Würselen: Letztes Konzert des Freilichtsommers

Würselen : Letztes Konzert des Freilichtsommers

Die wollen nicht belehren, die wollen bloß spielen. Wie locker und unverkopft sich moderner Jazz präsentieren lässt, hat das Martin-Tingvall-Trio beim Auftritt auf Burg Wilhelmstein lustvoll bewiesen. Das letzte Konzert des dortigen Freilichtsommers geriet zu einem Jubelzug für die drei Musiker. Jeder für sich ein Virtuose — und gemeinsam eine Wucht.

Das Trio, bestehend aus dem Pianisten Martin Tingvall, dem Bassisten Omar Rodriguez Calvo und Schlagzeuger Jürgen Spiegel, hat etliche hochkarätige Auszeichnungen im Schrank. International mischen die Drei im Jazz ganz vorne mit — und üben sich auf der Bühne doch in allerschönster Bescheidenheit. Geradezu schüchtern und mit bubenhaftem Charme plaudert Martin Tingvall zwischen den einzelnen Stücken über deren Entstehung und hat viele amüsante Erklärungen und Übersetzungen für die schwedischen Titel parat.

Vom aktuellen Album „Cirklar“ (Kreise) stammen die meisten Stücke des Abends, ständig auf Trab zwischen Hochgeschwindigkeitsjazz und balladesken Momenten. Wenn Schlagzeuger Jürgen Spiegel losprescht, wird es besonders rasant. Er allein heimst immer wieder Szenenapplaus ein, wenn er sich ekstatisch in immer wildere Rhythmen hineinschraubt. Aber gewaltigen Beifall spendet das Publikum — gut 500 Zuhörer an diesem Abend — auch den solistischen Einlagen von Tingvall und Calvo.

Jazz für Menschen, die keinen Jazz mögen — so wird das Trio gern beworben. Und da ist was dran, denn die Nummern sind stets durchkomponiert und mit vielen Versatzstücken aus Pop und kubanischen Rhythmen beladen. Auch die Melodie spielt bei Tingvall eine große Rolle, fast songhaft aus Strophe und Refrain scheinen viele der textlosen Stücke zu bestehen. Auf der Bühne fransen sie nicht aus. Ein Nicken hier, ein Augenzwinkern da genügen, um ein Solo einzuleiten, während die übrigen Musiker Raum dafür schaffen.

Doch hebt hier niemand ab, stets bleiben Calvos leidenschaftliche Bassläufe und Tingvalls dynamische Flügelklänge im Dienst der Arrangements. So präzise, so stilsicher, dass es eine Freude ist. Als die Sonne weicht und die Abendluft kälter wird, meint Tingvall: „Wir müssen uns wohl noch ein wenig warm spielen!“ Daraus werden letztlich zwei Stunden, und die Kälte wird an diesem Abend niemand spüren. Bis zur letzten Ovation für eine energetische Meisterleistung.