Würselen: Lesung in der Stadtbücherei wird zum Hörspiel

Würselen: Lesung in der Stadtbücherei wird zum Hörspiel

Ein guter Wein muss langsam reifen. Der toskanische bildet dabei keine Ausnahme. Mit Literatur ist es manchmal ähnlich, auch hier macht die toskanische keine Ausnahme. Bestes Beispiel ist das Buch „Letzter Akt” von Christoph Leuchter.

Zehn Jahre lang hat der Würselener an seinem Debütroman gearbeitet, seit einigen Wochen steht die Publikation, die im Steidl-Verlag erschienen ist, in den Buchhandlungen.

Als „Würselener Talent in Musik und Literatur” hatte Günter Kölling, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Stadtbücherei Würselen, Christoph Leuchter im Alten Rathaus empfangen, der in einer Lesung sein literarisches Werk vorstellte. Die Veranstaltung, die die Buchhandlung Schillings in Kooperation mit dem Förderverein organisiert hatte, zog viele Literaturfreunde an - der ehemalige Ratssaal konnte keinen freien Stuhl mehr aufweisen.

Ob er den Vorschusslorbeeren gerecht werden könnte vermochte Christoph Leuchter nicht zu beurteilen. Und so ließ er sein Buch für sich sprechen, verzichtete auf viele einleitende Worte und las Auszüge aus seinem Werk. Er nahm die Zuhörer mit in die Welt des abgelegenen toskanischen Dorfes, in dem der Roman spielt. Die anfänglichen Kriminalszenen dienen mehr der Einführung in eine Geschichte, in der es um mehr als die Aufklärung der Todesumstände eines Mannes geht.

Es ist ein Buch über das Erzählen, detailreich, mit ausgefeilten Charakteren. Ein „Wachsfigurenkabinett” nennt Leuchter es in dem Roman, in dem seine Vorliebe für Schachtelsätze deutlich hervortritt. Sind jene meist verpönt, geben sie dem Roman hier einerseits Individualität, und andererseits hebt Leuchter hiermit die zeitweilig komischen Sequenzen hervor.

Begleitet wird Christoph Leuchter an diesem Abend von Harald Claßen, der musikalische Klangbrücken zwischen die gelesenen Szenen setzt. So bleibt Zeit für eigene Gedanken. Die Lesung wirkt wie ein kleines Hörspiel, dem der Zuhörer ohne Anstrengung folgen kann. Ein nicht zu verachtender Teil geht dabei auf die Stimme von Christoph Leuchter zurück: Ruhig, zeitweise samtig streichelt sie die Ohren.

Am Ende wird deutlich, dass die Vorschusslorbeeren mehr als gerechtfertigt waren: Die Veranstaltung ist ein Erfolg, das Buch wird es sicher werden. Gut, dass bereits ein zweiter Roman darauf wartet, veröffentlicht zu werden.

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