Alsdorf: Kurze Wege für das Wohl der Kinder

Alsdorf: Kurze Wege für das Wohl der Kinder

Es geht um kurze Wege, um klare Strukturen. Darum, Kinder möglichst früh vor familiärer Gewalt oder Vernachlässigung zu schützen. Eine besondere Vereinbarung haben dazu der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) des Alsdorfer Jugendamtes und die Gesamtschule getroffen.

Bei einer Vertragsunterzeichnung wurde jetzt offiziell besiegelt, was schon seit geraumer Zeit praktiziert wird. „Es ist enorm wichtig geworden, dass Schulen und Akteure der Jugendhilfe sich vernetzen und sich austauschen”, sagt Herbert Heinrichs, Leiter des Alsdorfer Jugendamtes. Hilfen anzubieten, sobald Alarmsignale erkennbar werden. Wenn ein Schüler regelmäßig mit verschmutzter Kleidung zum Unterricht erscheint - oder wenn er gar nicht mehr zur Schule kommt. Wenn er zusehends stiller wird, in gebückter Haltung geht. Solche und viele weitere Auffälligkeiten stehen auf einer Art Checkliste, die die Lehrer der Gesamtschule nun im Rahmen der Kooperation an die Hand bekommen.

Wie sie damit zugleich behutsam und aufmerksam umgehen können, lernen sie von den Mitarbeitern des Jugendamtes. „Wir gehen in die Schulen hinein und zeigen den Lehrern, wie sie die Indikatoren erkennen können und wie sie darauf reagieren sollten”, sagt Michael Raida, fachlicher Leiter des Jugendamtsbereichs Familienergänzende Hilfen. Kooperationsverträge mit weiteren Schulen sind angedacht.

Alle an einem Tisch

Zeigen sich bei einem Kind Probleme, sei eines besonders wichtig: „Es muss eine gemeinsame Lösung gefunden werden”, sagt Herbert Heinrichs. „Was früher die einsame Entscheidung eines Bezirkssozialarbeiters war, wird heute gemeinsam mit Lehrern, Ärzten, Beratungsstellen und vor allem den Eltern an einem Tisch erörtert.”

Oberstes Ziel dabei: „Eine Trennung von Familien zu vermeiden.” Stattdessen solle in Gesprächen aufgezeigt werden, welche Hilfsangebote es gibt, wie Kinder und Eltern ihr Verhältnis zueinander ändern, es verbessern können. Heinrichs: „Es geht darum, die Ressourcen von Familien zu stärken.”

Der Bedarf steigt. „Gut 20 Prozent der Jugendlichen leiden heute unter psychischen Erkrankungen”, sagt Gesamtschullehrer Martin May, der das Projekt gemeinsam mit seiner Kollegin Monika Esser koordiniert. Solche Auffälligkeiten zu erkennen, sei für Lehrer an einer Ganztagsschule wie der Alsdorfer Gesamtschule oftmals leichter. May: „Da gibt es gemeinsame Arbeits- und Förderstunden in kleineren Gruppen, in denen Lehrer meist einen leichteren Zugang zu den Schülern haben, wo die Jugendlichen auch mal von privaten Dingen erzählen.”

Schulform spielt keine Rolle

Keine Rolle spiele die Schulform indes, was das Problem als solches betreffe: „Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen machen vor keinem Schultyp Halt”, sagt Herbert Heinrichs. Das Gymnasium - eine Schule für die behüteten Kinder? Das sei eine reichlich überholte Vorstellung. Kooperationen wie die jetzt geschlossene haben auch einen finanziellen Aspekt. Heinrichs: „Pro Jahr müssen in Alsdorf gut 4,8 Millionen Euro für erzieherische Hilfen ausgegeben werden. Eine verbesserte Früherkennung kann dabei helfen, einen Teil dieser Summe einzusparen.”

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