Herzogenrath: Musik, Plätzchen und viele Gespräche: „Hand in Hand“ feiert Weihnachten

Herzogenrath: Musik, Plätzchen und viele Gespräche: „Hand in Hand“ feiert Weihnachten

„I‘m happy“, sagt Winifred Owusu und lächelt sanft. „Ich kenne so wenige Menschen hier. Da tut es gut, eingeladen zu sein, irgendwo dazu zu gehören“, erzählt sie auf Englisch. Sie stammt aus Ghana, mit ihren beiden Kindern, einem fünfjährigen Jungen und einem fast dreijährigen Mädchen, lebt sie seit über einem Jahr in Herzogenrath.

Und ihr Mann? Die 34-Jährige schüttelt stumm den Kopf. Über ihn möchte sie nicht reden. Dann blickt sie auf den bunt geschmückten Christbaum, und ihr Lächeln kehrt zurück. „Weihnachten ist auch in Ghana ein großes Fest“, erinnert sie sich an ihre Kindheit mit „Santa Claus“: „Es wird viel gekocht, Verwandte und Freunde besuchen sich.“ Nach vorne blicken möchte sie nun, in ein neues Leben. Der Internationale Arbeitskreis „Hand in Hand“ der evangelischen Kirchengemeinde Kohlscheid ist ihr dabei zur Stütze geworden. Jetzt haben seine Akteure zur Weihnachtsfeier geladen. Tannenzweige, Kerzen, Printen, Plätzchen — liebevoll sind zwei lange Tische in der Kapelle des Klösterchens gedeckt. Erwartungsvoll haben die Familien Platz genommen, zurückhaltendes Gemurmel erfüllt den Saal. Die Mitglieder des Arbeitskreises servieren Kaffee, Saft und Kuchen.

Was da wohl drin ist? Freude über Geschenke ist international.

Mehr als nur ein Zeichen soll es sein, was an diesem Nachmittag geschieht. AG-Mitglied Anne Fink macht dies klar, als sie die Gäste begrüßt. Wilfried Hammers, Hausherr des Soziokulturellen Zentrums Klösterchen, „chef de maison“, wie er von der Übersetzerin auf Französisch vorgestellt wird, kündigt denn auch geplante Aktionen an, bei denen Flüchtlinge besonders willkommen sind. Damit sie Kontakte knüpfen und selbst kreativ werden können, „da Kultur zum Leben gehört wie Essen und Trinken“. Ein Projekt bietet sich bereits an: die Chorinitiative „After Eight“, montags um 20.15 Uhr. Für alle, die gerne singen, denn Musik verbindet die Menschen. Die Kultur des anderen kennenzulernen auch.

Etwa das christliche Weihnachtsfest und den wenige Tage vorher gefeierten Nikolaus. Annette Schölzel, Trägerin des Integrationspreises der Stadt und Mitgründerin der Gruppe, die 1989 als Arbeitskreis gegen Fremdenfeindlichkeit an den Start ging, versammelt die Jungen und Mädchen um sich herum auf der Bühne. Kindgerecht erzählt sie ihnen die Geschichte des Heiligen aus Lykien, von dem so viele gute Taten überliefert sind. Gertrud Elsenbruch, pensionierte Gymnasiallehrerin und Lesepatin der Stadtbücherei, unterstützt sie mit der entsprechenden Bildergeschichte, der die kleinen Zuhörer mit großen Augen folgen. Neben ihnen steigt Peter Bollermann in ein Bischofsgewand. Sein weißer Vollbart und seine tiefe Stimme prädestinieren ihn, bis 2011 Bereichsleiter beim Caritasverband, für die Rolle des Mildtätigen aus Myra. Beim Verschönerungsverein in Klinkheide hat er den heiligen Mann schon einmal gegeben. „Das muss sich herumgesprochen haben“, schmunzelt der 66-Jährige. Man merkt ihm die Freude an, als er die individuell gepackten Tüten verteilt. Gute Wünsche gibt er jedem Kind mit auf den Weg. Die kleinen Empfänger lächeln scheu, als sie dem stattlichen Mann die Hand reichen. Wie überall zücken stolze Eltern ihre Handys fürs Erinnerungsfoto.

Der neunjährige Iwen packt derweil seine Geschenke aus: ein Auto, Filzstifte und eine Taschenlampe. Dazu Schokolade und Nüsse. Der zierliche Junge aus Eri-trea strahlt, dann rufen ihn zwei Jungs. „Die sind in meiner Klasse“, erklärt er. In der Grundschule Bierstraß. „Von da kenne ich auch schon den Nikolaus“, ruft Iwen noch, dann rennt er mit den anderen ins Spielzimmer nebenan.

Für die Erwachsenen gibt es Kultur: Erfolgreiche Teilnehmer des Wettbewerbs „Jugend musiziert“, Schüler der Musikschule Aachen, präsentieren ihr Talent: Phung Ychi und Phan Lilian am Klavier, Nguyen Thong an der Gitarre. „Das ist alles so schön“, lauscht Dolly Ahmed. Auch sie ist glücklich an diesem Nachmittag. Aus Bangladesh kommt die 36-Jährige, vier und acht Jahre alt sind ihre Kinder. Den Integrationskurs hat sie absolviert, für August ist der Hauptschulabschluss geplant. Ein Job soll folgen, in der Küche eines großen Aachener Restaurants hat sie schon ein Praktikum gemacht. Eine Ausbildungsstelle ist nur einer von vielen Weihnachtswünschen an diesem Tag ...