Würselen: Mitsingen: Es ist laut, es macht Spaß und es ist einfach

Würselen: Mitsingen: Es ist laut, es macht Spaß und es ist einfach

Endlich kann man, kann jeder, aus vollster Kehle singen, richtig losschmettern, Schlager, Popmusik und Volkslieder. Jedenfalls wenn Frau Höpker kommt, die am Samstag im Alten Rathaus zu Gast war. Es ist eine Veranstaltung im Stehen, und der Saal war richtig, richtig voll.

Frau Höpker kommt auf die Bühne, stellt sich hinter ihr Keyboard neben die große Leinwand, auf der die Texte projiziert sind. Adrett ganz in weiß sieht sie ein bisschen wie eine Ärztin aus. Der Musik-Doktor. Eine Heilerin für das verlorengegangene Kulturgut Gesang ist sie tatsächlich. Vom ersten Stück an nimmt Frau Höpker die Leute mit. Los gehts, „zum Warmsingen” mit Reinhard Meys „Über den Wolken”. Alle kennen die Melodie und den Text kann man ja gut lesen. Frau Höpkers Finger hüpfen über die Tasten und spielen eine flotte Begleitung.

Bald geht es kreuz und quer durch die Musikgeschichte der letzten 100 Jahre und durch die Genres. Auf die Beatles folgt „Mein Vater war ein Wandersmann” auf „Mamma Mia” der Gruppe Abba der Klassiker „Che sera”. Schon längst ist die Stimmung im Raum angeheizt, die gute Laune der Frau Höpker und ihre Lobesworte reißen alle mit. Die Menschen rücken noch dichter zusammen, sie lachen und jubeln, und vor allem singen sie, singen wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Es ist laut, es macht Spaß und es ist so einfach.

Frau Höpker heißt wirklich Katrin Höpker, und ja, Gudrun Höpker, die viele aus dem Hörfunk kennen, ist ihre Schwester. „Ich dachte mir, ich mach meinen Namen zur Marke. Wenn die Leute sagen ?kommst du mit zu Frau Höpker? ist die Marke etabliert”, erzählte sie in der Pause. Höpker ist Berufsmusikerin, seit Jahr und Tag tourte sie mit diversen Bands durch die Lande, unter anderem mit Udo Jürgens. Sie hat immer beobachtet, dass die Leute gerne singen möchten, „aber sie kennen die Texte nicht”.

Und außerdem: „Das Singen macht die Leute glücklich.” Es sei verrückt, wieviele Melodien und Stücke die Menschen kennen. „Schade, dass wir so viel können, und keiner fragt es ab.” Lieder, Schlager, Popmusik, „ungeheuerlich, wieviel in den Gehirnen abgespeichert ist!” Nebenbei bemerkt lässt Höpkers Repertoire auch nicht viel zu wünschen übrig. Sie kennt aberhunderte von Stücken, zaubert sie alle auswendig hervor und begleitet sie nach eigenem Gusto sehr flockig auf dem Klavier.

Für jedes Stück, für jedes Publikum findet sie den richtigen Dreh. „Generationen zusammen bringen” will sie. „Jeder hängt immer so in seinem Grüppchen, wir machen nix zusammen”, hat sie beobachtet. Ziel erreicht. Im Rathaus-Saal sind fast alle Altersstufen vertreten, von jungen Leuten in den Zwanzigern bis zur Oma. Männer und Frauen, beinahe zu gleichen Teilen. Den Männer spendete Frau Höpker extra viel Lob für ihr zahlreiches Erscheinen. Einmal, beim Schlager „Ratata, tata, im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen” sangen Männer- und Frauenstimmen getrennt - ein Heidenspaß.

„Wer hier rausgeht, lächelt”, sagt Höpker. Es stimmt. Entspannt und froh, gut gelaunt und voller Energie, ein Ohrwürmchen trällernd gehen die fleißigen Sänger nach Hause nach einer Veranstaltung mit hohem Spaßfaktor. Hoofentlich kommt Frau Höpker bald wieder.