Kommentar zur Bäderlandschaft: Marode Schwimmhallen sind nicht nur im Nordkreis ein Problem

Kommentar zur Bäderlandschaft : Marode Schwimmhallen sind nicht nur im Nordkreis ein Problem

Nun also auch das Luisenbad. Die Alsdorfer Schwimmhalle reiht sich damit ein in die problembelastete Bäderlandschaft des Nordkreises. In Herzogenrath hatte Ende 2014 das 1972 erbaute Bad an der Kohlscheider Zellerstraße von jetzt auf gleich geschlossen werden müssen, als im Zuge einer besonders gründlichen Routinekontrolle irreparable Schäden an der Bausubstanz entdeckt wurden.

Vor allem der Kohlscheider Schwimmverein wartet seither sehnsüchtig auf den avisierten Neubau, hat mittlerweile einen herben Mitgliederschwund hinnehmen müssen. Für Sorgenfalten sorgt immer wieder auch das Hallenbad Herzogenrath-Mitte.

Ebenfalls ein Bau aus den 70ern, als Kommunen in den Ausläufern des „Goldenen Plans“ zur Sportstättenentwicklung ausreichend Geld für den Bau von Bädern hatten. An die hohen Unterhalts- und Folgekosten dachte seinerzeit kaum jemand. Herzogenrath fand sich nach der Kommunalen Neugliederung als neue Stadt wieder, die die Verantwortung über je zwei Schwimmhallen und Freibäder zuzüglich der Lehrschwimmbecken zu schultern hatte. Das Freibad Mitte ist seit Jahrzehnten Geschichte. Nach langem Kampf und einem Bürgerentscheid wurde das Freibad Merkstein erneuert. Worüber man heute froh ist.

Grundlegend saniert und energetisch aufgewertet wird zurzeit das ebenfalls aus den 1970er Jahren stammende Hallenbad an der Parkstraße in Baesweiler. Widrigkeit hier: die niedrigzinsphasenbedingte Hochkonjunktur samt entsprechender Preisschraube im Handwerk. Mehrere Gewerke mussten wegen überzogener Gebote neu ausgeschrieben werden, weswegen sich die geplante Wiedereröffnung ein wenig hinzieht. Von einem Jahr Bauzeit war ursprünglich die Rede gewesen, dann von einer Wiedereröffnung noch vor den Sommerferien 2019, mittlerweile wird der kommende Herbst anvisiert.

Würselen hat seine einstige Hallen-Freibad-Kombi am Wisselsbach vor über zwei Jahrzehnten abgeräumt. Zum Bedauern vieler. Mit einem Freizeitbad komme man in wirtschaftlicheres Fahrwasser, so das Credo damals vor dem Bau des Aquana. Auch diese Entscheidung bedauern heute viele.

Indes: Die Nordkreisstädte stehen mit dem Bäderproblem nicht alleine da. Experten messen einer Schwimmhalle einen Lebenszyklus von rund 35 Jahren zu. Das heißt, die Bäder aus den goldenen Zeiten haben den Zenit längst überschritten – das Luisenbad hat es, nach der Sanierung Ende der 90er Jahre, immerhin auf zwei Zyklen gebracht. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) führt seit 2007 bundesweit Buch über Schließungen und Neubauten. Und stellte schon vor fünf Jahren fest, dass fast jedes zweite Bad im Land sanierungsbedürftig ist.

Die Verbindung hohe Betriebskosten und Renovierungsstau bringe viele Kommunen an die Grenzen finanzieller Belastungsfähigkeit. Die Folge: zu viele Schließungen – und immer weniger Möglichkeiten fürs Schwimmenlernen. Die DLRG warnt mittlerweile vor einer weiter wachsenden Zahl an Nichtschwimmern. Zumindest in diesem Punkt gibt es im Nordkreis Entwarnung: Schwimmhallen vorzuhalten, ist hier Common sense.

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