Herzogenrath: Markttangente in Kohlscheid: Einwohner haben viele Anregungen

Herzogenrath : Markttangente in Kohlscheid: Einwohner haben viele Anregungen

Die Aula Kircheichstraße platzte aus allen Nähten, schließlich war das Stimmungsbild der Einwohner Kohlscheids bezüglich einer für die nächsten Jahrzehnte wesentlichen Entwicklung gefragt: die Verkehrsführung zur Entlastung der City.

Oder anders ausgedrückt: Welche verkehrlichen Konsequenzen hat der Bau einer Markttangente auf die übrigen Straßen?, wie es Bürgermeister Christoph von den Driesch einleitend auf den Punkt brachte.

Beim Ministerium sei die 450 Meter lange Tangente — die von der Einmündung Süd-/Kaiserstraße in sanfter Schlangenlinie über den Sportplatz Langenberg hinweg hinter dem Seniorenheim vorbei zwischen dem angrenzenden Mehrfamilienhaus und dem früheren Kaiser‘s-Supermarkt auf die Oststraße münden soll — mit Priorität für 2019 eingeplant, wie der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda darlegte.

Im April/Mai soll der Zuschussantrag folgen, in der Hoffnung, dass für 2019 ein Bewilligungsbescheid über die insgesamt 65-prozentige Förderung ins Rathaus flattert. Ergänzend ist ein Antrag auf vorzeitigen Baubeginn Ende 2018 vorgesehen, der durch den Abriss des alten Supermarkts markiert werden wird. Für den, so Migenda auf eine Zuschauerfrage hin, kein Denkmalschutz bestehe. Allerdings würden die Teile des einstigen Grubengebäudes dokumentiert.

„Bestürzt“ hätten sich die Vertreter der Bezirksregierung seinerzeit beim Ortstermin im Bereich Südstraße/Markt ob der hohen Verkehrsbelastung gezeigt, schilderte Verkehrsingenieur Volker Wirtz, was Politik und Verwaltung letztlich bestärkt habe, den Antrag für die Marktumgehung zu stellen.

5200 Fahrzeuge täglich auf der Südstraße und 6700 auf dem Markt haben die eigens vorgenommenen Zählungen ergeben, die als Basis für den vom Ministerium geforderten Nachweis einer „wirklichen Entlastung“ durch die zu fördernde Markttangente dienen.

Um 41 Prozent sinkt die Frequenz in der Südstraße, um 13 Prozent auf besagtem Marktabschnitt, wenn nur die Tangente ohne flankierende Maßnahmen gebaut werde, so haben Wirtz und sein Amtskollege Joachim Hergesell errechnet — und für zu wenig befunden.

So stellt sich nun die Frage, welche Bereiche in dem winkeligen Straßengefüge abgebunden werden müssen (Wacholder und dazu der Langenberg oder alternativ die Puetgasse?), um keine neuen Schleichverkehre zu provozieren, respektive die in die umliegenden Straßen verlagerten Belastungen so gering wie möglich zu halten. Klar, dass vor allem die künftigen Markttangenten-Anlieger wissen wollten, was alles auf sie zukommt, und Befürchtungen bezüglich Schall und Emissionen äußerten.

Insgesamt 13 Meter soll die neue Trasse breit werden, zusammengesetzt aus zwei je 2,50 Meter breiten Gehwegen und einer acht Meter breiten Fahrbahn, auf der beidseitig „Schutzstreifen“ für Radfahrer markiert werden, so dass netto 5 Meter für den Kraftfahrverkehr bleiben. Warum denn kein „echter“ Radweg?, wurde prompt Kritik im Auditorium laut, wenn denn schon eine ganz neue Straße gebaut werde ... „Eine Frage des Kompromisses“, legte Beigeordneter Migenda dar — zwischen Sicherheit, den noch tragbaren Kosten für den nötigen Landerwerb und letztlich dem Schallschutz: „Je breiter die Straße, umso höher müssen die Lärmschutzwände sein.“

Lärmschutzkonzept vorgestellt

Das Lärmschutzkonzept hatte der von der Stadt beauftragte Schallschutzgutachter Stefan Kadansky-Sommer (IBK) dem Publikum vorgestellt. Wobei auch deutlich wurde: Wo trotz aktiven Schallschutzes (dämmender Straßenbelag, Schutzwände) die Grenzwerte nicht unterschritten werden können, haben die Anwohner Anrecht auf passiven Schallschutz an ihren Gebäuden, um in den Innenräumen verträgliche Werte zu erzielen.

Das Gutachten lege dies „gebäudescharf“ fest, gemäß der 24. BImSchV „Verkehrswege-Schallschutzmaßnahmenverordnung“. Kadansky-Sommer: „Ziel ist aber, den aktiven Schallschutz so ausreichend zu gestalten, dass der passive nicht zum Tragen kommt.“ Dass eine vor allem zu den Berufszeiten verstopfte Roermonder Straße immer wieder dafür sorge, dass Kraftfahrer durch Kohlscheids City ausweichen, ließ manche an den Entlastungsplänen zweifeln.

Dazu stellte Bürgermeister von den Driesch nicht zum ersten Mal fest: „Es war wohl ein Fehler, die Roermonder Straße in den 90er Jahren zurückzubauen.“ Denn der Individualverkehr hat trotz aller Bemühungen um Alternativen stetig zugenommen. Nun, nachdem die Bindungsfrist für den seinerzeit geförderten Rückbau ausgelaufen sei, könne man einen Vorstoß wagen, um die Roermonder Straße an verkehrsmäßig neuralgischen Stellen „wieder aufzuweiten“. Mit Straßen.NRW sei man bereits im Gespräch.

Zahlreiche weitere Bürgeranmerkungen wurden im Zuge der fast dreistündigen angeregten Diskussion protokolliert, von der Möglichkeit, einen der beiden Bürgersteige der Tangente zum Radweg umzuwandeln, über den Wunsch, die geräuschintensiven Pflastersteine auf dem Markt wieder zu entfernen und probate Maßnahmen zu treffen, damit sich alle ans Tempolimit halten, bis hin zur nochmaligen intensiven Prüfung der zu erwartenden Mehrbelastung auf der Kaiserstraße zwischen Friedrichstraße und Einmündung Tangente, respektive der Frage, ob es nicht zu gefährlich sei, auf der Südstraße Radverkehr in beiden Richtungen zuzulassen.

Eine Zusage machte die Verwaltung indes jetzt schon: Während der Bauphase sollen Grundstücke und Ladenlokale an der Südstraße „irgendwie immer erreichbar sein“.

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