Nordkreis: Laute Orte in der Umgebung: Straßenverkehr lässt sich nicht abstellen

Nordkreis: Laute Orte in der Umgebung: Straßenverkehr lässt sich nicht abstellen

Ein einziges durch die Nacht knatterndes Mofa reicht aus, um einen ganzen Straßenzug aus dem Schlaf zu reißen. An Orten wie der Schillerstraße in Hoengen etwa müsste das Gefährt noch nicht einmal besonders aufgemotzt sein, denn die dichte Bebauung links und rechts hält den Motorsound dank mehrfacher Reflexionen an den Hauswänden buchstäblich gefangen.

Lärm beherrscht unser Leben, Tag und Nacht. Stefan Kadansky-Sommer weiß das besonders gut. Denn Geräusche und ihre Wirkung sind die Profession des Diplom-Ingenieurs, seit 2009 Inhaber des Büros IBK Schallimmissionsschutz. Das kleine Unternehmen hat eine stattliche Referenzliste, die von Lärmschutzwällen und -mauern unter anderem an der B 57 bei Alsdorf über die Steilwände an der Kamper Gracht respektive den Lärmschutz für das Wohngebiet Kapellenfeldchen in Würselen bis hin zu Berechnungen für den Umbau des Autobahnkreuzes Aachen sowie verschiedene Lärmsanierungen unter anderem auf der A 44 bei Eilendorf und an Autobahnen im Raum Bonn reichen.

Genau unterscheiden, woher die Belastung kommt: Stefan Kadansky-Sommer simuliert Schallsituationen am Computer. Foto: Beatrix Oprée

Aktiver und passiver Lärmschutz

Die akustische Situation an der Schillerstraße kennt Kadansky-Sommer aus eigener täglicher Erfahrung, denn in dieser Straßenschlucht wohnt und arbeitet der 36-Jährige. „Gegen den Lärmpegel durchfahrender Fahrzeuge helfen hier nur noch spezielle Fenster“, berichtet er. Passiver Schallschutz dieser Art ist vielerorts die einzige Möglichkeit, sich gegen Immissionen überhaupt zu wehren. Denn: „Straßenverkehr lässt sich nicht einfach abstellen.“

Die Schallwellen aber können durch zwei Arten eingedämmt werden, durch Abstand und Beugung, wie der Experte erläutert. Ausreichend Abstand lässt sich im Zuge einer Lärmsanierung nicht überall herstellen. Und irgendwann ist auch die Wirkung von aktiven Maßnahmen wie Lärmschutzwänden und -wällen, aber auch offenporigem Asphalt, Geschwindigkeitsbegrenzungen und teilweisen Fahrverboten ausgereizt. „Lärm“, so sagt der Fachmann, „ist eigentlich ein wertender Begriff. Wir gehen deswegen zunächst von einer physikalischen Größe aus, dem Schall.“ Oder „Geräuschen“.

Wie diese auf den Einzelnen wirken, hängt vom individuellen Empfinden ab. „Was für den einen muntermachende Rockmusik ist, hält der andere für eine unerträgliche Belästigung. Das Repertoire des Schalls ist so vielfältig, dass man nicht immer eine pauschale Richtschnur ziehen kann“, sagt Kadansky-Sommer. Ein Faktor von vielen ist auch die Ortstypischkeit: Wer mitten in der Stadt wohnt, wird Straßenverkehr gelassener hinnehmen, als jemand in ländlicher Stille. Aber auch auf die Geräuschart kommt es an: „Eine Beurteilung ist dem Empfinden und physikalischen Grundsätzen geschuldet“, sagt Kadansky-Sommer.

Tiefe Frequenzen etwa breiten sich wesentlich länger aus und sind weiter zu hören. „Der Bürger ist einem Gesamtlärm ausgesetzt. Wichtig ist, genau zu unterscheiden, woher die Belastung kommt“, sagt der Schallschutzfachmann. So ist jede Firma verantwortlich für ihre Emissonen, die strengen Richtlinien unterliegen. Und hier kann viel zusammenkommen, von Geräuschen aus gekippten Oberlichtern bis hin zum summenden Ventilator.

Auch ein Straßenbaulastträger ist schon bei der Planung neuer Straßen verpflichtet, Grenzwerte einzuhalten. Von einem Schallgutachten hängt es daher maßgeblich ab, welche Neubaumaßnahmen wo verwirklicht werden können.

Mehr von Aachener Nachrichten