Alsdorf: Lebenshilfe für Leute mit kleinen Lücken

Alsdorf: Lebenshilfe für Leute mit kleinen Lücken

Nennen Sie drei skandinavische Länder. Wie lautet die dritte binomische Formel und wozu dient sie? Wie hieß Deutschlands erster Bundeskanzler mit Vornamen? Und wo ist eigentlich der Vatikan? Glückwunsch denjenigen, die all diese Fragen beantworten können, ohne Lexikon, ohne Telefonjoker, ohne Online-Angebote.

Die Leute gehören nicht zu der von Anne Weiss und Stefan Bonner getauften „Generation Doof”.

Mit ihrem gleichnamigen Buch ist den Autoren ein Bestseller gelungen, der das Gesellschaftsphänomen der langsam aber sicher greifenden allgemeinen Unwissenheit unterhaltsam wie ebenso unverblümt aufgreift.

Ein durchschlagender Erfolg, der mittlerweile in die 17. Auflage geht. Darüber hinaus gibt es die Erkenntnisse nun als Bühnenfassung: eine Art Gruppentherapie für eine ganze Generation. Und eine Mischung aus Lesung, Show und konkreter Lebenshilfe.

Die durchaus witzige Art, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, funktioniert. Ist man der Auffassung, man sei in der Allgemeinbildung etwas minder bemittelt, wobei hier eine Definition von ebendieser von Nöten wäre, zeigen Anne Weiss und Stefan Bonner immer wieder anhand von Videos und Textauszügen, dass es mitunter wesentlich „doofere” Menschen gibt.

Hinter komischen Beispielen, die durchaus Wiedererkennungswert haben, zeigt sich aber auch die traurige Wahrheit. „Wir hatten zu Beginn unserer Recherchen den Eindruck: Bei uns verblödet eine ganze Generation. Und dabei geht es nicht nur um Bildungslücken.” Uns umgibt eine Welt, in der offenbar alles auf solider Blödheit basiere, behauptet das Autoren-Duo. Es gibt Casting-Shows, bei denen Leute „die Haare schön haben”, und bei Youtube stellen Jugendliche Videos ins Netz, in denen sie betrunken herumkullern.

Nette Denkanstöße

Eine Lösung liefern Anne Weiss und Stefan Bonner nicht in ihrer Show, die stellenweise an eine Firmentagung erinnert. Aber Denkanstöße gibt es haufenweise, um aus den Teufelskreis herauszukommen.

Beispiel Fernsehen. Stefan Bonner: „Es bringt nichts, gegen die miserable Qualität zu wettern, wenn ich selber immer anschalte und mich berieseln lasse. Das gehört auch zum Doof sein: sich berieseln lassen und nichts zu hinterfragen.”

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