zu formulieren. So wird sich nun der Technik- und Bauausschuss am 7. Juni, 17.30 Uhr, im Rathaus Würselen mit den Fraktionsanträgen zur gelben Tonne befassen.

Aber selbst wenn am Ende wahlweise die gelbe Tonne in Würselen eingeführt werden sollte, wird es ohne die Unterstützung der Bürger nicht möglich sein, das Stadtgebiet vor umher fliegendem Plastikmüll aus verbleibenden Säcken zu bewahren. Ausschussvorsitzender Bernd Parschmann (Grüne) formuliert das auf Nachfrage unserer Zeitung so: „Es macht keinen Sinn zu beschließen, dass an Abfuhrtagen Windstille zu herrschen hat. Hier kann man nur an die Gemeinschaft appellieren, durch das eigene Verhalten die Vermüllung der Stadt zu verringern, in dem zum Beispiel die Säcke nicht schon am Vorabend herausgestellt oder gegen Wegfliegen gesichert werden.“

Übrigens: Mit der Beachtung dieser auch von der Stadt Würselen ausgegebenen Regel könnte schon jetzt begonnen werden.

(-ks-)
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