Alsdorf: „Literarisches Frühstück“: Genuss für Geist und Gaumen in Alsdorf

Alsdorf: „Literarisches Frühstück“: Genuss für Geist und Gaumen in Alsdorf

Auch wenn man der ehemaligen Zechenstadt wahrlich nicht vorwerfen kann, in puncto Kulturangebot hinterherzu hinken — eine solche Veranstaltungsreihe suchte man bis zuletzt vergebens. Mit der ersten Ausgabe des „Literarischen Frühstücks“ wurde aus einer Idee von Erdmann-Josef Löven (Geschäftsführer der Kulturgemeinde Alsdorf) und René Blanche (Schulleiter der Aachener Schauspielschule) nun Realität.

Bei einem Gastspiel seines Ensembles in der Stadthalle Alsdorf kam Blanche einst die erste Idee für das Format. Über ein Jahr reifte der Gedanke, ehe er sich zusammen mit Löven konkret an eine Verwirklichung machte. Das Prinzip der beiden mutete einfach an: Eine gemütliche und entspannte Atmosphäre, Leckereien zum Frühstück und ein literarisches Repertoire, das in kleinen Happen serviert wird.

Von der „reinen Unterhaltungsliteratur“ wollte Blanche, der zur Premiere gleich das Rednerpult übernahm, bewusst Abstand nehmen. Vielmehr wählte er eindringliche Texte aus der Sicht des „lyrischen Ichs“ aus, die die Zuhörer in die verschiedensten Szenen des Alltags oder auch der Imagination entführten. Zusammengefasst unter dem Titel „Die Welt durch berühmte Augen sehen“, hatte Blanche Texte unter anderem von Albert Camus, Tankret Dorst und Heinrich Henkel ausgewählt. Garniert wurde die Auswahl von einigen Eigenkompositionen.

In Portionen vorgetragen

Zwischen den „Happen für den Geist“ sorgte Tim Schroif am Piano für einen stimmungsgeladenen Hintergrund. Der gebürtige Eschweiler hat bereits Bühnenerfahrung in der Kölner Lanxess-Arena vor Hunderten Zuhörern gemacht. Auftritte vor kleinem Publikum im Hintergrund machen ihm jedoch mehr Spaß: „Es ist einfach intimer und authentischer. Ich möchte nicht so sehr im Mittelpunkt stehen. Vielmehr soll meine Musik hier eine Massage für die Seele sein.“

Löven lernte Schroif durch Zufall kennen. Die beiden kamen in einem Eschweiler Restaurant ins Gespräch, in welchem Schroif ebenfalls am Piano brillierte. Der Einladung nach Alsdorf folgte der junge Musiker gerne.

Die knapp 30 Premierengäste übertrafen alle Erwartungen. Im Prinzenzimmer des an die Alsdorfer Stadthalle angegliederten Restaurants „Amadeus“ könnte der Platz jedoch bald rar werden. Mittelfristig erhofft sich Löven einen Anstieg der Besucherzahlen auf 40 bis 50.

Am Format wollen er und Blanche dafür wenig ändern. „Ein Kollegin gab mir bei einem ähnlichen Auftritt den Tipp, im Stehen zu lesen und Monologe als Textform zu wählen, die nicht am Stück, sondern in Portionen vorgetragen werden“, erzählte Blanche.

Eine „Massenveranstaltung“ wäre in den Augen von Löven weniger wünschenswert: „Wir möchten, dass Leute zu uns stoßen, die in kleiner Runde unser Angebot wirklich genießen wollen. Daher haben wir auch unsere Werbung im Vorfeld explizit gewählt.“ Drei weitere Ausgaben haben die Verantwortlichen in diesem Jahr geplant. Es bleibt spannend, was das neue Alsdorfer Format in Zukunft bieten kann.

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