Würselen: Nach Amoklauf: Nordkreis-Schüler setzen sich mit Tat auseinander

Würselen: Nach Amoklauf: Nordkreis-Schüler setzen sich mit Tat auseinander

„Was geht im Kopf eines Amokläufers vor?”, steht auf einem der zahlreichen Briefe an den beiden Stellwänden in der Pausenhalle der Realschule der Stadt Würselen. Davor brennen viele kleine Kerzen zum Gedenken an die Opfer.

In den Pausen versammeln sich dort immer wieder Schüler, um eine Kerze anzuzünden, einen kleinen Brief an die Wand zu heften, oder um sich in das ausliegende Kondolenzbuch einzutragen, in dem schon etliche Seiten beschrieben sind.

Auf sehr persönliche Art und Weise sprechen die Schüler den Betroffenen dort ihr Beileid aus, immer wieder taucht auch die Frage nach den Gründen auf. Manche schildern ihre eigenen Gefühle, einzelne schreiben, dass sie Angst haben in die Schule zu gehen.

Aufarbeitung des Geschehenen

Der Amoklauf von Tim K. wird die Menschen noch lange beschäftigen. An Schulen ist die Katastrophe von Winnenden weiterhin das bestimmende Thema. Überall versuchen Lehrer mit ihren Schülern das Geschehene aufzuarbeiten.

Nach dem Amoklauf wurde in Würselens Realschule die Sitzung der Schülervertretung (SV) spontan vorgezogen. Dort sprachen sich die Schüler dafür aus, in der Schule einen Platz zu schaffen, wo sie ihrer Trauer, ihren Gefühlen und ihren Ängsten Ausdruck verleihen können. „Die emotionale Wand” nennen sie diesen Ort in der Pausenhalle.

Mit Ängsten nicht alleine lassen

„Die Schüler verarbeiten das Geschehene schrittweise und sehr unterschiedlich”, hat die SV-Lehrerin Eva Hamdorf beobachtet. Manche hätten geweint, während andere das Thema scheinbar gar nicht berührt habe.

Doch auch diese Schüler hätten oftmals Tage später das Gespräch gesucht und zum Beispiel von den Träumen gesprochen, die sie in den letzten Tagen heimgesucht haben.

Man will die Schüler mit ihren Ängsten nicht alleine lassen. Das Thema wird von den Klassenlehrern angegangen und auch von den anderen Kollegen im Unterricht aufgenommen.

„Die Kinder sollen sich aber auch bewusst werden, dass sie selbst etwas tun können”, sagt SV-Lehrer Thomas Averkamp. Dazu gehören für ihn der faire Umgang miteinander, andere nicht auszugrenzen und in Fällen von Mobbing einzuschreiten und den Betroffenen beizustehen.

Ein von den Religionslehrern organisierter Gottesdienst am Montag wurde von den Schülern - egal welchen Glaubens - auch gerne angenommen.

„Wir versuchen, in der Schule eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle wohl fühlen können”, sagt der Leiter der Realschule, Lorenz Hellmann. „Andere Mittel gibt es nicht.”

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