Mit dem Förster auf Tour im Würselener Wald

Informativer Spaziergang : Hartes Jahr für die Bäume

Zum 20. Mal haben die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Städteregion Aachen (DSW), die Stadt Würselen und die Waldjugend, Horst Würselen, zur Heiligabend-Wanderung eingeladen.

Für „Aspe“ ist der Spaziergang durch den Würselener Stadtwald, bei dem es viel Interessantes über den Zustand des Forstes und die Arbeit eines Försters zu erfahren gibt, eine aufregende Sache. So viele Menschen, so viele Gerüche, so viele Geräusche. Ihr Herrchen Forstdirektor Robert Jansen hält die Hündin, „Marke“ Tiroler Bracke, vor- und fürsorglich an der Leine. Denn die junge „Stöberhündin“ soll eben nicht ihrer Bestimmung nachgehen und Wild aufspüren, sondern brav bei der Gruppe bleiben.

Zum 20. Mal haben die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Städteregion Aachen (DSW), die Stadt Würselen und die Waldjugend, Horst Würselen, zur Heiligabend-Wanderung eingeladen. Und wieder haben sich viele Interessierte, darunter einige Familien, eingefunden, so dass es auf dem Parkplatz an der L 23 (Würselener Straße) recht eng wird. Diesmal nehmen sich Jansen, der zugleich Vorsitzender des DSW-Kreisverbands Aachen ist, und Stadtförster Marco Lacks den südlichen Teil des Würselener Stadtwaldes vor. Hinter den beiden liegt ein turbulentes Jahr 2018, und auch das neue Jahr dürfte viele Herausforderungen mit sich bringen, wird schnell deutlich.

Gleich zwei Stürme zu Anfang des auslaufenden Jahres haben erhebliche Windwürfe verursacht. Der Wirtschaftsplan für das Forstwirtschaftsjahr hat sich schnell als überholt erwiesen. Die schlimme Dürreperiode im Sommer setzte dem Wald obendrein zu. „Und die Auswirkungen werden wir auch in 2019 noch spüren“, sagt Lacks.

Auch für den noch jungen Stöberhund „Aspe“ war der Spaziergang eine spannende Sache. Foto: Karl Stüber

Am Wegesrand liegen einige Fichtenstämme mittlerer Größe. Seltsame Spuren sind bei näherer Betrachtung zu entdecken. Borkenkäfer haben sich des Holzes angenommen. Wie groß die wohl werden? Die Schätzungen der Gäste gehen weit auseinander. Maximal einen halben Zentimeter, sagt Jansen. Es braucht schon an die 2500 der fleißigen kleinen „Fresser“, um einer gestandenen Fichte den Garaus zu machen. 

Unfreiwillige „Holzschwemme“ 

Aufgrund der für die Käfer günstigen Witterungsbedingungen haben sich drei bis vier Generationen in einer Saison entwickeln können.

Stadtförster Marco Lacks schenkt nach dem eineinhalbstündigen Waldspaziergang heißen Kakao aus. Foto: Karl Stüber

Zur Überwinterung haben sich die überlebenden Käfer in den Boden zurückgezogen, sagt Jansen. Ende März, wenn die Temperaturen wieder deutlich steigen, werden sie erneut „loslegen“. „Wenn der Winter recht warm und feucht wird, so ist das für die Borkenkäfer nicht gut. Der Käfer ist eher auf Kälte getrimmt“, erfahren die Wissbegierigen von dem Forstdirektor.

Rund 1700 Festmeter Fichtenholz wurden in diesem Jahr „geerntet“. Das ist dreimal so viel wie geplant, sagt Lacks. Sturmbedingt eben. Dabei ging es nicht nur um die Beseitigung von umgekippten Bäumen, sondern auch das Fällen von nicht mehr standsicheren. „Das sind schon problematische Mengen für so einen kleinen Stadtwald“, sagt der Förster. Mit Blick auf die große Masse an Holz, die durch die Stürme deutschlandweit anfiel, ging auch der Preis um rund 40 Prozent in den Keller, was ebenfalls die Bilanz belastet. Zwischenzeitlich wurde das Holz sogar in Containern bis nach China verschifft, um noch Abnehmer zu finden.

Natürlich wird wieder aufgeforstet und dabei auf eine gesunde Durchmischung der Baumarten geachtet, betont er. Aber Bäume wachsen eben langsam. „Es gibt immer ein Auf und ein Ab mit den Jahren“, sagt Jansen. Deshalb gehen die Forstleute von einer zehnjährigen Planung aus. Die daraus abzuleitenden Durchschnittswerte lassen besser erkennen, wohin die Reise geht. Die Gruppe macht bei ihrer Wanderung Halt an einer rund 200 Jahre alten Buche, deren Tage wohl gezählt sind.

Forstwirtschaftlich ist der Baum nicht so interessant, in seinem Holz dürften sich zum Beispiel viele Splitter noch aus dem Zweiten Weltkrieg finden. Aber ökologisch erfüllt er mit seinem Totholzanteil noch wichtige Funktionen für das Biotop Wald. Da die von Schwämmen und Fäulnis befallene Buche aber nahe am öffentlichen Waldweg liegt, wird sie bald aus Gründen der Verkehrssicherheit fallen müssen.

Jedes Ende ist aber zugleich auch eine neue Chance für den Wald, ist zu erfahren. „Wir wollen, dass der Wald sich mit möglichst wenig Aufwand durch Menschenhand verjüngt.“ Gutes Beispiel dafür ist ein Buchenhain. Hier haben sich aus den „Früchten“ des Baums bereits kleine Horste von Jungholz gebildet.

Mag sein, dass die Douglasie kein heimischer Baum ist. Aber das Gewächs aus Nordamerika hat sich gegenüber Trockenheit im Vergleich zur Fichte als widerstandsfähiger erwiesen. „Dieser Baum hat sich bewährt und wächst auch schneller als die Fichte“, sagt Jansen. „Zudem wird er vom Borkenkäfer nicht so stark befallen.“ Zu rund 2,50 m langen Stücken gesägte Douglasienstämme liegen schon länger zum Abtransport bereit. Sie sind „vorkonfektioniert“, um zu Europaletten verarbeitet zu werden.

Neben den Aufräumarbeiten und der Aufforstung werden sich Jansen und Lacks in absehbarer Zeit noch ganz anderen Aufgaben stellen müssen. Das Anlegen der Trasse des Erdgasleitungsprojekts Zeelink wird zu erheblichen Holzernte- und Rodungsarbeiten führen. Aber – wie gesagt – in der Erneuerung liegt die Chance, von schnell angelegten Monokulturen nach dem Krieg zu einem ökologisch interessanten Mischwald zu kommen.

Der Wind ist zwischenzeitlich der Wandergruppe in die Knochen gefahren. Nach den starken Regenfällen ist es matschig. Es wird mit der Zeit „usselig“. Aber am Ende der interessanten eineinhalb Stunden kommt nicht nur die wärmende Sonne heraus.

Die Deutsche Waldjugend, Horst Würselen, und hier besonders die Vorstandsmitglieder Maximilian Noppeney und Tobias Kaffanke, haben zwischenzeitlich in einem Pickup heißen Kakao und Glühwein auf den Parkplatz geschafft, den Förster Lacks mit der Kelle gekonnt in Tassen füllt. Das gibt es umsonst. Für den selbst produzierten Apfel- und Holunderlikör wird eines freiwillige Spende erbeten. Und die wird gerne gegeben.

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