Literat Christoph Leisten und Pianist Roman Kutsch treten auf

Pius am Mittwoch : Gedanken, Töne und Wörter

Wenn es eine Feinkost der Gedanken, Töne und Wörter gäbe, dann nähmen der Literat Christoph Leisten und der Pianist Roman Kutsch in dieser Branche eine führende Stellung ein.

So aber bewiesen der Lyriker und Erzähler, im Brotberuf Lehrer am Gymnasium in Schleiden, und sein einstiger Schüler dort im Würselener Pfarrheim St. Pius X. bei der kulturellen Veranstaltungsreihe „Pius am Mittwoch“, dass sie ein gut eingespieltes Duo sind, das beim Auftritt eine besondere Art des einander Zuhörens und Antwortens pflegt.

Das zeigte sich besonders in einem Moment: Kaum hatte der Lokalmatador eine Szene in der marokkanischen Metropole Marrakesch beschworen, da reagierte der Musiker darauf am Klavier mit orientalisch wirkenden melodischen Wendungen. Das beiderseitige Spiel mit dem Exotischen war dann auch das, was bei diesem Auftritt zu zweit aus dem Neben- ein Miteinander machte.

Für die Zuhörer wurde dieser Abend aber nicht nur in diesem Moment zum Erlebnis. Immer wieder zeigten Leisten und Kutsch, dass ihre jeweilige Kunst auch für sich Bestand hat. Denn die äußeren Landschaften stets aufs Neue in innere zu verwandeln – dieses Geschäft beherrschen der Autor und sein früherer Zögling schon ziemlich virtuos.

Ganz und gar nicht nebenbei erlebten die Menschen im Pfarrsaal bei „Pius am Mittwoch“, wo bei Leisten und Kutsch das Gemeinsame liegt.

Denn der Schriftsteller schien seinen neuen Text „Es wird nichts passieren“ dem Formenprinzip der Sinfonik zufolge gleichsam orchestriert zu haben. Ein Mann sitzt da im Kaffeehaus, lässt sich von einem Schuhputzer aufwarten. Draußen zieht eine Panik auf, entlädt sich wie ein Gewitter und verebbt wieder mit dem titelgebenden Satz „Es wird nichts passieren“. Wie ein Refrain wiederholt sich immer wieder der Satz „Und ich hielt ihre Hand“.

Anders gesagt: In der Sprache offenbart sich Musikalität und in der Musik immer wieder etwas Erzählerisches. Das ist es, was aus dieser Veranstaltung von „Pius am Mittwoch“ etwas Besonderes, Unverwechselbares gemacht hat.

(chh)
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