Alsdorf: Kubiz-Realschule: Eltern machen Druck

Alsdorf : Kubiz-Realschule: Eltern machen Druck

Als der Neubau des Kultur- und Bildungszentrums (Kubiz) Alsdorf errichtet wurde, sagte Lucas zu seiner Mutter: „Da will ich mal hin.“ Die antwortete: „Dafür musst du mehr üben.“ Das tat er.

Lucas, jüngster der drei Söhne von Alexandra Reinartz, besucht die Grundschule am Annapark, die sich ebenso wie die Wohnung der Familie in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kubiz befindet. Inzwischen ist er zehn Jahre alt und könnte theoretisch nach den Sommerferien auf die Realschule im Kubiz wechseln. Die Realschulempfehlung hat er. Wahrscheinlich wird er aber weder diese noch die zweite Realschule in Alsdorf, in Mariadorf, besuchen, sondern die Gesamtschule. Damit ist er eines von 40 Kindern, das für das Schuljahr 2018/19 abgelehnt wurde, weil die Realschule von drei auf zwei Eingangsklassen verkleinert wird. Zwei 5. Klassen á 27 Schüler wird es nach den Ferien geben, mit insgesamt fünf Förderschülern. Gegen diese Beschränkung formiert sich nun Widerstand auf Elternseite.

Alexandra Reinartz (45) sitzt mit Julia Kreutzkamp (33) am Esstisch. Ihre Tochter Lilly ist ebenfalls zehn Jahre alt und hat auch eine Absage erhalten. Im darauffolgenden Schuljahr wird es vielleicht das zweite ihrer insgesamt vier Kinder treffen, Edward (9). Die Familie wohnt in Busch, auch für sie ist der Annapark die nächste Anlaufstelle für Schulen.

Andere Voraussetzungen

Tag der offenen Tür, Probeunterrichtsstunden — das alles haben die beiden Familien mit ihren Kindern mitgemacht. „Letztes Jahr hieß es noch: ,Wenn ihr euch hier bewerbt, passt das auch.‘ Damals war ja auch noch nicht die Rede davon, die dritte Klasse zu streichen“, sagt Kreutzkamp.

Die 33-Jährige stammt ursprünglich aus Schleswig-Holstein und war mit ihrem Mann zuletzt unter anderem deshalb von Köln nach Alsdorf gezogen, weil sie Sorge hatte, in der Großstadt auf erhebliche Probleme zu stoßen, wenn sie ihre Kinder auf einer von ihr favorisierten Schule hätte unterbringen wollen. „Da reist man durch ganz Deutschland, um am Ende doch wieder vor das gleiche Problem gestellt zu sein“, sagt sie. Aber aufgeben will sie nicht.

Wie ihre Mitstreiterin Alexandra Reinartz hat sie einen Widerspruch eingelegt. Darüber hinaus hat sie sich juristischen Rat eingeholt, mit der Bezirksregierung in Köln telefoniert, Kontakt zu einem ersten Ratsvertreter aufgenommen, will einen Infobrief an der Grundschule Annapark verteilen, damit auch die als übernächstes Betroffenen in Kenntnis gesetzt sind, und erwägt eine Klage. „Solange die Klage läuft, dürfte unsere Tochter auf der Schule bleiben. Was natürlich bedeuten würde, dass ein anderes Kind von der Schule runter muss ...“, überlegt sie. Keine leichte Entscheidung.

Petition im Internet

Leichter war es dagegen, eine Online-Unterschriftensammlung zu starten. Ziel: das Revidieren der Verkleinerung der Kubiz-Realschule, also die Beibehaltung der dritten Eingangsklasse.

„Mir konnte noch keiner einen vernünftigen Grund nennen, warum der dritte Zug nicht wieder aufgemacht wird“, sagt Kreutzkamp und verweist damit unter anderem auf ein Gespräch mit der Schulleiterin, Reinhild Behr-Bennemann. Personal sei noch genügend vorhanden, Räume auch, die Anmeldezahlen seien nicht erst zum kommenden Schuljahr hoch — und der Stadt entstünden nicht einmal höhere Kosten. „Mir ist völlig unklar, warum das nicht gemacht wird“, sagt Kreutzkamp.

Die Stadt Alsdorf, genauer gesagt das Schulamt, hat sich dazu in der Vergangenheit bereits mehrfach geäußert: Die Stadt werde ihrem Anspruch, dass jedes Kind jeden Abschluss in Alsdorf machen könne, gerecht. Über die Anzahl der Eingangsklassen hatte der Rat zuletzt entschieden: wie erwähnt, dass der Kubiz-Realschule ein Zug genommen und dafür der Marienrealschule ein Zug gegeben wird. Letztere darf außerdem einen Hauptschulzweig einrichten.

Für Kreutzkamps Tochter ergebe sich aus dem Fakt, dass auch die andere Realschule Schüler ablehnen musste, die Konsequenz, nun auf die Gesamtschule ausweichen zu müssen. Das ist nicht nur eine Frage des Standpunkts („Man muss auch erstmal von dem Konzept Gesamtschule überzeugt sein, und das sind wir nicht.“), sondern auch eine ganz praktische. „Unsere Tochter müsste erst bis zum Annapark fahren und dann dort in den Bus umsteigen“ — und das findet Kreutzkamp unnötig. Mit zehn Eltern hat sie direkt gesprochen, „alle sind unzufrieden mit der Endperspektive Gesamtschule“, sagt sie.

„Es macht einfach alles in allem keinen Sinn“, sagt sie. Man dürfe sich damit auch nicht zufriedengeben. Deshalb hofft sie nun auf viele Unterzeichner der Petition. 740 bräuchte sie, 72 hatte sie Montagmittag. Unterzeichnen kann im Grunde jeder, nicht nur direkt Betroffene.

Derweil hat die Schulleiterin beim Schulamt einen Antrag auf Mehrklasse gestellt, wie sie es direkt nach Bekanntwerden der Anmeldezahlen erwogen hatte (wir berichteten). „Den Antrag habe ich vor den Osterferien gestellt, ich habe aber noch keine Rückmeldung vom Schulamt erhalten.“ Da Verwaltung und Politik über den Schulbedarfsplan entscheiden, ist das Schulamt auch der erste Ansprechpartner. „Wir hatten in den vergangenen Wochen viele Elterngespräche und inzwischen liegen etliche Widersprüche vor“, berichtet Behr-Bennemann.

Von beiden Seiten, Eltern und Schule, wird nun also Druck ausgeübt. Das Ergebnis ist offen. „Ich glaube, dass unsere Chancen gar nicht so schlecht stehen“, sagt Kreutzkamp.