Würselen: Laichgewässer für gefährdete Amphibien im Wurmtal

Würselen : Laichgewässer für gefährdete Amphibien im Wurmtal

Mitarbeiter der Stichting IKL Limburg legen auf der Halde Gouley im Wurmtal Tümpel für die hierzulande gefährdeten Geburtshelferkröten und Kreuzkröten an. Die Biologische Station Städteregion Aachen hat diese Maßnahme in Auftrag gegeben. Hunderte weitere Schutzmaßnahmen werden in den nächsten Jahren im Rahmen eines großangelegten EU-Projekts folgen.

Ein Bagger trägt Erdreich ab. Geschickt modelliert der Baggerfahrer mit der Schaufel das Profil eines Kleingewässers. Dann schichtet Wil Niessen von der Stiftung IKL Limburg Sand, Fließ, Teichfolie und wieder Fließ in die Mulde. Den Abschluss bildet eine Schicht einer speziellen Betonmischung. „Der Beton wird durch Beimischen von Kunststofffasern dehnbar, was verhindert, dass im Winter Risse entstehen“ erklärt Wil Niessen. „Er schützt die Folie, wenn im Herbst die Tümpel gereinigt werden.“ Die neuen Gewässer sind sehr robust, halten lange das Regenwasser und sind mit wenig Aufwand leicht zu reinigen. Die IKL hat in Limburg und im Kreis Heinsberg bereits zahlreiche derartige Amphibiengewässer angelegt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sie für den Amphibienschutz sehr erfolgsversprechend sind.

Bettina Krebs hat mit ihren Kollegen die Pläne für die Schwarze Halde und weitere Naturschutzgebiete in der Städteregion Aachen ausgearbeitet. Sie leitet das Projekt „Life-Amphibienverbund“ der Biologischen Station Städteregion Aachen. „Das Problem für die Tiere ist, dass ihre Laichgewässer entweder nicht mehr vorhanden oder zugewachsen sind oder drohen, im Laufe des Sommers auszutrocknen. Daher lassen wir hier zwei größerer Gewässer für Geburtshelferkröten und mehrere Kleingewässer für Kreuzkröten anlegen.“ Die Stadt Würselen unterstützt als Eigentümer der Schwarzen Halde die Maßnahmen ausdrücklich.

Für die Gelbbauchunke

Die Halde ist zu Zeiten des Steinkohleabbaus entstanden, als hier der Aushub deponiert wurde. Die Geburtshelferkröte hat die Abraumhalden im Nordkreis der Städteregion Aachen als Ersatzlebensraum besiedelt. Sie sind ihren natürlichen Lebensräumen in Nordrhein Westfalen — die naturbelassenen Auen der Mittelgebirgsbäche sehr ähnlich. In der Bergbaufolgelandschaft nutzt die Geburtshelferkröte den lockeren Abraum an sonnenbeschienenen Süd-Hängen, um sich tagsüber einzugraben und sich vor Austrocknung zu schützen. Da Pflanzenbewuchs auf dem kargen Boden der Halde nur langsam aufkommt, blieb der Boden lange sonnenbeschienen und auch locker, weil er nicht stark durchwurzelt war. Mit den Jahren ist aber vor allem am Fuß der Hänge ein Wäldchen gewachsen. Daher wurden hier im Februar im Auftrag der Biologischen Station Städteregion Aachen bereits die Gehölze entfernt.

Am Fuß der Halde boten Bodenmulden, die sich mit Regenwasser füllten, Laichgewässer für die Larven der Geburtshelferkröte. Die Mulden sind zu Zeiten des Betriebs entstanden, als Lkw den Abraum antransportierten und dabei den Boden stark verdichteten. Mit der Zeit sind die Kleingewässer aber verlandet oder undicht geworden, so dass sie austrocknen, bevor die Quappen sich zu jungen Geburtshelferkröten entwickeln können. Auch an anderen Standorten sind durch den schwindenden Vermehrungserfolg der Tiere Geburtshelferkröten-Populationen kleiner geworden oder gar verschwunden. Fast die Hälfte der Vorkommen die Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts bekannt waren sind erloschen. Auch in ganz NRW, Deutschland und vielen anderen Regionen in der EU sieht es ähnlich aus. Die EU, das Land NRW und die Städteregion finanzieren daher das Projekt, mit dem auch zwei weitere seltene Amphibienarten in der Städteregion gefördert werden: die Kreuzkröte und die Gelbbauchunke. Bis Ende des Sommers sollen in Naturschutzgebieten über 100 weitere, kleinere und größere Gewässer angelegt werden - hier vor allem für die vom Aussterben bedrohte Gelbbauchunke.

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