Vielfältiges Programm : Kulturkirche: Eine „Allianz mit der Kunst“

Vielfältiges Programm : Kulturkirche: Eine „Allianz mit der Kunst“

Als „tragikkomisches Lesungsevent mit Autorin und eigenwilliger Gitarre“ ist das Literaturdinner überschrieben, mit dem die Macher der Kulturkirche St. Josef in Straß am Freitag, 21. September, 19 Uhr, aufwarten.

Leonie Faber liest aus ihrem Roman „Die Zeitenbummlerin“ und erzählt von der Journalistin Josefine, die, auf dem Weg zur eigenen Entschleunigung, ihre Termine nur noch mit dem Fahrrad erledigt. Von Berlin über die Ostseeküste bis nach Norwegen ...

Mit diesem bewusst neuen Format wollen die Akteure der Pfarre und des evangelischen Erwachsenenbildungswerks weiter ausloten, welche Angebote in die Straßer Kulturkirche und damit in den Sozialraum passen. „Kunst und Kultur ist ja schon immer Bestandteil kirchlicher Entwicklung gewesen“, sagt Gemeindereferent und Mitorganisator Wilfried Hammers.

An vielen Stellen indes seien die Bezüge verloren gegangen: „Kunst kann helfen, die Lebenswirklichkeit anders zu sehen, als wir es aus Glaubensperspektive tun“, setzt er auf die „Allianz mit der Kunst“: Denn Gläubige seien auch Suchende, und Künstler böten eine andere Weltsicht an, oft sogar eine prophetische. Was also passt in die Lebenswirklichkeit des Straßer Publikums? Die „Zeitenbummlerin“ mit ihrer Entdeckung der Langsamkeit in einem stressvollem Alltag? Oder vielleicht eher der Klang des Lichts, der „Sound of Light“, wie die aktuelle Konzerttour des Komponisten und Pianisten Dirk Maassen betitelt ist? Der gebürtige Herzogenrather lebt heute in Ulm, wo seine Tour Anfang Oktober beginnt und ihn über Hamburg und Berlin am Samstag, 10. November, 20 Uhr, nach Straß führt, bevor es nach Köln, München und Hamburg weitergeht.

Maassen ist in Straß aufgewachsen, machte am städtischen Gymnasium in Herzogenrath sein Abitur, studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik, experimentierte mit elektronischer Musik, arbeitete zwischendurch in seinem Beruf als Softwareentwickler und wandte sich schließlich als Komponist und Pianist wieder der Musik zu. Im Herbst 2016 startete er seine erste Solo-Tournee durch Europa. „In der Straßer Kirche hat er Orgel spielen gelernt“, berichtet Hammers von dem europaweit angesagten Musiker „ohne Allüren“, dem es erklärtermaßen eine Ehre sei, in der Kulturkirche St. Josef zu spielen, dem Ort, wo alles seinen Anfang genommen habe. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Interessen ausloten

Vielfältig ist die Angebotspalette, mit der es in der Kulturkirche auch im kommenden Jahr weitergehen soll, unter anderem mit einem Klavierkonzert am Freitag, 25. Januar 2019, 20 Uhr, mit dem Pianisten und Aktivisten Roland Vossebreker aus Anlass des Auschwitz-Gedenktags (27. Januar). Ausstellungen und politische Diskussionen sind überdies angedacht. 2019 möchte man sich noch Zeit geben, um die kulturellen Interessen des „Nahraums“ auszuloten. Rund sechs größere Veranstaltungen sind übers Jahr hinweg konzipiert. Dazu kommt das Unterformat „5 vor 12“ in Form von sporadischen Konzerten sonntags nach dem Gottesdienst. „Wir wollen das Publikum animieren, zu bleiben und dem Konzert zu lauschen, aber auch Künstler mit und mit an die Pfarre heranführen“, sagt Hammers.

Die Kulturkirche werde aus einem Sonderprogramm für innovative Ideen in Pfarreien gefördert, das bistumsweit 21 Projekte bedacht habe, erläutert der Gemeindereferent nicht ohne Stolz. Der Kirchenbau ist der ergänzenden Nutzung, die demnächst auch ein Kinoprogramm umfassen soll, angepasst worden: Unter anderem durch einen Windfang am eigentlichen Hauptportal, barrierefrei und mit elektrischem Öffner. Ebenfalls mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt ist der schlichte neue Holzschrank im Seitenschiff, in dem Utensilien wie Leinwand, Beamer, Lautsprecher und Ähnliches untergestellt werden können.

Eine sogenannte Gehörgeschädigtenschleife sorgt in St. Josef schon länger dafür, dass Menschen mit Hörgerät eine Direktverbindung zum Altarmikrofon haben, damit die Nebengeräusche in dem hallenden Gemäuer nicht ebengleich verstärkt werden. Für den Genuss von Konzerten und Lesungen kommt dies nun besonders zu pass, wirbt Hammers auch mit diesem Aspekt der Barrierefreiheit. In der Hoffnung, auch die Kulturkirche in der „experimentierfreudigen“ Gemeinde zur Blüte zu bringen, „ein weiterer Mosaikstein dafür, was wir in unserem Pastoralkonzept als qualitativen Anspruch zum Ausdruck bringen - mit Herz, Kopf und Hand für ein Leben in Fülle“.

Tickets für die Lesung gibt es im Vorverkauf für 18 Euro an der Infothek im Rathaus, in den Buchhandlungen Katterbach sowie im Pfarrbüro, Josefstraße 6, Reservierung 02406/2255 (auch AB), Abendkasse 20 Euro, inklusive Dinner, ohne Getränke.